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Überforderte Eltern:...

„Ich konnte ihn einfach nicht anders beruhigen”

12.11.2008 | 17:58 Uhr

Überforderte Eltern und ein schreiendes Baby, eine Kombination, die in einem Fall in Kamen im letzten Jahr leider tödlich endete.

Ein entnervter Vater schüttelte seinen gerade einmal 3 Monate alten Sohn so heftig, dass der kurze Zeit später im Krankenhaus an den Folgen des Schütteltraumas starb.

Seit Mittwoch verhandelt das Dortmunder Schwurgericht gegen den 31-jährigen Kamener Maik Z. (alle Namen geändert). Obwohl es um seinen eigenen Sohn geht, merkt man dem Kamener zunächst gar nicht an, dass er hier wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt wird. Mit ruhiger aber bestimmter Stimme schildert der 31-Jährige, wie er von der Schwangerschaft seiner Verlobten Ende 2006 erfuhr. Geplant sei das Kind zwar nicht gewesen, gefreut habe er sich aber dennoch, berichtet er weiter. Trotz diverser Beziehungsprobleme war die Freude der Eltern groß, als der Sohn am 13. Juni letzten Jahres geboren wurde.

Die Ernüchterung folgte aber recht bald. Maik Z. und seine 23-jährige Verlobte Marie R. waren mit der Versorgung des Babys überfordert. „Er hat schon außergewöhnlich viel geschrien und war dann auch kaum zu beruhigen,” erzählt der 31-Jährige weiter. Als er dann aber über die Misshandlungen des Babys sprechen soll, zeigt der Angeklagte zum ersten Mal, wie betroffen er wirklich ist. Ihm versagt die Stimme und er verweigert jede weitere Aussage. Zu schmerzhaft ist die Erinnerung an das, was er dem Säugling angetan haben soll. Vier Mal soll er das Baby misshandelt haben. Der Junge wies bei der Einlieferung ins Krankenhaus blaue Flecken an den Fingern, den Beinen und im Gesicht auf.

Deutliche Spuren von Misshandlung

Maik Z. hatte die Geduld mit dem schreinden Säugling verloren, ihn zu hart angefasst und ihn auch zwei Mal wild geschüttelt. Beim zweiten Mal verletzte er das Kind dabei so schwer, dass es später an seinen Verletzungen starb. Zwar brachte der Vater seinen Sohn nach der Misshandlung sofort zum Arzt, helfen konnte der aber nicht mehr. Der Säugling wurde in die Kinderklinik nach Dortmund gebracht, wo er noch etwa einen Monat lang an lebenserhaltende Geräte angeschlossen war, bevor diese Anfang Oktober abgeschaltet wurden.

Dass er die Schuld am Tod seines eigenen Sohnes trägt, das wollte der 31-Jährige sich nicht eingestehen. Bei der Polizei behauptete er, das Baby habe sich selbst verletzt und Schütteln – das habe ihm ein guter Freund gesagt – sei ein bewährtes Mittel, um Kinder zu beruhigen. Ob Maik Z. wirklich so ahnungslos war, wird sich an den nächsten Verhandlungstagen zeigen, an denen die Lebensumstände des Paares näher betrachtet werden sollen. Die Verlobte des Angeklagten verweigerte gestern vor Gericht die Aussage.

Sarah Wiggermann

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