Gut gehütete Schätze aus Jahrhunderten
12.02.2010 | 16:33 Uhr 2010-02-12T16:33:00+0100Kamen. Es ist kühl und das Licht ist spärlich in den Katakomben des ehemals Königlich-preußischen Amtsgerichts.
Auf einem Regal stehen Apothekengläser noch aus dem Bestand der alten Kamener Adler-Apotheke neben Kutschleuchten und dem sogenannten „Affen“, einem Tornister mit struppig braunem Fell, wie ihn die Hitlerjugend auf dem Rücken trug. „Das hat hier alles seine Ordnung, auch wenn es nicht immer so aussieht“, versichert Hans-Jürgen Kistner, Herr im Haus der Stadtgeschichte schmunzelnd.
Vor rund 30 Jahren begann Kistner, das städtische Museum aufzubauen und seitdem aus unzähligen Haushalts- und Geschäftsauslösungen, Dinge zu sammeln, die das Leben der Kamener Bürger über Jahrzehnte begleiteten: vom hölzernen Butterfass über handgenähte Trachten des Knappenvereins, bis hin zum ziemlich ramponierten Nähkästchen aus dem 19. Jahrhundert. Manch alter Kamener vererbte einen Teil seiner Besitztümer sogar direkt dem Museum, damit auch nach dem Tod noch etwas von seinem langen Leben erhalten bleibt.
Und bei Museumsleiter Kistner sind die Dinge gut aufgehoben. „Meine Eltern haben beide Weltkriege erlebt,“ erzählt Kistner, „von ihnen habe ich gelernt, nichts wegzuwerfen.“ So lagern in den hinteren Gefilden des Museums Polizeidegen neben Bergmannshelmen, Plattenspieler neben Schreibmaschinen, die Knopfpresse vom Modehaus Brockmann neben der elektrischen Kaffeemühle der Drogerie Thiel und warten darauf in einer Ausstellung vom damaligen Leben zu erzählen. Hinter jeder Tür, die vom geschwungenen Treppenhaus des alten Amtsgerichts abgeht, verbirgt sich ein Stück Kamener Geschichte – manches ein paar Jahrzehnte alt, anderes einige Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende, wie die Funde aus der Westicker Siedlung.
Vom Bürgermeister
bis zur Putzfrau
Doch nicht nur Gegenstände erzählen vom Leben der Kamener Bürger. In den ehemaligen Gefängniszellen des Amtsgerichts – noch erkennbar an den schweren Türen mit Guckloch und Durchreiche fürs Essen –, türmen sich Personalakten städtischer Mitarbeiter aus weit zurückliegenden Jahrzehnten. Einige davon werden ihren Weg ins Hauptarchiv finden, von den Hans-Jürgen Kistner liebevoll „grüner Salon” genannt.
Was gemütlich klingt, entpuppt sich als nüchterner Raum mit mannshoch gestapelten grünen Kisten, in denen akribisch archiviert Handschriften, Urkunden, Gesetzestexte, alte Karten, Fotografien und persönliche Akten der städtischen Mitarbeiter Kamens aus jeder Epoche und jeder sozialen Schicht lagern. Vom Bürgermeister bis zur Putzfrau spiegelt sich hier das gesamte soziale Spektrum der historischen Kamener Bevölkerung – man muss nur danach suchen.
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