"Giftig, krebserregend und erbgutgefährdend"
24.03.2010 | 18:17 Uhr 2010-03-24T18:17:00+0100Kamen. Die Politik in der Stadt macht jetzt Druck. Nicht länger hinnehmbar sei die Zuleitung von hoch problematischen Kokerei-Schadstoffen aus Unna-Massen in die Körne oder das Körnebachklärwerk (wir berichteten).
Eine Lösung noch in diesem Jahr signalisierte vor dem Betriebsausschuss des Rates für den Kreis Jürgen Werner. Man werde keine langen Rechtsstreitigkeiten abwarten.
Die Grünen hatten dem Thema in dieser Woche eine eigene Veranstaltung gewidmet. Deren Ergebnis bekräftigte Klaus-Bernhard Kühnapfel vor dem Betriebsausschuss. Die kokereispezifischen Stoffe, die mit Grundwasser aus Massen nach Kamen gepumpt würden, seien hoch problematisch und auch in kleineren Dosen gefährlich. Die Kontaminierungen seien giftig, krebserregend und erbgutgefährdend, bekräftigt er. Es sei nicht zu verstehen, dass der Betrieb eines weder baurechtlich noch wasserrechtlich genehmigten Pumpwerks in Deutschland überhaupt möglich ist. Obendrein zahle auch noch der Kamener Gebührenzahler für fremde Wassermengen.
Auch die CDU fordert zügige Lösungen. Sie hatte das Thema auf die Tagesordnung des Ausschusses gebracht. Reinhard Hasler zeigte sich irritiert, dass das Thema seit 2001 bekannt sei, erst jetzt aber etwas geschehe. Die Einleitung könne keine Dauerlösung sein. Es sei nicht überzeugend, wenn man Verdünnung durch andere Wassermengen einrechne und so Grenzwerte gerade eben unterbiete.
Die Kontaminierungsquelle in Massen müsse saniert werden, forderten CDU, Grüne und SPD. Für die SPD betonte Petra Hartig, die Einleitung kontaminierten Wassers in die renaturierte Körne könne einfach nicht zugelassen werden. Es müsse doch schon im Interesse der Anwohner der ehemaligen Kokereie- und Zechenfläche in Massen liegen, dass dort etwas geschehe. Sie regte an, die Anwohner in der Nachbarstadt auf die Gefahren durch Grundwassernutzung und Obst- oder Gemüseanbau im Umfeld hinzuweisen.
Reinhard Hasler machte deutlich, dass auch Finanzierungsfragen eine Lösung nicht bremsen dürften. Bis 2015 müsse jeder Hausbesitzer seinen Kanalanschluss testen und sanieren, ob er nun das Geld dafür habe oder nicht. Da sei es nicht vermittelbar, wenn ein derartiger Missstand nicht umgehend abgestellt werde.
Bis zum Sommer sollen laufende Begutachtungen abgeschlossen sein, so Werner. Dann werde man Lösungen suchen, ohne das Ende womöglich zeitraubender Rechtsverfahren abzuwarten. Erfahrungen aus der Vergangenheit hätten gezeigt, dass die öffentliche Hand auf den Kosten sitzen bleiben könne. Eine Sanierung des Klärteiches wäre wohl eher der zweite Schritt. Geprüft wird zunächst eine Vorklärung am Massener Pumpwerk.
08:44
Wenn ich über solch eklatante Missstände lese, dann schwillt mir die Krawatte. Die Menschen waren ja schon immer gut darin, ohne nachzudenken und zum eigenen Vorteil die Umwelt zu schrotten.
Was ich hier vermisse, sind Kommentare von Steuerzahlern, die sonst gerne mal sich brüskieren, wenn sie für andere Mitglieder der Gesellschaft zahlen müssen.
Solch einen verzapften Mist zahlen wir auch (wie im Artikel schon erwähnt). Aber das Fehlen von Kommentaren hier spiegelt wieder, was leider immer häufiger festzustellen ist; der Blick eines Jeden reicht nur in die eigene Geldbörse und bis zum Gartenzaun (wenn der Nachbar tot auf dem Rasen liegt..wen interessierts, solange ich nichts machen muss). Hört sich krass an, aber in den vergangenen Jahren treffe ich immer mehr Leute, die so denken...