Gesund werden mit gutem Essen
15.12.2011 | 17:22 Uhr 2011-12-15T17:22:00+0100
Kamen.„Es gibt Krankheiten, die nur durch richtige Ernährung geheilt werden können“, hat schon der alte Grieche Hippokrates festgestellt. Und so ist im Hellmig Krankenhaus neben dem OP und der ärztlichen Betreuung die Küche der Ort, an dem mit Fachkompetenz und Hingabe für das Wohlbefinden der Patienten gearbeitet wird - 365 Tage im Jahr.
Bei aller Kritik (z.B. zu viel oder zu wenig Salz) gibt es in erster Linie überschwängliches Lob für die Küche. „Das Essen ist sehr schmackhaft! Danke für die viele Mühe.“ oder „Danke, Danke, danke! Es war sehr lecker!“ Solche handschriftlichen Rückmeldungen von zufriedenen Patienten findet Küchenchef Stephan Wien immer wieder auf seinem Schreibtisch.
Zwei Hostessen gehen täglich über die Stationen, um die Essenswünsche der Patienten aufzunehmen. Die können aus einem Speisenplan mit vier täglichen Menüs wählen und daraus sogar eigene Kombinationen erstellen. „Die ganz schwer kranken Patienten dürfen sogar frei wählen. Und ihre Wünsche versuchen wir dann auch zu erfüllen“, erzählt Wien. Meistens aber werden dann ganz profane Sachen bestellt: Zum Beispiel Bratkartoffeln mit Spiegelei.
Das Reich von Küchenchef Stephan Wien ist für ein 210-Betten-Krankenhaus durchaus großzügig bemessen. Ein halbes Dutzend Kühlräume, eine eigene „kalte Küche“ für Frühstück und Abendessen, die eigentliche Küche mit Kesselgruppe und Spezialöfen (Konvektoren). Dazu noch eine moderne Spülstraße. „Wer diese Küche mal geplant hat, der war vom Fach“, lobt Wien, der seit etwas mehr als 10 Jahren am Hellmig-Krankenhaus ist. „Von der Kapazität her könnten wir bestimmt 1 000 Essen am Tag zubereiten.“ Tatsächlich sind es „nur“ 200 bis 300, wobei - und das macht Wien auch stolz - ein nicht unerheblicher Teil inzwischen auch für die LWL-Tagesklinik in Bergkamen gekocht wird.
Die Versorgung des eigenen Personals und der Patienten im Haus ist und bleibt aber das Kerngeschaft für die 22köpfige Belegschaft der Großküche, die fester Betandteil des Krankenhauses ist und eben kein Catering-Unternehmen. „Natürlich ist Kochen in einer Krankenhausküche nicht mit einem Gastronomiebetrieb vergleichbar“, sagt Wien. Neben den medizinisch vorgegeben Einschränkungen (u.a. cholesterinarm, Diabetiker geeignet), müsse auch auf religiöse Befindlichkeiten Rücksicht genommen werden (u.a. kein Schweinefleisch für Moslems). Selbstverständlich gibt es täglich auch ein rein vegetarisches Menü.
Ein weiterer Unterschied zum Gourmet-Restaurant: Die Zutaten im Hellmig-Krankenhaus werden nicht vom Markt sondern tief gefroren angeliefert, Fleisch ebenso wie Gemüse. Doch auf dem Herd oder im Ofen zaubern die Mitarbeiter daraus Gerichte, bei denen man auch als Gesunder gerne tüchtig zulangen würde, etwa bei „Schweinerückenbraten in Kräutersenfsauce mit Kohlrabigemüse und Petersilienkartoffeln“.
Dazu gibt es besondere Angebote aus der Küche: Nach der Geburt ihres Kindes werden Elternpaare kostenlos zu einem Candle Light Dinner im Raum der Hebammensprechstunde eingeladen. Vorspeise, Canapes und Dessert warten dort zur Feier des Tages auf die Glücklichen. Außerdem: Patienten mit Schluckbeschwerden bekommen ihr Essen nicht einfach nur als pürierten Einheitsbrei serviert. Stattdessen: Rindergeschnetzeltes, Blumenkohlgratin und Broccoli jeweils einzeln passiert und optisch ansprechend in Form gebracht. „Das Auge isst ja mit“, schmunzelt Silke Möllenbeck, rechte Hand des Chefs.
Weihnachten gibt sich die Küche besondere Mühe, den Patienten wenigstens eine kulinarische Freude zu machen. In diesem Jahr gibt es Heiligabend „Hausgemachte Rinderroulade“. Am 1. Weihnachtsfeiertag servieren Wien und sein Team gebratene Gänsekeule mit Apfelzimtrotkohl und Kartoffelklößen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag kommt Kalbsragout mit frischen Champignons auf die Teller. Und so wird das Festmahl für den ein oder anderen zum Seelentröster.
09:56
Ich lese "Schwein Rind, Gans Kalb". Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese mit Antibiotika und sonstigen Medikamenten vollgestopften Bestandteile, deren "Spender" zumeist auch noch tagelang kreuz & quer durch Europa gefahren wurden, was mit gutem bzw. gesundem Essen zu tun haben. Dabei stelle ich nicht in Abrede, dass dieses Essen vielen gut schmeckt. Woher sollen sie es auch besser wissen?