Gedichte sind ihre Leidenschaft
28.09.2011 | 23:27 Uhr 2011-09-28T23:27:00+0200
Kamen.„Ein Dichter fühlt sich nie allein, er spricht in Gedanken...“, trägt Brigitte Schmidt mit kräftiger Stimme vor, während die Gestik ihrer Hände den Worten noch mehr Ausdruck verleiht. Man kann förmlich den Stolz in ihren Augen sehen, als sie ihr selbst geschriebenes Gedicht über das vorträgt, was ihre größte Leidenschaft ist – das Dichten.
„Ich habe eigentlich schon immer gedichtet, schon als ich noch ganz jung war, habe ich witzige Verse über Bekannte oder Verwandte geschrieben“, verrät die 84-jährige Kamenerin. Das besondere dabei: Brigitte Schmidt hat nicht nur etliche Gedichte geschrieben, sie kann auch mindestens 25 davon auswendig.
Warum sie sich so viele Gedichte merken kann? Die Rentnerin ist sich sicher, dass es an ihrer Schulzeit liegt. „In der Schule mussten wir viel auswendig lernen. Die Lehrerin zeigte dann mit dem Finger auf einen von uns und derjenige musste dann etwas vortragen. Ich kam bei einem Satz über Karl den Großen dran. Den Satz weiß ich noch heute“, sagt sie und lächelt dabei.
Wenn Brigitte Schmidt beginnt, ihre Gedichte vorzutragen, scheint es, als würde sie in ihre ganz eigene Welt eintauchen, und die Zuhörer hängen automatisch an ihren Lippen.
Zuhörer sind in den meisten Fällen die eigenen Kinder, Familienmitglieder, Verwandte oder die Vereinsmitglieder des Fördervereins „Neues Wohnen im Alter“, denn ab und zu trägt die Rentnerin dort ihre selbst gedichteten Werke auf Feierlichkeiten vor.
Auf die Frage, woher sie die Ideen für die klangvollen Verse nimmt, antwortet die Rentnerin nur: „Das ergibt sich einfach so.“ Damit sich auch andere an ihren Gedichten erfreuen könne, gab der Verein 2003 sogar ein kleines Heft heraus, bestückt mit Weihnachtsgedichten, allesamt aus der Feder von Brigitte Schmidt. „Frau Schmidt hat mir vor einigen Jahren ihre Gedichte gezeigt und ich wusste sofort, da muss man mehr draus machen“, sagt Annelies Schwarzer, Vorsitzende des Vereins „Neues Wohnen im Alter“. Aber auch das Seniorenmagazin des Kreises Unna veröffentlicht regelmäßig Gedichte der Rentnerin. Geld hat sie mit ihren Werken nie verdient und wollte es auch gar nicht. „Das schönste für mich sind die Aufmerksamkeit und die Anerkennung, die ich dafür bekomme“, erklärt sie.
Unzählige Gedichte zu verschiedenen Themen hat die Rentnerin schon geschrieben. Einmal sogar eines über ihr verletztes Bein. „Ich habe mich mal beim Einkaufen am Bein verletzt, das hat sich dann entzündet, mein Hausarzt schickte mich zu verschiedenen anderen Ärzen. Das war eine ganz schöne Tour. Also schrieb ich einfach ein Gedicht darüber“, erzählt Brigitte Schmidt. Ihrem Hausarzt trug sie das dann auch vor. „Er lachte herzhaft darüber“.
Ihr liebstes Werk aber dreht sich um das Leben. „In dem Gedicht steckt die Botschaft, dass man viel lachen soll, darum mag ich es so gern“, verrät sie. Wenn Brigitte Schmidt nicht gerade Gedichte schreibt, spielt sie sicherlich an ihrer Orgel oder malt Bilder, denn das kann sie auch sehr gut. „Ich mache das gerne und was man gerne macht, macht man gut“, sagt sie.
0mitdiskutieren