Fast nur der Notfalldienst ist sicher
04.03.2008 | 20:46 Uhr 2008-03-04T20:46:43+0100Kamen/Bergkamen/Bönen. (tr/KaBa/RL/DM) Diesmal wird der Warnstreik im öffentlichen Dienst deutlicher zu spüren sein. Service-Einschränkungen wird es an vielen Stellen geben.
Zuerst dürfte wieder mit leicht chaotischen Verhältnissen an den weiterführenden Schulen zu rechnen sein. VKU-Busse fahren nicht - wohl aber die von der VKU beauftragten Subunternehmer. Eltern, die sich darauf nicht verlassen möchten, bringen ihre Kinder vielleicht selbst zur Schule - oder bilden Fahrgemeinschaften.
Ob angesichts der zu erwartenden Probleme überhaupt die Schulpflicht gilt, ist laut NRW-Schulministerium durchaus offen. Ein Busfahrer-Streik sei ein "nicht vorhersehbarer zwingender Grund für ein Schulversäumnis". Daher müssen die Eltern eigenverantwortlich entscheiden, ob sie die Kinder zur Schule schicken oder nicht. Ähnlich wie bei gefährlichen Wetter-Ereignissen (etwa "Kyrill") ist es den Eltern frei gestellt, ob sie ihren Kindern den Schulweg zu Fuß oder per Rad zumuten. Die Schulen müssen Entschuldigungen, die sich auf den Streik beziehen, laut Ministerium annehmen.
Kaum ziehen dürfte heute Morgen dagegen mögliche Straßenglätte als Ausrede. Zwar werden die Bauhöfe sowohl der Städte als auch des Kreises und des Landesbetriebs heute bestreikt - der Winterdienst wird aber ausdrücklich sichergestellt, wie die jeweiligen Behörden gestern versicherten.
Ansonsten zeichnen sich durchaus unterschiedliche Auswirkungen des Warnstreiks ab: In Kamen werden Reinigungskräfte und einige Schulsekretärinnen die Arbeit niederlegen. Zudem bleiben das Museum, die Jugendzentren der Stadt und die Freizeiteinrichtungen der GSW (Bäder) geschlossen. Bürgeramt und Arge, Rettungsdienst, Musikschule und Bibliothek öffnen - möglicherweise mit leichten Service-Einschränkungen. Oft stehe hier der zu geringe Organisationsgrad der Angestellten und Arbeiter einem wirkungsvollen Warnstreik entgegen, heißt es aus der Verwaltung. Andererseits müssen die Beamten ohnehin Dienst tun.
In Bergkamen werden die Mülltonnen heute stehen bleiben. In Bönen wird das Rathaus komplett geschlossen. In der Kreisverwaltung wird es im Bürgerbüro und in der Ausländerbehörde wegen des Streiks keinen Service geben.
Warum mit solchem Nachdruck gestreikt wird, begründet die Gewerkschaft Verdi am Beispiel der Gehaltsentwicklung bei Busfahrern: Aktuell bekomme ein Fahrer rund 2000 E brutto - vorausgesetzt, er ist verheiratet und hat keine Kinder. Verdi möchte den Verdienst um mindestens 200 Euro steigern. Seit 1991 habe es keine kräftige Lohnerhöhung mehr gegeben, sagt Jörg Verstegen Pressesprecher von Verdi NRW. Damals waren es 5,4 Prozent. Das letzte Mal haben die Arbeitgeber den Lohn 2005 um drei Prozent erhöht, danach habe es lediglich immer wieder Einmalzahlungen gegeben. Gerade in Anbetracht der steigenden Lebenshaltungskosten sei eine Lohnsteigerung notwendig.
Doch es geht nicht nur ums Geld. Verstegen kritisiert auch Arbeitsverdichtung und damit verbundene Arbeitszeitverlängerungen. Viele frei gewordenen Stellen würden nicht mehr neubesetzt, sondern gingen in den Arbeitsbereich eines bereits angestellten Mitarbeiters über.
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