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„Exklusion ist an der Tagesordnung“

22.02.2012 | 17:42 Uhr
„Exklusion ist an der Tagesordnung“

Kamen.Laut Statistik haben 50 000 Menschen im Kreis Unna einen Behindertenausweis mit einem Behinderungsgrad von 50 Prozent. „Wir gehen davon aus, dass es noch viel mehr sind“, sagt Gabriele Olbrich-Steiner, Behindertenbeauftragte des Kreises Unna.

Eine weitere Zahl: Aktuell sind in der Region 1 560 Menschen mit Behinderungen arbeitslos, 1154 von ihnen bekommen Sozialhilfe, in Kamen sind das 358 Männer und Frauen. „Von den positiven Effekten auf dem Arbeitsmarkt haben Behinderte nicht profitiert“, weiß Thomas Neuhaus, Geschäftsführer des Jobcenters im Kreis Unna. Was vor allem daran liegt, dass zu wenig Betriebe Menschen mit Handicap beschäftigen. „Exklusion ist an der Tagesordnung, nicht Inklusion“, erklärt Neuhaus denn auch nüchtern.

Zu wenig Betriebe beschäftigen Behinderte

Dass es auch anders geht, beweist das Integrationsunternehmen DasDies der AWO. 100 Vollzeitkräfte hat der Servicebetrieb beschäftigt, 34 von ihnen sind Männer und Frauen mit Behinderungen. Das sind nicht allein Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen. Das können auch Langzeitarbeitslose sein, Menschen ohne Ausbildung, mit Sprachdefiziten oder Suchtproblemen.

Unlängst wurden in der Abteilung Garten- und Landschaftsbau zwei neue Arbeitsplätze geschaffen. „Gerade bei körperlich anstrengenden Jobs lassen sich Menschen mit Behinderungen gut integrieren“. erklärt Ulrich Höhne-Schorn, zuständig für die Pressearbeit. Das sei eine neue Erfahrung für den Betrieb.

Effektives Zeitmanagement und Teamarbeit

Miriam Langhoffs Behinderung ist nicht zu übersehen. Die Frau sitzt im Rollstuhl. Ihr Job: Sie managt den Menü-Service bei DasDies. Langhoff nimmt Kundenwünsche am Telefon entgegen, erstellt Bestellpläne, schreibt Rechnungen, kümmert sich um Dienstpläne etc. 350 bis 400 Männer und Frauen erhalten täglich ihre Mittagsmahlzeit von DasDies. Und das bedeutet vor allem effektives Zeitmanagement und gute Teamarbeit – aber auch: Auf Langhoffs Behinderung kann man wenig Rücksicht nehmen. Was sie richtig findet: „Ich will keinen Sozialbonus. Ich habe die gleichen Rechte und Pflichten wie jeder andere Arbeitnehmer. Ich möchte auch nicht, dass meine Behinderung im Vordergrund steht, sondern meine Arbeitsleistung.“ Und da habe es einfach nicht zu interessieren, „ob ich im Rolli sitze“, sagt sie.

Jeder habe Schwächen, glaubt auch DasDies-Geschäftsführer Maciej Kozlowski. Im Team lernten sie, diese Schwächen abzubauen.

Ulrike Faulhaber

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