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Erste Blutspende

„Einen mach’ ich noch voll“

13.02.2012 | 17:45 Uhr
„Einen mach’ ich noch voll“
Blutspende am Gymnasium. Manchen holte es von den Füßen, andere durchstanden das Prozedere reelativ stabil

Kamen.Nachdem der Termin letztes Jahr drei Tage vor meinem Geburtstag lag, ich also noch nicht volljährig war und damit ausgeschlossen, war es gestern endlich so weit: Ich konnte Blut spenden!

Nun mögen viele Leser einwerfen – und das völlig zu Recht – dass mir ja nach meinem „18ten“ immerhin fast ein Jahr blieb, um das knapp Verpasste nachzuholen. „Faulheit“, „fehlende Zeit“, oder „unterdrückte Angst“ wären in diesem Fall wohl meine entschuldigenden Ausflüchte.

Jedenfalls kam das Rote Kreuz am Montag wieder an unsere Schule und dieses Mal war ich reif. Zu behaupten, mir hätten schon beim Tatort am Sonntagabend die Hände gezittert, wäre übertrieben. Aber spätestens während der dritten Stunde war es mit der Entspannung vorbei. Und das lag nur zum Teil an den Erzählungen meiner Hinterfrau Yvonne, die voller Euphorie und mit einer nicht zu überhörenden Portion Sadismus von den „riesigen Nadeln“ berichtete, die in die Vene „gehauen“ werden. Auch die sich wiederholende Vorstellung, meinen Körper nach einem Schwächeanfall in Zeitlupe auf den Boden des Aulafoyers schlagen zu sehen, war nicht wirklich förderlich. Im krassen Gegenteil zu meinen Horrorvisionen stand dann am Ort des Grauens die Freundlichkeit der Rot-Kreuz-Mitarbeiter: Geduldig führten sie mich durch die einzelnen Abschnitte, bis ich schließlich – nach einem kleinen Bluttest sowie Überprüfung meiner Körpertemperatur und der Beantwortung eines Fragebogens von beinahe biblischem Ausmaß – vor der einfachen Frage stand: Einstich links oder rechts. Als stolzer Linkshänder wählte ich natürlich den rechten Arm, nicht zuletzt, weil ich eine etwaige Notamputation zu diesem Zeitpunkt nicht restlos ausschließen konnte.

Nachdem ich es mir dann auf einer Liege mehr oder weniger gemütlich gemacht hatte, ging dann alles noch viel schneller als gedacht: Bevor ich fragen konnte, ob es weh tun würde, war die Nadel schon versenkt. Sie war tatsächlich ziemlich groß. Das ganze Prozedere war allerdings trotzdem weit weniger verstörend, als ich es befürchtet hatte. Der Beutel war zügig befüllt und als dann das „So, fertig“ meines „Betreuers“ kam, stand ich kurz davor, etwas wie „Einen mach‘ ich noch voll!“ in die Runde zu rufen. Dass dies ein großer Fehler, wenn nicht gar mein Untergang gewesen wäre, merkte ich dann, als es darum ging, langsam wieder die Vertikale anzustreben. Die Mischung aus temporärer geistiger Umnachtung und unsicherem Gang war doch ganz beeindruckend und stand zwischenzeitlich kurz davor, mich zu übermannen. Für die zur Verfügung gestellten Ruheliegen bin ich aus diesem Grund nachhaltig dankbar!

Mein Kreislauf ist wieder soweit hergerichtet und auch meinem Arm geht es gut. Ich weiß nicht, ob es „gute“ und „schlechte“ Spender gibt, aber ich bin auf jeden Fall ein wenig stolz auf mich. Warum der Anteil der tatsächlichen Spender unter den möglichen laut DRK bundesweit nur bei 2,3 Prozent liegt, ist mir jetzt noch unbegreiflicher als vorher. Für mich steht nur eins fest: Wenn sie’s denn haben wollen, gebe ich gerne bald wieder einen Beutel voll ab!

Jonas Milk

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