Eine Spende aus der Neuen Welt
12.10.2010 | 16:03 Uhr 2010-10-12T16:03:00+0200
Heeren-Werve.Seit 100 Jahren begleitet die Walcker-Orgel in der ev. Pfarrkirche Heeren den Gesang der Gemeinde im Gottesdienst. Die Pflege und Instandsetzung dieses historischen Instruments aus dem Jahre 1910 gehört zu den wichtigen baulichen Aufgaben der Kirchengemeinde.
Es war der Wunsch der Gemeinde und des damaligen Pfarrers Ewald Dicke, dass die 1910 erweiterte Kirche mit einer neuen, größeren Orgel ausgestattet werden sollte. Wegen der hohen Kosten, man rechnete mit 7500 Mark, konnte dieses Vorhaben nur verwirklicht werden, wenn sich ein Spender finden ließ. Pfarrer Dicke erinnerte sich an einen Sohn der Gemeinde, der es in der Neuen Welt als Organist und Komponist zu großem Erfolg gebracht hatte. Es war Wilhelm Middelschulte vom Hof Köhling-Middelschulte in Werve. Sein Bruder Carl gehörte damals dem Presbyterium an. Pfarrer Dicke schrieb mehrere Briefe an Wilhelm Middelschulte, der damals in Chicago lebte, und bat ihn um Unterstützung bei der Anschaffung der Orgel.
Bei seinen Besuchen in Deutschland hatte Middelschulte Pfarrer Dicke mehrmals besucht und auch in der Kirche auf der Vorgänger-Orgel gespielt. Nach mehreren Briefwechseln teilte Middelschulte dem Pfarrer mit, er sei bereit, gemeinsam mit seinen fünf Brüdern, der Gemeinde in dieser schwierigen Lage zu helfen. Middelschulte hatte sich zuvor direkt an die Firma Walcker in Ludwigsburg gewandt und ein Angebot angefordert. Über die in Heeren, Wickede und Bochum wohnenden Brüder erhielt Pfarrer Dicke die erfreuliche Nachricht, dass die Gebrüder Middelschulte sich bereitgefunden hatten, die neue Orgel zu finanzieren. Sie wollten jedoch als Spender anonym bleiben.
Als das Konsistorium in Münster das Presbyterium im September 1910 aufforderte, die Schenkung durch einen formellen Beschluss anzunehmen und den Namen des Gebers zu nennen, wurden die Stifter bekannt, es waren Wilhelm, Friedrich, Carl, Heinrich, Eduard, Ernst und Gustav Middelschulte. Den Auftrag für den Einbau der Orgel erhielt die Firma E. F. Walcker. Die Orgel hatte 20 Register mit insgesamt 1156 Pfeifen. Die Firma Walcker sicherte zu, dass „die Intonation in kunstgerechter Weise nach den räumlichen und akustischen Verhältnissen der Heerener Kirche, unter Berücksichtigung der Dispositionszusammenstellung ausgeführt wird“.
Nach dem Zweiten Weltkrieg befand sich die Orgel in sehr schlechtem Zustand. Die Mängel im Windladen- und Traktursystem waren außerordentlich groß. Durch Holzwurmbefall drohte der allmähliche Zerfall des Instruments. Der damalige Organist Dr. Rudolf Krieger erkannte die Gefahr und setzte sich für eine umfassende Erneuerung der Orgel ein. 1948, kurz nach der Währungsreform, erhielt die Firma Kemper & Sohn in Lübeck den Auftrag zum Umbau. Die gesamte Orgel wurde abgeräumt, Spieltisch und Hauptwerk wurden nach vorne versetzt. Am 2. Advent 1948 ertönte das umgebaute Instrument dann bei einer Abendmusik.
Die Walcker-Orgel in der ev. Kirche hatte zwei Vorgängerinnen. Die erste Orgel wurde 1700 eingebaut. Bis 1863 tat sie ihren Dienst. In diesem Jahr wurde eine Sonreck-Orgel aufgestellt, die nach Auffassung von Pfarrer Dicke schon für die alte Kirche zu klein war.
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