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Kamelle als Streugut

Die Welt trifft sich beim Karneval

14.02.2010 | 16:07 Uhr
Die Welt trifft sich beim Karneval

Kamen. In ihrem bleichen Gesicht zeichnet sich keine Mine ab. Ihre Arme und Beine sind noch ganz steif vom langen Liegen. Weiße Fetzen hängen daran herab. Für Sarah ist dieser vierte Kinderkarneval gar nicht so einfach.

„Ich war noch nie eine Mumie", gesteht sie. Dabei war sie schon einige Male im großen Umzug dabei. „Es macht richtig Spaß", ruft sie und schmeißt eine Handvoll Kamelle in die Menge.

Eine wahre Flut kleiner Chinesen, Eskimos und Mexikaner versammelte sich am Samstag um Punkt 11 Uhr 11 an der Diesterwegschule. Unter dem Motto „Die Welt trifft sich in Kamen" zogen gut 1000 Kinder und Erwachsene mit kräftigen „Helau" und „Alaaf" durch die Kamener Innenstadt. Im Gepäck hatten sie gut eine Tonne Kamelle. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Organisator Stefan Grüter einmal mehr Sponsoren für die Sache begeistern konnte - darunter eine Schokoladenfabrik aus Dortmund.

Drei Bärte dauern

drei Stunden...

Dass auch Gartenzwerge ihren Platz im großen globalen Ganzen haben, führte die Kindertagesstätte „Pusteblume" eindringlich vor Augen. Geschmückt mit eigenhändig gebastelten Bärten, Zipfelmützen und Schürzen führten sie den kunterbunten Zug an. „Drei Bärte dauern drei Stunden, bis sie fertig sind", erzählt eine Erzieherin, während sie sich mit einem „Heiho" im Wackelschritt ihren Weg durch den Schnee bahnt.

Die illustere Gesellschaft hinter ihnen bändigt dagegen eine Horde wilder Tiere auf ihrem Bollerwagen. Die Löwen, Panther und Tiger stammen allesamt direkt aus den Kinderzimmern und sind Spenden der Kinder aus der Klasse 1 a der Diesterwegschule. Die verwandelten sich für ein paar Stunden in waschechte Gladiatoren. Tagelang haben die Eltern mit dem Nachwuchs Papphelme, Schilde und Kettenhemden gebastelt, berichtet Christiane Kleinemas - damit alles täuschend echt wirkt.

Glückliches Gemüse, Zebrahorden oder Polarexpress: Wahre Wunderwelten bahnten sich ihren Weg über die Ost- und West- bis zur Adenauerstraße.

Darunter zogen auch einige Kuriositäten begleitet von den Vogelscheuchen des Blasorchesters Westfalenecho an den begeisterten Zaungästen vorüber. Wie etwa der antike Bollerwagen, der üblicherweise mit Grillfleisch und Bier zum Vatertag unterwegs ist. „Heute sind Kamelle darin verborgen", erzählt die Lehrerin mit einem Lachen.

Die Klasse 4c der Diesterwegschule hat dagegen die guten Kontakte des Klassenlehrers zum Bergbau genutzt. Eine komplette Ausrüstung vom Helm bis zur kleinsten Jackengröße hat die RAG zur Verfügung gestellt, damit der Nachwuchs den aussterbenden Industriezweig darstellen kann. Mehr noch: „Die Kinder haben sich im Unterricht mit dem Thema beschäftigt", erzählt eine Mutter.

Ganz bis zum Schluss hielten allerdings nicht alle durch. Manche Zauberer, Pinguine und Fledermäuse traten schon nach der Hälfte des Weges wieder den Heimweg an. Auf der Bühne an der Adenauerstraße, dem Zielpunkt des Umzuges, sangen die Kinder der Kindergärten und Schulen vor einer rapide schrumpfenden Narrenschar, der es offenbar schlicht zu kalt wurde.

Katja Burgemeister

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