Bombe liegt unter Gasleitung
11.08.2009 | 18:40 Uhr 2009-08-11T18:40:00+0200Im Kreuzungsbereich Ostring, Münsterstraße, Nordring liegt aller Voraussicht nach eine Bombe aus dem 2. Weltkrieg. Das ist das Ergebnis der Sondierungen des Kampfmittelräumdienstes am Dienstag.
Schon nach der siebten von ursprünglich maximal 37 angesetzten Bohrungen wurden die Fachleute fündig. „In 4,50 Meter Tiefe zeichneten die Messgeräte einen großen metallischen Körper auf. „Aller Voraussicht nach eine Bombe”, glaubt Horst Firtzlaff, Truppführer des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Westfalen-Lippe. „Aber genau wissen wir das eben erst, wenn wir sie ausgegraben haben.”
Das aber muss noch warten, denn der vermeintliche Blindgänger liegt genau unter einer Mitteldruck-Gasleitung der GSW mit einem Durchmesser von 20 Zentimetern.
„Um zu dem Metallkörper vorzudringen und ihn gegebenfalls zu bergen oder zu entschärfen, ist es erforderlich Schachtringe in diesem Bereich zu setzen”, erklärt Firtzlaff, der im Verlauf des Tages telefonisch mit dem Räumdienst vor Ort in Kontakt blieb. Dort hatte inzwischen Truppführer Peter Jung das Kommando übernommen. Nach ihrem Fund konnten die Männer allerdings nichts mehr tun.
Jetzt ist erst einmal die GSW am Zug. Sie muss das Gas abstellen und die Leitung trennen. „Dazu wird ein Stück der Leitung herausgeschnitten”, erklärte Unternehmenssprecherin Mandy Bayer gestern. „In Zusammenarbeit mit der Stadt Kamen ist geplant, die Leitung innerhalb dieser Woche außer Betrieb zu nehmen, so dass die Bombe in der nächsten Woche geborgen werden kann.”
Von der geplanten Trennung der Leitung seien keine Kunden betroffen, versicherte die GSW. In diesem Bereich der Mitteldruckleitung befänden sich keine Hausanschlüsse. Durch Umschaltarbeiten im Netz könne somit eine Versorgung ohne Beeinträchtigung für die Kunden gewährleistet werden.
Blindgänger ab 1970
karthographisch erfasst
Beeinträchtigungen anderer Art gibt es freilich schon: Wegen der geplanten Arbeiten bleibt die ursprünglich für zwei Tage angesetzte Sperrung des Kreuzungsbereiches für den Verkehr bestehen. Umleitungen sind ausgeschildert.
Was das Risiko betrifft, so gibt Horst Firtzlaff diese Einschätzung: „Wenn es eine Bombe ist, dann hat sich an der Bedrohung auch durch unsere Bohrung nichts geändert. Schließlich liegt das Ding seit über 60 Jahren da.”
Dass man an dieser Stelle überhaupt gesucht hat, ist auf alte Luftbildaufnahmen aus dem Jahr 1944 oder 45 zurückzuführen, die von Experten ausgewertet wurden. „Blindgänger sind erst ab dem Jahr 1970 karthographisch erfasst. Bei allem, was davor liegt, tappen wir im Dunkeln.” Oft wurden Bomben nach dem zweiten Weltkrieg bei Baumaßnahmen beseitigt oder entschärft, ohne dass das der Fundort festgehalten wurde. „Hauptsache, die Gefahr war gebannt”, so Firzlaff.
In gut einer Woche wird der Experte vor Ort den Fund selbst in Augenschein nehmen: „Dann sehen wir weiter. Wenn es eine Bombe ist, wird sie entschärft.”
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