Bio-Honig made in Kamen
22.07.2009 | 19:56 Uhr 2009-07-22T19:56:00+0200
Kamen. Im Halbschatten des Waldrands führen die gut organisierten Insekten ein eher unspektakuläres Leben: Kaum natürliche Feinde, ein fast gar nicht räuberischer Imker – und mit fast allen Freiheiten ausgestattet, mit der eine derart domestizierte Spezies wie unsere Honigbiene
Als Volk natürlich – als einzelnes Lebewesen sind den Tierchen ohnehin enge Grenzen gesetzt. Jedenfalls im Sommer, erklärt Imker „Bienen Bert”. Gerade mal 40 Tage haben Bienen Zeit, ihren sprichwörtlichen Fleiß auszuleben. Nur die ab dem Spätsommer zur Welt kommenden Artgenossinnen bringen es auf eine Lebenserwartung von bis zu einem Jahr. Zusammen mit Petra Zweipfennig hat der Bergkamener in Kamen einen idealen Standort für einige Völker gefunden. Die „Beuten”, wie der Fachmann die hölzernen Lebensräume der Honig-Insekten nennt, sind ausschließlich aus Holz und Edelstahl. Das verhindert rostende Teile und ist zum anderen ein Beleg für den ökologischen Ansatz von Bert und Petra, die sich allerdings nicht grundsätzlich von den meisten ihrer Berufskollegen abheben wollen.
Was sie nicht tun würden: Honig aus dem Großhandel zukaufen und als eigene Produkte vermarkten. Nicht nur wegen des Etikettenschwindels, sondern auch wegen der Einstellung zum Thema Menge und Profit in der Imkerei: Dass die ein Hobby ist, bei dem man eher zuzahlt als Erlöse erzielt, gehört für Bienen-Bert zu den nicht verhandelbaren Tatsachen. „Und der ökologische Ansatz kostet noch mehr Geld”, ergänzt der Bergkamener. Weil man den Bienen vor dem Winter einen Großteil ihres gesammelten Honigvorrats lässt (und eben nicht durch Zuckerwasser ersetzt). Weil man die stets drohende Gefahr durch die Varroa-Milbe konsequent und regelmäßig, aber ausschließlich mit den Naturprodukten Ameisen- und Oxalsäure bekämpft. Und weil man die natürliche Schwarmbildung als Teilung und Erneuerung der Völker konsequent zulässt. Fünf Schwärme aus eigenen Völkern haben die Öko-Imker in diesem Jahr wieder eingefangen. „Alle haben sich prächtig entwickelt”, bilanziert Bert.
Übrigens verzichten Bert und Petra auch auf Styropor an den Beuten. Die Bienen schaffen es nämlich auch aus eigener Kraft – selbst bei grimmiger Winterkälte – 37 Grad im Stock zu halten. „Naturkatastrophen” erleben die Bienen-Völker eher im Sommer. Wenn es zum Beispiel wie aus Kübeln schüttet, wenn eigentlich der Lindenblütennektar geerntet werden müsste.
An einem Standort wie dem Kamener Waldrand allerdings drohen zumindest keine Gefahren aus Monokulturen. Die Bienen sind hier nicht festgelegt auf bestimmte, massenhaft vorhandene Blütenarten in unmittelbarer Umgebung (zum Beispiel Raps), sondern sie finden immer etwas für den eigenen Bedarf. An Gräsern, Blumen und Bäumen – bis zum Ernte-Ende im Juli. Derzeit bricht schon die Vorbereitung auf den Winter und das nächste Frühjahr an. Die Bienen tun dazu, was notwendig ist – mehr nicht. „Bienen fleißig zu nennen, ist eigentlich Quatsch”, sagt Bienen Bert, „sie wollen nur überleben.”
Als Gemeinschaft, versteht sich. Davon könnte man lernen. Auch was das Akzeptieren des Unabänderlichen angeht. Bert und Petra versuchten zu lernen. Zum Beispiel, indem sie eine Jahresbilanz nicht am Honig-Ertrag messen. Der war nicht so besonders 2009 – „die Tracht kam spät und war kurz”, fasst Bert zusammen. Das Jahr aber war trotzdem gut. Die Völker sind gesund und stark für die Zukunft. Eine gute Nachricht auch für die Pflanzen in Kamen, die die Bienen erreichen werden. Und keine schlechte Nachricht damit für die Menschen.
Die hätten nur Grund zur Sorge, wenn sie sich den Bienen falsch nähern – zum Beispiel vom Waldrand aus auf die Fluglöcher zugingen. Dann, aber eigentlich nur dann, würden uns die „fleißigen Bienchen” zeigen, dass doch ein wilder Kern in ihnen steckt.
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