Billiger produzieren als in China
13.07.2011 | 18:32 Uhr 2011-07-13T18:32:00+0200
Bergkamen.Die Produktionskosten fast aller Wirkstoffe, die im Bergkamener Bayer-Werk hergestellt werden, liegen inzwischen unterhalb des Niveaus des Billiglohnlands China. Für Werksleiter Dr. Franz-Josef Renneke ist das das Ergebnis vieler guter Ideen, die von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den zurückliegenden fünf bis sechs Jahren entwickelt worden sind.
Ausschlaggebend sei der Umstrukturierungsprozess damals gewesen, als im Schering Werk mehrere Hundert Stellen gestrichen wurden, erklärte am Mittwochnachmittag Betriebsratsvorsitzender Heinz-Georg Werbers dem SPD-Bundestagsabgeordneten Oliver Kaczmarek nach der Besichtigung des neuen Anbaus des Wirkstoffbetriebs F, der vor einigen Wochen in Betrieb gegangen ist. „Vielen Mitarbeitern wurde plötzlich klar, dass ihre Arbeitsplätze auch in einem Unternehmen wie unserem nicht mehr so sicher sind und dass sie sich selbst für die Sicherung der Arbeitsplätze einsetzen müssen.“
Seitdem seien viele Produktionsprozesse optimiert wurden. Dabei habe eine groß Zahl von Mitarbeitern die Bereitschaft gezeigt sich fortzubilden. Dies sei stets durch das Unternehmen gefördert worden, betonte Dr. Renneke.
Zu diesen findigen Köpfen gehören sicherlich auch Desiree Liebner und Sandra Terbeck. Die beiden jungen Frauen haben sich nach ihrer Ausbildung entschlossen, für weitere vier Jahre abends die Schulbank zu drücken, um staatlich geprüfte Technikerinnen zu werden. Bestandteil dieser anspruchsvollen Fortbildung ist ein Projekt zur Verbesserung eines Analyseverfahrens. Das soll jetzt im Bayer-Werk auf seine praktische Umsetzbarkeit überprüft werden. Fällt dies positiv aus, können Produktionsprozesse erneut verkürzt werden.
Weiterbildung hat natürlich auch für die Mitarbeiter bestimmte positive Effekte. Damit sei ein beruflicher Aufstieg verbunden und eine bessere Bezahlung, erklärte Betriebsratsvorsitzender Webers. Es gibt in dem Wirkstoffbetrieb F, in dem Röntgenkontrastmittel hergestellt werden, so gut wie nichts, was mit Muskelkraft bewegt werden müsste, aber viele Computerarbeitsplätze.
SPD-Politiker Oliver Kaczmarek ist zurzeit unter dem Motto „Lust auf was neuen - Innovation und Bildung“ auf Tour durch seinen Wahlkreis. Er besucht dabei Schulen, Weiterbildungseinrichtungen und Betriebe. Bei Bayer erfuhr er, dass nicht nur Bildung und lebenslanges Lernen der Arbeitnehmer die Schlüssel zum Erfolg sind. Dr. Renneke verdeutlichte ihm, dass auch eine Unternehmenskultur entwickelt werden müsse, die solch ein Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht nur zulasse, sondern auch fördere.
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