Bernd Böhne alias Erwin Machulke
14.04.2010 | 18:32 Uhr 2010-04-14T18:32:00+0200
Kamen. So richtig als Künstler sieht sich Bernd Böhne eigentlich nicht.
Firmen und Agenturen, die eine seiner Musik-Revues buchen, sagt er gern, dass er und seine Truppe sich bei ihrem Auftritt hauptsächlich als Dienstleister verstehen, die eine professionelle Show präsentieren - künstlerisch entfalten würden sie sich woanders.
Für den Kamener Musiker, Comedian und Agentur-Inhaber heißt das vor allem im heimischen Wohnzimmer am Klavier, bei Live Sessions im Café Mocca oder in der Haut von Hausmeister Erwin Machulke auf Schalke. „Mit Machulke kann ich mir schon einige Freiheiten erlauben“, meint Böhne und fügt grinsend hinzu „sobald ich die falschen Zähne im Mund habe, bin ich ein anderer – ganz schön schizophren, oder?“
Immerhin war es sein singender und munter drauf los schwadronierender Machulke, der Schalke-Fan Böhne in die Veltins-Arena brachte. Dort stimmte er allein und mitten auf dem heiligen Rasen vor dem letzten Heimspiel der Saison mit 60 000 Fans a capella „Blau und weiß, wie lieb ich dich“ an. „Das war schon eine neue Erfahrung für mich“, erinnert sich der Comedian an dieses denkwürdige Erlebnis, „da war ich so von der Rolle, dass ich die zweite und dritte Strophe verwechselt habe“.
Auch wenn Machulke als Hausmeister auf Schalke seit einem Jahr auf dem Höhepunkt seines Erfolgs angelangt ist, existiert die Figur schon seit gut zehn Jahren. Böhne erfand sie als Nebenfigur in seiner ersten Musik-Revue, der „Magic Radio Show“. Die Idee ein eigenes Programm aufzuziehen, kam Böhne bei seinem ersten größeren Engagement am Theater Krefeld. Die Arbeit als Sänger auf der Bühne und der Blick hinter die Kulissen hatten es dem Musiker, Ex-Bergmann und Gastronom angetan. Zum ersten Mal wurde ihm klar, dass man damit auch Geld verdienen kann.
Hauptarbeitsfeld
ist der Schreibtisch
Seine Idee war es, eine Livemusik-Revue zu produzieren mit professioneller Band und Sängern, die bekannte Songs singen, die sich um ein spezielles Thema drehen. Cover-Bands, die einen Hit nach dem anderen herunterspielen, kann Böhne wenig abgewinnen. „Man muss sich schon spezialisieren“, meint der Musiker. Aus der „Radio Show“ entwickelte sich im Laufe der Zeit „Women in Rock“, später kamen „Bond. James Bond“ oder als neuestes Projekt die „Fabulous Music Factory“ hinzu. In der ein oder anderen Show moderiert und singt auch Bernd Böhne mit. Doch hauptsächlich agiert er „von der anderen Seite des Schreibtischs“ und kümmert sich in seiner Agentur ums Management seiner Musik-Projekte.
Mittlerweile kann der 45-Jährige gut davon leben. „Ich fühle mich schon privilegiert mit Musik mein Geld zu verdienen“, meint Böhne. Den ganz großen Wurf hat er allerdings nicht mehr im Sinn. Den plante der ehemalige Bergmann anlässlich der Kulturhauptstadt mit der Idee zu einem Pütt-Musical. Böhne dachte groß, hatte schon einen Songschreiber im Schlepptau und die Vision von einer 10-Meter-Hebebühne. „Wenn das geklappt, hab ich meine Rente“, dachte sich Böhne damals. Doch mögliche Sponsoren schreckten vor allem die hohen Kosten ab. Mit der Absage der RAG, auf die Böhne die größten Hoffnungen gesetzt hatte, begrub er das Projekt dann endgültig. „Dort hat man mir klar und deutlich gesagt, dass sie keine schwarzen Männer mehr sehen wollen, die aus irgendwelchen Löchern krabbeln“, erzählt Böhne. Heute kann er darüber lachen.
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