Altvater ließ Kamen lange links liegen
14.02.2012 | 12:48 Uhr 2012-02-14T12:48:00+0100
Kamen. Ein berühmter Sohn der Stadt, Elmar Altvater (73), kehrte am Mittwoch für ein paar Stunden in seine Jugendheimat zurück. In der „großen weiten Welt“ hat er sich im Laufe seines Lebens einen Ruf als Kapitalismus-Kritiker und Globalisierungsgegner erworben.
Eigentlich war er „nur“ wegen eines politischen Vortrages („Die Utopie des vereinten Europa“) auf Einladung der Kamener Linken in seine alte Heimat gekommen. Doch für Elmar Altvater (73), emeritierter Professor, ausgewiesener Kapitalismus- und Globalisierungskritiker, geriet die Rückkehr in seine Geburtsstadt auch zu einem Wiedersehen mit alten Bekannten.
Zu seinem Vortrag am Donnerstagabend rückten nämlich etliche Mitschüler aus seiner Zeit am neusprachlichen Gymnasium in Kamen an, an dem er 1959 sein Abitur gemacht hatte.
Schon am Nachmittag hatte Altvater, der seit vielen Jahren in Berlin-Spandau lebt und seine Heimat Jahrzehnte links liegen ließ, eine kleine Entdeckungsreise durch die Stadt unternommen. „Der Markt ist heute viel schöner als zu meiner Jugendzeit. Am meisten aber hat mich die neue Seseke überrascht, die wunderbar renaturiert worden ist. Zu meiner Zeit war das ein hässliches Gewässer.“ Auch sein Elternhaus in der Nähe des Edelkirchenhofes entdeckte er auf Anhieb wieder. „Abgesehen von dem heute viel schöneren Anstrich, sieht es noch genauso aus wie früher!“
Früher, das ist mehr als 50 Jahre her und doch unvergessen. Viele schöne Erinnerungen sind geblieben: „Die erste Tanzstunde im heute leer stehenden Hotel Wappen von Kamen war schon etwas besonderes“, blickt Altvater zurück. „Aber auch an die vielen Stunden bei Neff, wo wir nach der Schule immer Skat gespielt haben!“
Die Begeisterung für Politik wurde durch den Journalismus geweckt. Noch als Schüler nahm ihn der damalige Leiter der Lokalredaktion der Westfälischen Rundschau, Friedhelm Ketteler, SPD-Mann und später auch Bürgermeister der Stadt, unter seine Fittiche. „Mit einem Moped und einer Voigtländer Vitessa ausgerüstet, die ich damals für viel Geld bei Foto Holzer erstand, war ich als rasender Reporter in Kamen und Umgebung unterwegs.“
Dass er noch als Jugendlicher in die SPD eintrat, war damals „ein regelrechter Skandal“. Noch dazu in einem schulischen Umfeld, das in der späten 50er Jahren eher konservativ und teilweise mit Alt-Nazis durchsetzt gewesen sei. „Aber eine Benachteiligung durch meine Lehrer habe ich nicht erfahren“, betont Altvater. Nach seinem Abitur hielt ihn nichts mehr in Kamen. Altvater zog fort: „Kamen war damals eben keine sehr markante Stadt!“
Umso markanter formulierte Altvater später als Professor und Politikwissenschaftler seine Kritik am westlichen Kapitalismus. „Dass die Menschen, wie man jetzt in der Schuldenkrise sieht, mehr und mehr auf die Straße gehen und sich wehren, finde ich richtig“, unterstreicht er. „Der Kapitalismus stößt mehr und mehr an Grenzen. Wenn sich daran nichts ändert, kann das in einer Katastrophe enden.“
Kapitalismuskritik hin oder her. Für sich selbst hat Altvater, der Vorzeige-Linke, vorgesorgt: „Ich habe keine Geldvermögen, aber ein Konto bei der Sparkasse. Und ich habe ein Haus, das fast abbezahlt ist.“ Mindestens das ist sicher....
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