Dirk Poppke bastelte den Königsadler : Unter 500 Schuss geht gar nichts
„Hier kann man nicht so einfach König werden”, sagt Dirk Poppke und sein Lächeln verrät eine Mischung aus Stolz und Vorfreude auf den großen Tag, wenn sich seine Schützenbrüder vom Schützenverein Methler an seinem Vogel abmühen werden. „Unter 500 Schuss geht da gar nichts.”
Wenn man sich den stolzen Vogel anschaut, glaubt man dem Berufsfeuerwehrmann sofort. Mit massivem Körper, stattlichen Schwingen mit 1,50 Meter Spannweite, einem stolzen Kopf mit gewaltigem Schnabel und goldener Krone, Zepter am rechten, Kugel am linken Fuß – so thront der Vogel in Poppkes Garten und wartet auf seine Taufe. „Das ist nicht irgendein Vogel, das ist ein Königsadler”, betont Poppke. Deshalb legt sich der Schütze beim Bau auch mächtig ins Zeug. Selbstverständlich sei das nicht, meint Poppke mit Blick auf das, was andere Schützenvereine den angehenden Schützenkönigen als Adler vorsetzen. „Das sind doch oft nur Kanthölzer, die eher aussehen wie eine schwangere Mastgans.”
So etwas käme dem Methleraner auf keinen Fall in den Kugelfang – so nennt sich der Kasten, in dem der Vogel zum Abschuss freigegeben wird. Die Tradition des Vogelbauens wird in Methler großgeschrieben. Schon sein Vorgänger, Heinz Budde, hat mit seinen Kreationen im Verein Zeichen gesetzt. Poppke sah ihm öfter dabei zu und erwies sich schnell als würdiger Nachfolger. In seiner 14-jährigen Laufbahn als Vogelbauer hat der 40-Jährige acht Vögel gebaut – die kleinen Vögel für die Kinderschützen nicht mitgerechnet.
Alle zwei Jahre geht es für Poppke ans Werk. Auch wenn er immer ein offenes Ohr für Vorschläge am Design hat, ist für ihn der eigentliche Bau Chefsache. In den zwei Wochen, die er für einen Vogel benötigt, ist der Zutritt zu seinem Schuppen strikt verboten. Nur der Vereinsvorsitzende darf ab und zu vorbeischauen. „Der bringt dann immer ein Schnäpschen mit und fragt, 'na, was macht denn das Vögelchen'.”
Für den Körper holt sich Poppke ein massives Stück Stamm aus dem Wald. Das Holz muss schön hart sein, damit es für die Schützen bloß nicht zu leicht wird. Deshalb fackelt er auch nicht lange, wenn ihm beim Motorsägenunterricht mit seinen Feuerwehrschülern ein perfektes Stück vor die Füße fällt. Den Rest findet der Methleraner im Baumarkt und in Geschenkartikelläden. Das geht natürlich auch ins Geld. 120 Euro kostet ihn allein das Material für einen Vogel. So viel berechnet er auch anderen Schützenvereinen, die von Poppkes Tieren begeistert sind. Bestellungen aus Bergkamen sind bereits eingegangen.
Diese Anerkennung – auch durch seinen eigenen Verein – zeigt dem Methleraner, dass er alles richtig macht. Auch er selbst ist jedes Mal auch ein bisschen stolz auf sein Werk. Deshalb ist der eigentliche große Tag, wenn es ans Vogelschießen geht, für ihn immer aufregend. „Da geht der Puls schon ordentlich in die Höhe”, besonders, wenn er selbst auf seine Kreatur anlegt. Mit kritischem Blick verfolgt er dann, wie sich sein Vogel im Kugelhagel schlägt. „Wenn ich dann sehe, dass das Zepter zu früh fällt, merke ich mir das gleich fürs nächste Mal.”
Und wenn am Schluss von seinem Geschöpf nicht mal mehr ein Holzspan übrig ist? „Ja, ein bisschen traurig bin ich schon”, gibt der Vogelbauer zu, „aber das ist eben das Kleingedruckte. Das wusste ich ja vorher.”
Bis dahin darf Dirk Poppkes jüngster Vogel, der am Sonntag feierlich auf den Namen Günter getauft wurde, aber noch einige Wochen von der Öffentlichkeit bewundert werden. Bis er am 15. August zum Abschuss freigegeben wird. CaR








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