Methler : Schützinnen dürfen fast alles
Methler. Schützenvereinsleben, das ist nicht nur Brauchtumspflege und Schießsport, das ist Geselligkeit und Gemeinschaftsförderung und ein Ort des Miteinanders. Bis vor einigen Jahren waren Schützenvereine Männerdomänen, Frauen eher geduldet als wirklich willkommen.
Ihre Hilfe bei Festen und anderen Veranstaltungen war zwar unerlässlich, aber wenn es um eine Mitgliedschaft ging, stellten sich die Herren quer. Schützinnen? Undenkbar. Im Schützenverein Methler 1830 e.V. gehört diese antiquierte Einstellung der Vergangenheit an.
Rund 30 Mitglieder zählt die Frauengruppe. Darunter auch Ulrike Brinkmann. Ihr Vater Karl Brinkmann war von 1955 bis 1973 Vorsitzender der Methleraner Schützen. „Ich bin vor zwei Jahren vom amtierenden König angesprochen worden”, erzählt die 62-Jährige. Der habe sie daran erinnert, dass sie doch aus einer „echten Schützenfamilie” stamme und daher unbedingt Mitglied werden müsse. Aus alter Verbundenheit hat die Methleranerin sogleich den Aufnahmeantrag unterschrieben, die Schützenkleidung der Frauen bestehend aus Hose, Bluse, Rock, Blazer und Halstuch angeschafft und schon bald ihr erstes Schützenfest als „ordentliches Mitglied” mitgefeiert. Aber nicht nur die älteren Damen haben Spaß am Vereinsleben. Auch viele junge Frauen folgen ihren Männern in den Verein.
Die Frauen fühlen sich
wohl im Verein
Das war früher nicht möglich, aber nach einigen Querelen, die die Debatte um eine Mitgliedschaft der Frauen damals hervorrief (bis hin zum Rücktritt von Oberst Horst Römer), ist längst wieder Ruhe eingekehrt im Schützenverein. Mehr noch: Die meisten Schützen sind froh, dass es die weiblichen Mitglieder gibt. „Wir können auf diese wichtige Gruppe nicht verzichten”, verweist Kompaniechef Manfred Chytralla auf den Mitgliederschwund, von dem Schützenvereine gleichermaßen betroffen sind wie Sportvereine. Auch bei den Ausmärschen seien die Schützen mittlerweile auf weibliche Untersützung angewiesen. Es gebe kaum mehr Männer, die mitmarschierten, so Chytralla. Die Frauen seien stets eine Bereicherung für die Methleraner Abordnung. Und ein weiterer Aspekt ist Chytralla wichtig: Starb früher ein Schütze, starb seine Ehefrau gleich mit, sagt er. Heute würden die Witwen ins Vereinsleben integriert.
Alle Frauen, sagt Ulrike Brinkmann, fühlten sich wohl im Verein. Sie haben Stimmrecht, organisieren die Feste mit und vieles mehr. Nur eines dürfen sie nicht: Am Königsschießen teilnehmen. „Das ist auch nicht wichtig”, glaubt die Methleranerin. So weit sie wisse, wolle das ohnehin niemand. Chytralla aber glaubt, dass der Verein über kurz oder lang auch hier nicht verzichten kann auf die Frauen. Es fänden sich immer weniger Männer, die auf den Vogel schießen, sagt er.








1 Kommentare
Mitglied werden durften sie schon lange. Keiner ist wegen der Mitgliedschaft der Frauen zurückgetreten, wie es der Artikel Glauben machen will. Es ging um Frauen, die in Schützenrock mitmarschieren. Entweder wurde vom Autor schlecht recherchiert oder die beiden Zitierten haben sich missverständlich ausgedrückt. Und Diskussionen, sei es um Frauengruppe oder anderes, gehören zur demokratischen Kultur eines Vereins.Und auch, dass ein Oberst zu seinen (wenn auch nicht unbedingt zeitgemäßen) Überzeugungen steht. Gut so.