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Sechs Monate Freiheitsstrafe : Hausfrau attackierte 23-Jährigen

Kamen, 20.04.2009, Sarah Wiggermann

Spannungen gab es zwischen den beiden Mietparteien schon lange. Dass seine 48-jährige Nachbarin ihm aber eines Tages im Hausflur auflauert und ihn mit dem Krückstock krankenhausreif prügelt, das hätte sich der 23-jährige David R. (Name geändert) wohl nie träumen lassen.

Doch genau das ist dem jungen Kamener am 8. Januar vergangenen Jahres passiert. Als er im Hausflur an der Wohnung der 48-jährigen Hausfrau vorbeiging, riss die die Tür auf und attackierte ihn mit dem Gehstock ihres Mannes. Vollkommen überrumpelt versuchte David R. seinen Kopf vor den heftigen Schlägen zu schützen.

Minutenlang schlug die türkischstämmige Frau auf den 23-Jährigen ein, bis eine andere Mieterin ihm zur Hilfe eilte und ihn in ihre Wohnung zog.

Gestern musste sich das Kamener Amtsgericht mit der Frage beschäftigen, warum die 48-Jährige David R. so heftig verprügelt hatte. Die stritt den Angriff aber ab. „Alles Lüge!” lautete ihre Verteidigungsstrategie. Dass die beiden Nachbarn sich gar nicht verstehen, war schnell klar. Beide Parteien überhäuften sich mit gegenseitigen Beschuldigungen. Die Angeklagte bestand darauf, dass David R. ein Problem mit ihrer Herkunft habe. Ständig beleidige er sie deswegen, behauptete sie. Außerdem sei sie doch körperlich auch gar nicht in der Lage, einen Mann so zu verprügeln, sagte sie abschließend.

Das 23-jährige Opfer schilderte alles ganz anders. Er gab an, es sei zu Spannungen gekommen, weil die 48-Jährige nicht akzeptieren könne, dass er homosexuell sei und mit seinem Lebensgefährten in dem Mietshaus lebe. Nach über zwei Stunden Verhandlung sah das Gericht es dann auch als erwiesen an, dass die Hausfrau David R. an diesem Tag tatsächlich zusammengeschlagen hatte. Und zwar weil sie die Homosexualität des Opfers nicht akzeptieren könne, hieß es in der Urteilsbegründung. Die 48-Jährige wurde zu sechs Monaten Freiheitsstrafe veurteilt. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. 500 Euro muss sie an David R. und 250 Euro an eine gemeinnützige Organisation bezahlen, die sich für die Rechte Homosexueller einsetzt.

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