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Leichtsinn oder Straftat?

23-Jähriger stürzte in eiskalte Seseke

05.01.2009 | 23:30 Uhr

Der 28. Dezember dürfte für einen jungen Mann aus Hamm fortan ein besonderer Feiertag sein. Gegen 4 Uhr morgens an diesem Sonntag nach Weihnachten wurde der 23-Jährige von mutigen (und wachen) Kamenern an der Ecke Sesekedamm/Ostenallee aus der Seseke gezogen – völlig erschöpft und unterkühlt.

Wären die Leute nicht gewesen, wäre der Mann in dieser Nacht gestorben, sagt Martin Volkmer, Pressesprecher der Kreispolizei.

Wie der 23-Jährige ins Gewässer stürzen und in Lebensgefahr geraten konnte, ist nach Angaben der Polizei unklar. Der junge Mann selbst, berichtet Polizeisprecher Volkmer, behaupte, er sei von Unbekannten über den Zaun ins Wasser geworfen worden. Die Verlässlichkeit dieser Aussage sei aber durchaus in Frage zu stellen, so Volkmer. Der Mann habe die Nacht in einer Disko verbracht und unter erheblichen Alkoholeinfluss gestanden.

Tatsache ist: Nicht nur Anwohner, die in der Nähe der Brücke wohnen, sind aufmerksam geworden auf die Hilferufe des Mannes. An diesem frühen Sonntagmorgen waren glücklicherweise noch andere Nachtschwärmer auf den Straßen unterwegs, die schnell den Unfallort erreichten und den Mann aus dem Wasser zogen. Kurz darauf kamen auch Feuerwehr und Polizei. Weil der Mann völlig unterkühlt war, wurde er schließlich ins Krankenhaus gebracht, das er aber schon nach kurzer Zeit wieder verlassen konnte.

„Wir haben die Anzeige des jungen Mannes aufgenommen, die Ermittlungen in dem Fall laufen”, erklärt Volkmer. Zweifel an der Aussage des Hammers aber bleiben aus Sicht der Polizei bestehen. Es könne, so der Polizeisprecher, eine Schutzbehauptung sein. Warum? Niemand der sieben Zeugen hat Tatverdächtige in der Nähe der Seseke gesehen. Andererseits: Der Zaun an der Sesekebrücke ist hoch. Warum sollte jemand – wenn auch betrunken – darüber steigen?

Ob Leichtsinn oder Straftat – nach der Renaturierung der Seseke werden derartige Vorfälle hoffentlich der Vergangenheit angehören. Die Seseke, sagt Silke Wilts, Pressesprecherin des Lippeverbands, werde nach der Maßnahme im Innenstadtbereich zwar nur teilweise umzäunt sein. Gleichwohl werde das Ufer überall dort, wo es zugänglich sei, auch bepflanzt sein. Zudem sei der Wasserstand künftig viel niedriger, der Wasserfluss langsamer. Das Problem, weiß Wilts, sei im Moment die tiefe, glatte Sohlschale der Seseke, aus der man, einmal hineingefallen, kaum mehr heraus komme.

Ulrike Faulhaber

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