Niemand muss draußen bleiben
23.12.2009 | 07:11 Uhr 2009-12-23T07:11:00+0100
Isselburg. Hätten Maria und Josef vor über 2000 Jahren an der Türe der achtköpfigen polnischen Familie Darmofal in Anholt geklopft, wären sie sicherlich nicht abgewiesen worden.
Sie wären an den Tisch geladen worden und sicherlich hätte die Familie Darmofal eines ihrer Zimmer geräumt, um der heiligen Familie eine Unterkunft zu geben. Heute - 2000 Jahre später - wird in der polnischen Familie am Heiligenabend noch traditionsgemäß in Erinnerung an die Herbergssuche der Heiligen Familie ein Gedeck mehr auf den festlich geschmückten Tisch aufgelegt, um einen unerwarteten Gast bewirten zu können. Niemand, der an die Tür klopft, soll draußen stehen bleiben müssen.
Am Heiligabend wird in Polen gefastet bis der erste Stern aufgeht und den Beginn der „Wigilia”, der heiligen Nacht, anzeigt. Die Kerzen am Weihnachtsbaum werden angezündet und die Familien setzen sich an den mit einem weißen Tuch gedeckten Tisch und teilen zum Zeichen der Versöhnung und Liebe untereinander eine eckige Oblate.
Zwölf Apostel, zwölf Gerichte
Nach altem Brauch stehen als Erinnerung an die zwölf Apostel und der zwölf Monate eines Jahres zwölf verschiedene Gerichte auf dem Tisch - alle fleischlos - da die Fastenzeit erst um Mitternacht endet. Mohnkuchen und Süßigkeiten gehören genau so dazu wie Krautgerichte, polnischer Gemüsesalat aber auch Borschtsch, Pierogi und Uszka. Vor allen Dingen aber Fisch in vielen Varianten.
Nach dem Essen folgt die Bescherung. Das Christkind hat unter dem Tannenbaum Geschenke gelegt und diese werden in vielen polnischen Familien von dem jüngsten Kind verteilt. Um Mitternacht geht man in die Messe der „Pasterka” was Hirtenwache bedeutet und singt Weihnachtslieder.
Am ersten Feiertag bleiben die Familien unter sich und es werden nur Speisen verzehrt, die bereits in den Tagen zuvor gekocht wurden. Am zweiten Feiertag werden nach alter Sitte Verwandte besucht.
Vorgezogene Weihnachten
Beim Besuch der NRZ hatte Izabella Darmofal es sich nicht nehmen lassen, den Heiligabend ein paar Tage vorzuverlegen. Den ganzen Tag hatte sie in der Küche gestanden, die Tafel war mit einem weißen Tischtuch bedeckt - zwölf verschiedene Gerichte standen auf dem Tisch und auch für einen unerwarteten Gast war ein Gedeck aufgelegt worden.
Seit 20 Monaten wohnen Izabella und Dariusz Darmofal mit ihren sechs Kinder Nathalia, David, Daniel, Pawel, Konrad und Katharina jetzt in Anholt. Und nachdem sie im letzten Januar auch mit Hilfe der NRZ eine größere Wohnung bekommen haben, können sie in diesem Jahr nach polnischer Tradition Weihnachten feiern.
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