Meister der weiblichen Halbfigur
09.09.2011 | 20:00 Uhr 2011-09-09T20:00:00+0200
Anholt.Das Lieblingsbild von Fürst Carl Philipp zu Salm und zu Salm-Salm befindet sich weder in seinem Wohnzimmer, noch in seinem Schlafzimmer. Es hängt in der fürstlichen Gemäldesammlung im Museum der Wasserburg Anholt.
„Ein wunderschönes Bild“, sagt Durchlaucht über das Gemälde der Heiligen Maria Magdalena mit dem Salbengefäß.
Der Maler, der in den Jahren um 1520 bis 1540 in Brügge und Antwerpen tätig war, ist namentlich nicht bekannt. „Man nennt ihn den Meister der weiblichen Halbfiguren“, weiß der Leiter des Museums, Drs. Duco van Krugten, zu berichten. Die Bezeichnung rührt vom Lieblingsthema des unbekannten Malers her: schöne, modisch gewandete Frauen, die er bis zur Taille darstellte. Seine besondere Vorliebe galt dabei der Heiligen Maria Magdalena, von der er 25 Ausführungen hinterlassen hat. „Das Gemälde wird häufig für Ausstellungen angefragt“, berichtet der Fürst nicht ohne Stolz. „Dabei sind wir sehr vorsichtig, wer es bekommt, denn das Bild wird nicht besser.“
Auf einer Stufe mit dem Louvre und der Eremitage
Der Fürst gerät geradezu ins Schwärmen, wenn er sich das Bildnis der jungen Frau ansieht: „Sie hat so etwas Liebes an sich. Allein wie sie guckt. Man möchte sich gerne mit ihr unterhalten und sie fragen: Wie geht es dir?“ Auch von der schönen Malerei der Hände schwärmt der Fürst: „Die Art, wie die Haut gemalt ist, ist unglaublich.“
Das Bild ist seit 1846 nachweislich in der Anholter Sammlung, damals wurde es noch Hans Holbein zugeordnet. Erstmals 1904 wurde es als ein Werk des Meisters der weiblichen Halbfiguren bezeichnet. „Insgesamt kennt man circa 40 bis 50 Bilder von ihm“, so van Krugten. Gemälde von dem Künstler hängen unter anderem auch im Louvre in Paris oder in der Eremitage in St. Petersburg. Und in Anholt. „Hätten wir mehr von diesem Künstler, würden wir nicht mehr mit jedem sprechen“, scherzt Durchlaucht.
Aber nicht nur große Künstler, sondern auch kleine Bonmots besitzt das Museum. Wie etwa ein kleines Heftchen, das weit über 400 Jahre alt ist. Es ist eine Art lateinisches Vokabelheft, das damals an die Schüler des Emmericher Gymnasiums verteilt wurde. Das Exemplar, das sich in den Beständen des Archivs der Wasserburg Anholt befindet, gehörte vor vielen, vielen Jahren Johann Jacob van Bronck-horst-Batenburg, der am 12. Februar auf der Wasserburg Anholt geboren wurde. Und der Herr von Anholt hat in Emmerich das Gymnasium besucht und sicherlich fleißig die niederdeutschen Übersetzungen ins Lateinische studiert.
„Omnia tempus habent“ steht auf der Vorderseite: Alles hat seine Zeit. Zusammengetragen wurden die Vokabeln anno 1580 von Gerardus Paludarus aus Resensis (Rees). Er war Lehrer.
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