Fällt Unterricht aus?
06.11.2009 | 07:00 Uhr 2009-11-06T07:00:00+0100
Isselburg. Helmut Kottke spricht eine deutliche Warnung aus. „Wir arbeiten hart an der Grenze des Erträglichen”, sagt der Schulleiter der Verbundschule Isselburg. „Krank werden darf kein Lehrer mehr.”
Sonst drohe den 600 Schülern Unterrichtsausfall, warnte er in einem Elternbrief. Ausfall gebe es zwar derzeit noch nicht. Aber schon jetzt sei der Unterricht nur dank vieler Überstunden aufrecht zu erhalten.
Insgesamt arbeiten 36 Lehrer und zwei Lehramtsanwärter an der Schule. Nun fallen einige längerfristig krankheitsbedingt aus, eine Kollegin ist schwanger. Ein Durchschnitt wie in jeder Firma.
An der Schule bedeutet Fehlen aber normalerweise Unterrichtsausfall. Von insgesamt 750 Stunden, die in jeder Woche an der Verbundschule unterrichtet werden, müssten derzeit 35 ausfallen, knapp fünf Prozent. Damit es so weit nicht kommt, springen die übrigen Lehrer ein. Zumindest vorübergehend. „Wenn ein Lehrer statt 28 Stunden 35 Stunden in der Woche unterrichten muss, dann geht das an die Nerven”, weiß Kottke.
„Der Markt ist leer”
Deshalb werden dringend Vertretungslehrer gesucht. „Die sind schwer zu bekommen”, sagt Kottke, „der Markt ist leer.” Vor zehn Jahren noch hätte man jederzeit eine Aushilfe gefunden, heute wäre dies beinahe unmöglich. „Dieses Problem haben alle Schulen am Rande des Regierungsbezirks Münster”, erklärt Kottke, „in Münster gibt es 100 Bewerber auf eine Stelle, bei uns nur zwei. Wir haben die volle Unterstützung der Bezirksregierung, sind eigentlich eine attraktive Schule für Lehrer, aber die Situation ist dank unserer Landesregierung schwierig.” Andere Bundesländer würden Lehrer mit mehr Gehalt abwerben. „Niemand hat mehr ein Problem damit, umzuziehen”, sagt Kottke.
Trotzdem hofft der Schulleiter, dass bald neue Lehrer gefunden werden. Eine Lehrerin beginnt in der kommenden Woche bereits als Schwangerschaftsvertretung mindestens bis zum 1. Februar. Eine weitere Stelle ist ausgeschrieben. Kottke: „Im Optimalfall bräuchten wir noch zwei Lehrer. Ich bin aber guter Dinge, dass sich die Situation bald bessern wird.”
0mitdiskutieren