Am Anfang war die Werkstatt
31.01.2012 | 18:29 Uhr 2012-01-31T18:29:00+0100
Isselburg. Kirchenchor St. Bartholomäus blickt auf eine 150-jährige Geschichte. Günter Rösen nur noch bis Mai als Leiter aktiv
„Chronik“ ist in goldenen Lettern auf dem schwarzen Einband zu lesen. Elvi Schweckhorst hat darin Kirchenchor-Geschichte in Bildern und Artikeln gesammelt – mit viel Liebe zum Detail bei der Gestaltung und einer beeindruckenden Schönschrift. Kein Wunder also, dass die 1. Vorsitzende des Kirchenchors St. Bartholomäus Isselburg gleich zwei Hände braucht, wenn sie das Buch hochheben will. Denn in diesem Jahr feiert der Chor, der 42 stimmgewaltige Mitglieder zählt, sein 150-jähriges Jubiläum.
Zunächst eine Männerdomäne
Begonnen hat die Geschichte der Gemeinschaft im Jahre 1862. Um gemeinsam Kirchenlieder zu singen, kamen unter der Leitung von Schuhmachermeister Johann Evers, seine Brüder Gerhard und Bernhard, sowie einige andere Männer zusammen. Wo? In der Schusterwerkstatt des Dirigenten.
Mittlerweile sind aus den knapp 20 Sangesbrüdern der ersten Stunden, 42 Chormitglieder geworden. Sangesbrüder gibt es auch nicht mehr so viele. Heute sind die Frauen in der Überzahl, die erst seit 1920 mitsingen dürfen. Außerdem wird nun jeden Donnerstag ab 20 Uhr im Pfarrzentrum geprobt. „Und natürlich im Anschluss gemütlich zusammen gesessen“, so Elvi Schweckhorst, die seit 55 Jahren aktiv mitsingt. Das mache auch die tolle Gemeinschaft des Chor aus, der nicht nur geistliche Lieder in kirchlichen Messen singt, sondern auf Wunsch auch ein Ständchen zum Jubiläum darbietet. Hierfür braucht es allerdings langsam Unterstützung. „Über Nachwuchs würden wir uns sehr freuen“, so Chorleiter Dieter Rösen. Neben der Mitgestaltung der Gottesdienste gab der Chor zahlreiche Konzerte, sang bei Gastveranstaltungen in benachbarten Kirchen, in den Niederlanden sowie in Rom, wobei die gesangliche Gestaltung eines Hochamtes am Hauptaltar im Petersdom im Jahre 1985 ein absoluter Höhepunkt war. 1982 wurde der Chor sogar mit der Palestrina-Medaille ausgezeichnet.
Momentan probt der Dirigent zweimal in der Woche mit seinem Chor. Und das seit einem Jahr. Denn für das Jubiläum wollen die Sänger ihrem Publikum schließlich einen besonderen Ohrenschmaus anbieten. Damit das auch gelingt, gibt es Unterstützung von den Mitglieder des Anholter Kirchenchores.
Die Jubiläumsfeier im April (siehe Kasten) ist auch ein Abschied. Denn nach 19 Jahren als Dirigent wird Günter Rösen Anfang Mai in den Ruhestand gehen.
Immerhin gibt darauf bezogen auch eine gute Nachricht: Ohne Leitung wird der Chor dann nämlich nicht sein. Wolfgang Orth, der aus dem Sauerland nach Isselburg kommt, wird Günter Rösens Aufgaben dann ab Anfang Mai sicherlich gern übernehmen.
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