Zwischen der BiTS und Walther knirscht es

Politisch gewünschter Gesamtschulstandort: Einstimmig votierte der Schulausschuss dafür, die neue Schule am Seilersee zu errichten.
Politisch gewünschter Gesamtschulstandort: Einstimmig votierte der Schulausschuss dafür, die neue Schule am Seilersee zu errichten.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Während sich die Politik einig ist, dass die neue Gesamtschule am Seilersee untergebracht werden sollte, ist auf dem Campus ein Konflikt zwischen Eigentümer Dietrich Walther und den Verantwortlichen der privaten Fachhochschule BiTS aufgebrochen

Iserlohn..  Nachdem der langjährige politische Streit um die Errichtung der zweiten Gesamtschule mittlerweile abzuklingen scheint, flammt an anderer Stelle im heimischen Bildungssektor ein Konflikt auf, der in unmittelbarem Zusammenhang mit der städtischen Schulentwicklung steht. Weil nämlich die neue Gesamtschule zum Campus Seilersee ziehen soll, will Eigentümer Dietrich Walther sein bisher in den hierfür vorgesehenen Gebäuden untergebrachtes privates Aufbaugymnasium an eine andere Stelle auf dem Gelände verlagern - offenbar sehr zum Missfallen der einst von Walther gegründeten privaten Fachhochschule BiTS, die mittlerweile dem amerikanischen Bildungskonzern Laureate gehört.

BiTS erhebt schwere Vorwürfe gegen Vermieter Walther

Dessen Iserlohner Vertreter hatten unmittelbar vor der Schulausschusssitzung am Mittwoch, in der ein einstimmiges Votum zu Gunsten des Standorts Seilersee erfolgte, ein Schreiben an Politik und Verwaltung gerichtet, in dem sie schwere Geschütze gegen Dietrich Walther auffahren. „Wir lesen, dass Herr Walther Ihnen berichtet hat, mit der BiTS in Gesprächen über eine Verlegung des Aufbaugymnasiums auf dem Campus zu stehen. Dies ist unrichtig, denn solche Gespräche gab es nicht, sondern nur die klare Aussage unsererseits, dass wir die Verlagerung (...) auf den Campus aus guten Gründen ablehnen und wir die uns zustehenden Anmietungs- und Erwerbsrechte zu Immobilien auf dem Campus im Interesse der Hochschule verteidigen werden“, heißt es in dem von BiTS-Rektor Professor Dr. Stefan Stein und Laureates Europa-Statthalter Carlos Bertrán-Sundheim unterzeichneten Brief. Stein und Bertrán-Sundheim erklären zudem, dass der Unternehmer - anders als von ihm gegenüber der Stadt dargestellt - der BiTS keine Alternativen zur Verlegung des Aufbaugymnasiums vorgeschlagen habe.

Wie zerrüttet das Verhältnis zwischen Dietrich Walther und der von ihm gegründeten privaten Hochschule mittlerweile zu sein scheint, geht aus weiteren Passagen des Briefes hervor, in denen Stein und Bertrán-Sundheim darstellen, das von ihrem Vermieter mittlerweile ausschließlich unfreundliche Verhaltensweisen gegenüber der BiTS an den Tag gelegt würden. So sei etwa der Mietvertrag für die Kfz-Stellplätze auf dem Parkdeck am oberen Reiterweg zum Jahresende gekündigt worden, an einem zuvor als Studentenclub und bis 2027 angemieteten Gebäude sei die BiTS mit dem Hinweis auf die Baufälligkeit der Immobilie ausgeschlossen worden, wozu die Schlösser aufgebrochen und ersetzt worden seien.

„Selten ein so dramatisches Schreiben gelesen“

Dass er sich „große Sorgen“ um die Zukunft der BiTS am Iserlohner Standort mache, gab CDU-Ratsmitglied Matthias Jakubanis im Schulausschuss zu Protokoll, nachdem er den BiTS-Brief auszugsweise zitiert hatte: „Ich habe in meiner zugegebenermaßen noch jungen politischen Karriere selten ein so dramatisches Schreiben gelesen mit so vielen Ungereimtheiten“, erklärte Jakubanis, der die Unterbringung der Gesamtschule am See davon abhängig machen will, dass dies nicht den Standort der privaten Fachhochschule gefährdet. Dass es der BiTS nicht um die Gesamtschule, sondern um den neuen Standort des Aufbaugymnasiums gehe, hob Bürgermeister Dr. Ahrens hervor. Bertrán-Sundheim und Professor Stein, so Ahrens, hätten ihm gegenüber deutlich gemacht, dass sie eine Ansiedlung der Gesamtschule nicht als Problem empfänden. Ahrens: „Es ist ausgesprochen bedauerlich, dass zwischen Mieterin und Vermieter nicht gesprochen wird. Ich lade aber gerne beide Seiten zu einem Gespräch ein, bei dem wir als Stadt aber nicht in der Lage sein werden, den Konflikt zu lösen. Das ist Sache der beiden Parteien.“

Ob ein solches vom Bürgermeister moderiertes Gespräch tatsächlich etwas bringt, zweifelt Dietrich Walther im Gespräch mit unserer Zeitung derweil an und bezeichnet die Vorwürfe der BiTS in diesem Zusammenhang als „Unverschämtheit“. So sei etwa die Schließung des Studentenclubs mit der vorherigen Geschäftsführung einvernehmlich abgestimmt worden, da an dieser Stelle ein Neubau errichtet werden soll. Das Gebäude sei 70 Jahre alt und marode, demzufolge aus Sicherheitsgründen nicht mehr für Partys mit bis zu 400 Teilnehmern geeignet. Die Parkplätze, so Walther, habe er in der Tat gekündigt, allerdings mit dem Verweis darauf, dass er jederzeit eine n neuen Mietvertrag mit der BiTS abschließen werde, sollte Bedarf bestehen. Und dass er der Hochschule keine Vorschläge zur Unterbringung des Aufbaugymnasiums unterbereitet habe, sei ebenfalls nicht richtig. Bereits im September habe er die BiTS über diese Planungen in Kenntnis gesetzt und seither kontinuierlich schriftlich und per E-Mail darüber informiert, „vielleicht lesen die ja ihre Post nicht“.

Am 24. Juni, dem Tag nach der grundsätzlichen Ratsentscheidung zum Standort Seilersee, werde er der Hochschule nun noch einmal ein offizielles Angebot unterbreiten. „92 Prozent der Flächen, die insgesamt 100000 Quadratmeter umfassen, gehören uns, acht Prozent sind im Eigentum der BiTS. Ich sehe daher überhaupt kein Problem, das Aufbaugymnasium an anderer Stelle, etwa im Bereich des Reitervereins unterzubringen, ohne dass die BiTS in ihren Expansionsplänen beeinträchtigt würde.“