Zwischen Besinnlichkeit und Tim Toupet

Die Auswanderer kehren heim: Angelika Hüls besucht mit ihrem britischen Lebensgefährten Richard Newns (links) derzeit ihre alte Heimat Iserlohn. Auch Markus Frank,  der in den USA lebt, kehrt regelmäßig über die Feiertage zurück in die Waldstadt.
Die Auswanderer kehren heim: Angelika Hüls besucht mit ihrem britischen Lebensgefährten Richard Newns (links) derzeit ihre alte Heimat Iserlohn. Auch Markus Frank, der in den USA lebt, kehrt regelmäßig über die Feiertage zurück in die Waldstadt.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Markus Frank und Angelika Hüls leben seit gut 20 Jahren im Ausland - und kehren regelmäßig zu Weihnachten heim nach Iserlohn.

Iserlohn..  „Weihnachten in der Heimat, das bedeutet Ruhe und Besinnlichkeit“, sagt Angelika Hüls, doch erstmal singt jetzt Tim Toupet sein Lied von den schönen Haaren. Die 46-jährige gebürtige Iserlohnerin steht mit Familie und ihrem britischen Lebensgefährten Richard Newns vor der Schmiedehütte auf dem Iserlohner Weihnachtsmarkt. Draußen hetzen Leute durch Dauerregen und Wind ihren letzten Einkäufen hinterher, es riecht nach Bratwurst und Reibeplätzchen.

Dass Angelika Hüls, eine kleine, gesellige Frau mit beiger Steppjacke, den hiesigen Budenzauber nebst Schlager-Beschallung und Glühwein in der Hand vor Ort erlebt, ist nicht selbstverständlich, lebt die Software-Beraterin seit Februar 1995 doch im englischen Windsor, nahe London, arbeitet beim Software-Riesen Oracle. Wie so viele Fortgezogene, reist sie über die Feiertage aber regelmäßig in die alte Heimat - so auch in diesem Jahr.

Zu der kleinen Runde kommt jetzt Markus Frank dazu, ein kräftiger Mann mit freundlicher Miene in trotz eisigem Wind offener Lederjacke. Salopp werden solche Menschen gerne Mal als Kleiderschrank bezeichnet. Die beiden Auswanderer kennen sich seit der Schulzeit am MGI.

Auch der 46-Jährige lebt seit längerem im Ausland. 1993 ging er zunächst nach San Francisco, ganze 45 Umzüge folgen, bis sich der Kreis wieder schließt, seit 2007 ist Frank zurück in der weltberühmten kalifornischen Stadt und arbeitet im Vertrieb des Technologie-Unternehmens Hewlett-Packard.

San Francisco und London, nun also Iserlohn, Danzturm statt Big Ben und Golden Gate Bridge. An den Feiertagen nicht unbedingt ein Nachteil, finden beide. „In England geht es zwar lauter und lustiger zu, dafür ist es hier besinnlicher“, sagt Angelika Hüls.

Und die USA? Sind halt die USA, „bunt, laut, kitschig, Blitze, der singende Santa Claus und rote Kugeln an Bäumen und in den Fenstern. Wobei San Francisco eigentlich sehr europäisch geprägt ist“, erzählt Markus Frank. Weihnachtsmärkte gebe es in Amerika seltener, dafür würden die Anwohner innerhalb ihrer Nachbarschaft vieles selbst organisieren. „Kinderfreundlicher“ sei das Weihnachtsfest in den USA, findet der Auswanderer.

Überschaubarkeit als großes Plus für den Weihnachtsmarkt

Für die beiden Iserlohn-Heimkehrer hat die überschaubare Größe des hiesigen Weihnachtsmarktes - von den Einwohnern oft kritisiert - einen kaum bestreitbaren Vorteil. „Man trifft zwangsläufig bekannte Leute“, sagt Angelika Hüls. „Weil man ja auch praktisch nicht aneinander vorbeilaufen kann“, ergänzt Markus Frank.

Beide finden auch, dass sich die Stadt in den letzten Jahren durchaus positiv entwickelt habe, zumindest was das gastronomische Angebot anbelangt. „Obwohl es traurig ist, dass es kein Iserlohner Bier mehr gibt“, finden beide. In ihre neuen Lebensmittelpunkte haben die Auswanderer immerhin ein paar Brauerei-Krüge und Kleidungsstücke als Andenken rübergerettet.

Ganz auf die Heimat verzichten müssten sie aber in England und den USA auch sonst nicht. So arbeiten in San Francisco zahlreiche Deutsche, es gibt auch einen Weihnachtsmarkt. „Die Feuerzangen-Bowle müssen sich die Deutschen allerdings selber machen“, so Frank.

Ähnlich verhält es sich bei Angelika Hüls. Deren Nachbarn in England heißen Hans Müller, Brigitte und Gloria - und kommen aus Berlin, Düsseldorf und Frankfurt. „Ein deutsches Ghetto, in dem ich da lebe“, sagt sie im Scherz. Sogar einen deutschen Weihnachtsmarkt gibt es in Windsor.

Und darf dort auch Tim Toupet seinen Mitgröhl-Schlager von den schönen Haaren durch die Lautspreche der Trinkbuden schmettern? Angelika Hüls lacht. „Ne, da läuft dann doch eher Bing Crosby.“