Zum Glück hochmusikalisch statt fleischig

„Jauchzet dem Herrn alle Welt“: Die „Outta Limits“ starteten am Mittwoch in der Erlöserkirche mit Heinrich Schütz klassisch und doppelchörig.
„Jauchzet dem Herrn alle Welt“: Die „Outta Limits“ starteten am Mittwoch in der Erlöserkirche mit Heinrich Schütz klassisch und doppelchörig.
Foto: IKZ/Michael May
Der Iserlohner Chor besticht wie immer mit sehr vielem – vor allem mit seinem wunderbaren A-capella-Klang

Iserlohn..  Wurstwasserbowle in der Pause, ein Programmblatt in Fleischwurstform und Zutaten, die eher an eine Metzgerei als an ein Chorkonzert erinnern – die Ankündigung der „Outta Limits“ auf ihr diesjähriges „Mittwoch-vor-Fronleichnam-Konzert“ klang eher wie eine Drohung, und man konnte durchaus erleichtert sein, dass die wirklichen Zutaten dann doch weniger fleischige als vielmehr die gewohnten hochmusikalischen Outta-Limits-Züge trugen.

Es is(s)t nicht alles Wurst, was singt

Das Motto des Abends „Es is(s)t nicht alles Wurst, was singt“ zog sich aber dennoch wie ein roter Faden durch das Konzert, und Pate stand dabei natürlich Conchita Wurst. Die hatte Chorleiter Jens Keienburg offensichtlich gereizt – und zwar nicht nur im vordergründig humorigen Sinne, sondern vielmehr, weil er irgendwie eine Verwandtschaft in Haltung und Wirkung verspürte. Mit dem Songcontest-Sieg der Wienerin habe Europa gegen „vernageltes Denken“ und für Offenheit, Vielfalt und Buntheit Stellung bezogen. Und genau das haben sich auch die „Outta Limits“ vor einigen Jahren bei ihrer Vereinswerdung auf die Fahnen und in die Satzung geschrieben. „Für uns ist Musik das Ausdruck der menschlichen Verbundenheit über alle Grenzen hinweg“, so Keienburg.

Und mehr noch als alle Wurst-Wortspiele war genau diese Vielfalt in der Musik des Chores prägend für das Konzert. Von Schütz bis Queen und von Geburtstagskind Carl Philipp Emanuel Bach bis Toto und Junimond haben sich die „Limits“ im vergangenen Jahr einmal mehr auf alles gestürzt, was Wohlklang und Spaß verspricht – Scheuklappen gibt es da keine, und genau das macht in der Tat den besonderen Reiz des Chores aus. Natürlich war auch dieses Programm gespickt mit tollen Solo-Beiträgen, instrumental-begleitender Vielfalt und jeder Menge Gags: der aktuelle Tanz-Hit „Happy“ wurde mit Smily-Masken gesungen, Jens Keienburg hielt die ganze und erneut bestens besuchte Erlöser-Kirche mit Einsingübungen in Atem und das Bach-Magnifikat ließ er von einem vierstimmigen Synthesizer-Orchester nebst I-Pad-Pauken begleiten, das natürlich vorher auch gestimmt werden musste.

Nachholkonzert am Sonntagin der Ebbergkirche Hemer

Die ganz besondere Stärke des famosen, rund 30-köpfigen Chores mit nach unten warm abrundenden zehn starken Männerstimmen lag aber einmal mehr in den A-capella-Beiträgen, bei denen sich die „Limits“ traditionell auch gerne auf den Spuren von kleinen, professionellen A-capella-Formationen bewegen, was trotz aller hörbaren Leichtigkeit meistens mit sehr komplexen Arrangements die Strukturen des einfachen Pop-Liedes sprengt und in der virtuosen Stimmführung auch eine Menge harte Probenarbeit vermuten lässt. Mit unter anderem „Love you“ von „The Free Design“, „Himmel auf“ von „Silbermond“ oder „I Sing You Sing“ von „The Real Group“ hatten sie gleich mehrere Lieder aus diese Kategorie neu im Angebot, was das diesjährige Programm zu einem der rundesten und schönsten der letzten Jahre machte – auch weil es mit einer fantastischen Version von „Der Mond ist aufgegangen“, die auch dem Publikum Gelegenheit zum Mitsingen bot, einen wunderbaren und emotional unter die Haut gehenden Schlusspunkt hatte. Danach gab es den üblichen Klatsch- und Trampel-Sturm im Stehen und ebenso natürlich einen wuchtigen „Bohemian Rhapsody“-Nachschlag. Was nun noch folgt, ist das traditionelle Nachholkonzert für alle die Bemitleidenswerten, die am Mittwochabend schon verreist waren: Am morgigen Sonntag, 22. Juni, gibt es in der Hemeraner Ebbergkirche um 17 Uhr eine zweite Chance.