Zeitzeugen-„Experiment“ geglückt

Sabine Hinterberger lief mit den Besuchern am Donnerstagabend durch die Städtische Galerie, um das Leben von Carl Heinz Kipper darzustellen.
Sabine Hinterberger lief mit den Besuchern am Donnerstagabend durch die Städtische Galerie, um das Leben von Carl Heinz Kipper darzustellen.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Zahlreiche Interessierte nutzten die Einladung zur Annäherung an Carl Heinz Kipper in der Städtischen Galerie.

Iserlohn..  „Geh nicht nur die glatten Straßen. Geh Wege, die noch niemand ging, damit du Spuren hinterlässt und nicht nur Staub.“ Dieses Zitat von Antoine de Saint-Exupéry – verteilt auf mehrere auf den Boden geklebte Zettel – begleitete die Besucher der Städtischen Galerie am Donnerstagabend. Es war kein normaler Abend, denn zum einen handelte es sich um den Vorabend des ersten Todestages des Iserlohner Originals und Holocaust-Zeitzeugen Carl Heinz Kipper. Zum anderen erlebten die zahlreichen Anwesenden ein „Experiment“. Schließlich ging die besondere Form, die die Organisatoren gewählt hatten, weit über eine durch Bilder ergänzte Lesung hinaus.

Kooperation ohne Protagonistzunächst abgelehnt

Sabine Hinterberger, Autorin und Mitarbeiterin des städtischen Bereiches Beschäftigungsförderung, lud die Gäste ein zu einem Spaziergang entlang prägnanter Stationen des Lebens von Charly Kipper. Sabine Hinterberger hatte viele Jahre eng mit ihm zusammengearbeitet, unter anderem das Buch „Onkel Willi, warum weinst du?“ über seine Erinnerungen geschrieben. „Daher habe ich auf die Frage, ob ich mir vorstellen könnte, einen solchen Abend zu gestalten, aus dem Bauch heraus geantwortet: ,Nein, nicht ohne ihn.’ Zuerst war alles noch viel zu nah, aber dann habe ich gesagt: ,Ja, mit ihm als Erzähler.’“

Auf Initiative der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen, allen voran Annegret Simon, entstand so die „Annäherung an den Iserlohner Zeitzeugen“. Denn, so Annegret Simon, das Leiden durch das NS-Regime habe durch Kipper ein Gesicht bekommen. „Uns war es immer ein Anliegen, die Zeit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.“ In der Vorbereitungsphase der Ausstellung „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte.“ (wir berichteten), zu deren Rahmenprogramm das „Experiment“ in der Städtischen Galerie gehört, sei die erschreckende Aktualität des Themas noch keinem bewusst gewesen.

Prägnante Stimme sorgtefür Gänsehaut

Wer am Donnerstagabend dabei war, musste Charly Kipper nicht gekannt haben, um von seiner Geschichte, insbesondere aber den immer wieder zwischendurch eingespielten Wortbeiträgen des vor einem Jahr Verstorbenen gefangen zu sein. Wenn die prägnante Stimme erklang, musste so mancher Besucher schlucken und bekam eine Gänsehaut. Neben Sabine Hinterberger, die einzelne Passagen aus dem Buch vortrug, waren auch Mayte Hafenmayer und Bundesfreiwillige im Einsatz, um das Andenken an Kipper und die Warnung vor dem NS-Gräuel wach zu halten. Und das ist den Akteuren in der Städtischen Galerie ganz eindeutig gelungen – durch Vorträge, Einspielungen, Filmsequenzen und Fotos .