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Zeitzeuge schwer begeistert von den Ergebnissen

18.11.2009 | 17:28 Uhr
Zeitzeuge schwer begeistert von den Ergebnissen

„Wir Erwachsenen haben das alle noch präsent, aber nicht einer unserer Schüler hat das selbst erlebt, für sie ist das echte Geschichte”, erklärt Heinz-Dieter Klusmann, Schulleiter des Gymnasiums an der Stenner, die Gründe dafür, dass der Mauerfall vor 20 Jahren ein großes Thema an der Schule war.

Im Vorfeld des Projekttages am 9. November waren die Themen vorgestellt worden, hatten sich Arbeitsgruppen gebildet und waren wochenlang Vorbereitungen getroffen worden. Anfang November war zudem der Ex-DDR-Grenzsoldat und Fluchthelfer Rudi Thurow im Gymnasium zu Gast (wir berichteten). Am 9. November hatten die Schüler keinen Unterricht, sondern nahmen an Klassen und Stufen übergreifenden Projekten teil. Die Fünftklässler beispielsweise bastelten Mauersteine aus Schuhkartons, andere führten eine Passantenbefragung durch, beschäftigten sich mit der Ökologie des Grenzstreifens oder bereiteten eine nachgestellte Talkshow mit Zeitzeugen vor. Mehr als 35 Projekte wurden insgesamt durchgeführt.

Um diese Projekte einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, gab es am Freitag einen großen Präsentationstag in der Schule. In der Pausenhalle beispielsweise war eine symbolische Mauer aus den Schuhkarton-Steinen errichtet worden, die dann eingerissen wurde. Der Referent des Tages war Martin Jankowski: Der Schriftsteller, Sänger und Liedermacher war 1989 in Leipzig Zeitzeuge der Wende geworden. Ihm gefiel vor allem ein Projekt von drei Schülern der Stufe 13, in dem sie Ausschnitte bekannter Filme über die DDR („Goodbye Lenin”, „Sonnenallee” und „Das Leben der anderen) mit Textpassagen seiner Bücher verglichen. Jankowski ließ sich die entstandene Power-Point-Präsentation aushändigen: Er will sie der Bundeszentrale für politische Bildung empfehlen: „Ich bin schwer beeindruckt, wie vielfältig und intensiv das Thema an dieser Schule behandelt wurde.” Geschichtslehrerin Gabriele Sannman ist stolz darauf, dass die Arbeit ihrer Schüler so gewürdigt wird. Sie hatte Jankowski vor Jahren in einem Berliner Literatursalon kennengelernt und nun zum Jubiläum den Kontakt zwischen Künstler und Schule hergestellt.

Im Anschluss las Martin Jankowski dann in der Aula aus seinen Büchern „ Der Tag, der Deutschland veränderte” und „Rabet”. Der 1965 geborene Jankowski war bereits als Jugendlicher von der Stasi überwacht worden, engagierte sich als Pazifist bei den Friedensgebeten in der Nikolaikirche. Er wurde für seine Bücher mit mehreren Preisen ausgezeichnet.

Locker und für die Schüler gut verständlich schilderte er den Mauerfall als Ende einer Entwicklung, mit der sich seine Bücher beschäftigen. Er erklärte auch, dass er den Begriff Wende ebenso ablehnt („Er wurde von Egon Krenz für ein durchsichtiges Manöver verwendet, um Demonstranten zu täuschen.”) wie den Ausdruck „friedliche Revolution”: „Das war nicht friedlich, zumindest nicht bis zum 9. Oktober 1989.” Am 9. Oktober entging die DDR bei einer der Montagsdemonstrationen nur knapp einem Bürgerkrieg. Dieser 9. Oktober ist in Jankowskis Buch deshalb auch „Der Tag, der Deutschland veränderte”. Er bevorzugt für die Ereignisse des Jahre 1989 übrigens den Begriff „Europäische Revolution”.

Nach der Lesung entwickelte sich eine durchaus anspruchsvolle Diskussion zwischen Autor und Schülern, vor allem über das Gewicht des Engagements der evangelischen Kirche in der DDR 1989. Die Lesung war vom Sächsischen Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR in Dresden gefördert worden.

Katja Hofbauer

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