Zeitreise durch die Welt des Graveurhandwerks

Vom Großvater an den Beruf herangeführt, leitet Günter Schröder den Familienbetrieb mittlerweile in dritter Generation.
Vom Großvater an den Beruf herangeführt, leitet Günter Schröder den Familienbetrieb mittlerweile in dritter Generation.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Das Familienunternehmen GSG Graviertechnik feiert sein 100-jähriges Jubiläum. Auch mit 70 Jahren steht Inhaber Günter Schröder noch jeden Tag in der Werkstatt - und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht.

Iserlohn..  Es ist wie eine Reise in die Vergangenheit, in die glorreiche Zeit des Graveurhandwerks, wenn man die Werkstatt von Günter Schröder betritt. An den Wänden hängen alte Zinnteller mit Verzierungen jeglicher Art, auf den Tischen lassen sich Werkzeuge vergangener Tage finden und in der Vitrine stehen die ganze besonderen Schätze des Graveurmeisters, die die Vielfalt des Berufes eindrucksvoll unter Beweis stellen. Seit 100 Jahren gibt es den Betrieb mittlerweile schon.

Und das sieht man. Die Werkstatt hat zu großen Teilen schon fast Museumscharakter. Den ganz besonderen Charme erhält der Betrieb allerdings durch seinen Besitzer Günter Schröder, der für diesen Job lebt. Angefangen mit dem Gravieren hat der heute 70-Jährige im Alter von 14 Jahren und leitet mittlerweile in dritter Generation die Firma, die 1915 von seinem Großvater gegründet wurde. Ans Aufhören verschwendet er jedoch noch keinerlei Gedanken: „Ich werde das noch so lange machen, wie ich kann.“ Für die Zeit danach muss sich Schröder allerdings einen Nachfolger suchen - außerhalb der Familie. „Mein Sohn hat einen anderen Weg eingeschlagen. Und das ist auch gut so“, sagt Schröder. Eine gewisse Portion Wehmut ist allerdings schon in seiner Stimme zu hören.

Zu Lehrzeiten wurde noch alles in Handarbeit gefertigt

Eigentlich wollte Günter Schröder, der immer noch tagtäglich im Laden steht, Schreiner werden, doch er hatte keine Wahl. „Am 1. April steckte mein Vater mich in einen Kittel und dann ging es los“, sagt der heutige Graveurmeister. Er habe es allerdings nie bereut.

Das merkt man spätestens, wenn Schröder seine alten Werke zeigt, die er zu Lehrzeiten noch in echter Handarbeit gefertigt hat - denn an Computer und Maschinen war keineswegs zu denken. Zinnteller, Christuskreuze und Messer sind nur ein Auszug seiner Arbeiten, die lediglich mit Hilfe von Gravierkugel und Meißel entstanden sind.

Seit 20 Jahren steht allerdings auch solch ein Computer in seiner Werkstatt. Angeschlossen an ihn die 160 000 DM teure CNC-Fräsmaschine, die bis aufs Minimalste genau alles abmisst und sauber ausarbeitet. „Würde mein Großvater sehen, was diese Maschine alles kann, würde er behaupten, es sei Zauberei!“ Auch für Günter Schröder selbst war es eine große Umstellung: „Ich musste plötzlich mit 50 Jahren erlernen, wie ein Computer zu bedienen ist.“ Mittlerweile produziert die Maschine Stahl- & Messingstempel, Schrifträndel sowie Schriftelektroden für das Senkerodieren, auf die Schröder sich spezialisiert hat, drei bis vier mal so schnell, wie mit einer von Hand betriebenen Graviermaschine.

Jahrzehntelange Kundschaft hält Schröder die Treue

Aber auch das birgt Gefahren in sich. Denn viele Unternehmen könnten selbst Leute, ohne, dass sie das Handwerk jemals gelernt haben, ausbilden und mit dem Gerät vertraut machen. „Ich habe allerdings schon jahrzehntelange Kunden, die wissen, was sie bei mir bekommen. Der älteste Kunde lässt seit 1919 seine Aufträge bei uns ausführen“, sticht Schröder die Konkurrenz mit Erfahrung und Referenzen aus. Und auch das harmonische Gesamtbild der Werkstatt an der Wasserstraße wird keineswegs durch den großen grauen Klotz getrübt. Vielmehr ist es die Leidenschaft und das Herzblut mit der Günter Schröder seiner Arbeit nachgeht, die diese Räumlichkeiten mit Charme und Flair ausstattet. Und eines ist sicher: DAS kann keine Maschine der Welt.