Würdigung für Ehrenbürgerin

Anne Marie Tzschachmann, Ehrenbürgerin der Stadt Iserlohn, wird Namensgeberin für eine der Straßen im Wohngebiet Ortlohnpark.
Anne Marie Tzschachmann, Ehrenbürgerin der Stadt Iserlohn, wird Namensgeberin für eine der Straßen im Wohngebiet Ortlohnpark.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Die Namen für die Straßen im Neubaugebiet am ehemaligen Ortlohnpark stehen fest. Der Hauptausschuss entschied sich für die Benennung „Annemarie-Tzschachmann-Straße“ und „Coventrystraße“.

Iserlohn..  Die beiden Straßen zur Erschließung des neuen Wohngebiets am ehemaligen Ortlohnpark werden Annemarie-Tzschachmann-Straße und - einem Vorschlag der UWG-Piraten folgend - Coventrystraße heißen. Diesen Beschluss fasste der Hauptausschuss am Donnerstag mit breiter Mehrheit. Nicht durchsetzen konnte sich die AfD, die sich – wie berichtet – alternativ zur Coventrystraße für eine „Heinrich-Witte-Straße“ im Neubaugebiet ausgesprochen hatten.

Coventrystraße: Erinnerung an die Versöhnung

Mit der Coventrystraße wird nun anstatt der Erinnerung an die Iserlohner Industriellenfamilie Witte ein Zeichen gesetzt für die Versöhnung der Völker nach dem 2. Weltkrieg - mit direktem Bezug zur Evangelischen Akademie Haus Ortlohn. Die nämlich war Zeit ihres Bestehens ein Mitglied der „Nagelkreuzgemeinschaft“. Dabei handelt es sich mehr als 160 kirchliche Zentren und Gemeinden, denen für ihren besonderen Einsatz für Versöhnung und Frieden eine Nachbildung des Nagelkreuzes von Coventry verliehen worden war, das aus den Zimmermannsnägeln des Dachgebälks der durch einen deutschen Bombenangriff zerstörten Kathedrale der englischen Stadt geformt wurde.

Während der Zwist zwischen UWG-Piraten und AfD im Vorfeld der Sitzung für Unruhe gesorgt hatte, lenkte Dimitrios Axourgos (SPD) in der Ausschusssitzung den Blick auf den zweiten Straßennamen. Die Benennung einer Straße nach Annemarie Tzschachmann finden die besondere Unterstützung der Sozialdemokraten, betonte Axourgos, während sich auch Sprecher anderer Fraktionen vor der langjährigen Kommunalpolitikerin verbal verneigten. Der Vorschlag der FDP hingegen, aus Gründen der Schreibbarkeit den Namen auf Tzschachmann-Straße zu beschränken, wurde mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. „Wenn in Iserlohn schon einmal eine Straße nach einer Frau benannt wird (siehe Info-Kasten), dann sollten wir das auch durch die vollständige Nennung kenntlich machen“, so Linken-Ratsherr Manuel Huff, der sich indes nicht die Bemerkung verkneifen konnte, dass sich die Sozialdemokratin wohl „im Grabe umdrehen würde“ angesichts der geplanten Bebauung im Ortlohnpark.

Annemarie Tzschachmann, die am 15. Juli 1998 starb, war von 1955 bis 1970 Hausmutter der evangelischen Akademie Haus Ortlohn und von 1962 bis 1984 Mitglied des Rates der Stadt für die SPD sowie Fraktionsvorsitzende, stellvertretende Oberbürgermeisterin und Bürgermeisterin. Im Zuge der kommunalen Neuordnung nahm sie für die Stadt Iserlohn vom 1. Januar 1975 bis zum 15. Mai des Jahres in der parlamentslosen Zeit nach der Auflösung der Räte der Gemeinden als einzige Frau in Nordrhein-Westfalen die Funktion der „Staatskommissarin“ als „Beauftragte für die Wahrnehmung der Aufgaben des Rates und des Oberbürgermeisters“ wahr.

Eine Streiterin für Alte, Migranten und Obdachlose

Schwerpunkte ihres politischen Engagement lagen in dem Einsatz für Obdachlose und alte Menschen, auch die Integration von Migrantinnen und die Friedenspolitik standen für sie im Mittelpunkt. Für ihr soziales Engagement erhielt sie 1989 den Landesverdienstorden. Am 19. September 1995 wurde Annemarie Tzschachmann vom Rat einstimmig die Ehrenbürgerschaft verliehen.