Würden Klofrauen Missstände verhindern?

Alle drei Urinale in der Toilettenanlage am Schillerplatz sind defekt. Die  UWG-Piratenfraktion regt an, diese Toiletten aus hygienischen Gründen zu schließen und regt die Aufstellung eines behindertengerechten Containers an.
Alle drei Urinale in der Toilettenanlage am Schillerplatz sind defekt. Die UWG-Piratenfraktion regt an, diese Toiletten aus hygienischen Gründen zu schließen und regt die Aufstellung eines behindertengerechten Containers an.
Foto: Michael May IKZ
Was wir bereits wissen
Mit Beschwerden über Vandalismus und verdreckte Klos soll sich jetzt der Rat befassen. Denn die öffentlichen Toiletten stinken zum Himmel.

Iserlohn..  Verdreckte und marode städtische Sanitäranlagen mit verkoteten Klobrillen riefen jetzt die UWG-Piraten-Fraktion auf den Plan, die einen ausführlichen Beschwerdebrief an den Bürgermeister geschrieben hat. Das Thema soll bei der nächsten Ratssitzung am 17. Februar behandelt werden. Reinhard Jobs, stellvertretender Fraktionsvorsitzender, besuchte am vergangenen Samstag die öffentlichen WC-Anlagen. Sein Fazit: „Alle hier aufgeführten Anlagen sind einer Stadt mit etwa 100 000 Einwohnern nicht würdig.“ Der Iserlohner fordert ein Gremium, damit diese Missstände zeitnah in unserer Stadt beseitigt werden.

Am Mittwoch machte sich die Redaktion ebenfalls auf den Weg und fand seine Kritik keineswegs übertrieben. Erste Station am Markttag in der WC-Anlage am Schillerplatz. Sie sollte aus hygienischen Gründen geschlossen werden, meint Reinhard Jobs. Er schlägt statt dessen die Aufstellung eines behindertengerechten Containers auf.

Beißender Geruch bereits im Eingangsbereich. In der Männertoilette sind drei Urinale mit blauen Müllsäcken verpackt. „Ein unhaltbarer Zustand“, ereifert sich der Vorsitzende der Marktbeschicker Walter Kratz. Und setzt hinzu: „Meine Frau war am Samstag auf der Damentoilette. Die war beschissen. Als Vorsitzender der Marktbeschicker bin ich daran interessiert, dass die Toiletten funktionieren.“ Er erinnert sich an bessere Zeiten: „Vor Jahren saß da mal eine Toilettenfrau. Wir würden gerne 50 Cent dafür zahlen, wenn alles funktionieren würde und sie sauber wären.“

Auch die Reinigungskräfte stoßen an ihre Grenzen

Kratz bringt aber auch Verständnis für das angesichts der ständig wiederkehrenden Verunreinigungen überforderten Reinigungspersonal auf: „Die stoßen oft an ihre Grenzen.“ Kratz informierte am Mittwoch über den Marktmeister die Verantwortlichen bei der Stadt: „Ein Urinal war am Samstag schon kaputt, aber dass jetzt alle drei defekt sind, das geht gar nicht.“

„Wenn man pinkeln muss, nimmt man auch den strengen Geruch in Kauf“, kommentierte Manfred Weisen aus Altena den beklagten Zustand der Anlage. „Am Samstag war die erste Toilette vollgekackt. Das war bisher das allerschlimmste, was ich hier erlebt habe“, erinnert sich Ursula Kröner, Aushilfe bei Nölken auf dem Wochenmarkt: „Wie mag es bei den Verursachern wohl zu Hause aussehen?“ Zum ungepflegt erscheinenden Zustand der Schillerplatz-Toilette sagt Violetta Sobczyk: „Wenn man in Not ist, bleibt einem nichts anderes übrig. Ich habe gelernt, im Stehen zu pinkeln.“

Nächste Station Alter Rathausplatz: Außentür und Fenster der Toilettenanlagen stehen sperrangelweit offen. Drinnen schlägt uns ein beißender Ammoniakgeruch entgegen, dank der aufgedrehten Heizung bei gefühlten 24 Grad. Das zusammengewürfelte Mobiliar besitzt Sperrmüll-Charakter durch abgestoßene Ecken, verschlissene Polster, aus denen der Schaumstoff quillt. Auf dem Damenklo Blutspuren an einer Kloschlüssel und auf dem Boden.

Äußerlich macht die Toilettenanlage in dem Video-überwachten Stadtbahnhof einen guten Eindruck, auch wenn das Piktrogramm schon beschädigt ist. Im Vorraum prangt ein Zettel in Folie an der Wand mit dem Hinweis „Bitte die Toiletten sauber halten“, festgeklebt mit Paketband. Der Hinweis ist wohl nötig, wie der Iserlohner Karl-Heinz Frede aus seinen gelegentlichen Besuchen bestätigt, die er kopfschüttelnd so zusammenfasst: „Der Mensch ist ein Schwein!“ Der Rentner würde sich generell mehr Sauberkeit am Bahnhof wünschen.

Belüftung im Bahnhofs-WC ist eine einzige Katastrophe

UWG-Beschwerdeführer Reinhard Jobs hält zwei Toilettenkabinen an so exponierter Stelle für zu wenig. Er kritisiert auch die Belüftung als „einzige Katastrophe“, lose Toilettendeckel und fehlende Seife. Auch werden die Öffnungszeiten nicht immer eingehalten.

Den besten Eindruck in puncto Sauberkeit, Hygiene, Frischluft und Ausstattung machte bei unserem Rundgang die Behindertentoilette auf dem Marktplatz. Die von einem externen Betreiber unterhaltene Anlage ist kostenpflichtig. Sie verfügt über einen Notruf und über automatische Türöffner und alles, was der Nutzer erwarten kann. Das sieht auch Reinhard Jobs so. In seinem Brief schreibt er: „Das ist eine Toilette, wie man sie überall gerne haben möchte.“ Er lobt die angenehm warme Temperatur und die funktionelle Anlage und spricht sogar von einer angenehmen Atmosphäre, obwohl die Becken aus Edelstahl gefertigt sind.

Bei der Toilettenanlage am Seilersee empfängt uns im Damenbereich ein penetranter Urin-Gestank. Während eine Damentoilette über kein Papier verfügt, sind in den Nachbarkabinen sogar Ersatzrollen verfügbar. Der weiß geflieste Fußboden ist sowohl bei den Herren als auch den Damen stark verschmutzt. An Wänden finden sich außerdem Farbschmiererein von IEC-Ultras. Die Behindertentoilette ist abgeschlossen. Hinweise auf den Schlüssel gibt es nicht. Auch wenn das Gebäude äußerlich durch den gelbweißen Farbanstrich einen guten Eindruck macht, ist das WC keineswegs ein Aushängeschild für die Besucher des Naherholungsgebietes.

Was die Toilettenanlagen im alten Rathaus in Letmathe anbetrifft, kritisiert Reinhold Jobs nach seiner Tour fehlendes Papier und „einen beißenden Geruch von Ammoniak, obwohl es doch heute Möglichkeiten gibt, dieses zu verhindern“.