Wo Bastler auf ihre Kosten kommen

Als Leiter der Iserlohner TÜV Station hat Mark Jünger schon allerhand "Pfusch" gesehen.
Als Leiter der Iserlohner TÜV Station hat Mark Jünger schon allerhand "Pfusch" gesehen.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Mit Beginn der warmen Jahreszeit startet wieder die Hochsaison der Autoschrauber. Wir haben sie besucht und Rat von Kfz-Experten eingeholt.

Iserlohn..  Schrauberherzen schlagen höher, wenn sie vier Hebebühnen sowie eine Vielzahl von Geräten und Werkzeugen für die Autoreparatur entdecken. Ölwechsel oder eben das „Aufbocken“, um von unten einen Blick auf das Fahrzeug zu werfen – Hobbybastler können das zu Hause in der Regel nicht erledigen.

Im „Motodrom“, der Mietwerkstatt an der Bassestraße 1, geht es aber nicht nur um das reine Reparieren von Fahrzeugen, viele der Kunden kommen auch auf einen Plausch bei Tim Tüttelmann vorbei. Der 36-Jährige ist für sie Kummerkasten, Kumpel und natürlich auch ein guter Ratgeber. Er blickt zurück: „Wir haben im Fernsehen einen Beitrag über eine Mietwerkstatt gesehen, in der näheren Umgebung gab es keine.“ Das war vor mehr als elf Jahren, inzwischen vermieten Tüttelmann und seine beiden Mitstreiter nicht nur die Werkstatt, sondern zerlegen auch Autos der Marke Jaguar und verkaufen die entsprechenden Ersatzteile.

Einer der Kunden, die an diesem Vormittag an der Bassestraße zu Besuch ist, sagt: „So bin ich auch hier gelandet, ich habe einen alten Jaguar gekauft, hätte mir die Reparaturen niemals in der Fachwerkstatt leisten können.“ Inzwischen ist nicht nur der Jaguar auf Vordermann gebracht, der Mittfünfziger hat sich schrittweise in die Kfz-Reparatur eingefuchst, so dass er bereits Lackschäden und andere Schwierigkeiten an den Wagen der halben Familie behoben hat. Ismail Kühlali ist dagegen gerade mit den Reifen der Familienkutsche beschäftigt: „Ich bin immer dann hier, wenn etwas am Auto ist. Die Werkstatt ist mir einfach zu teuer, das können wir uns nicht unbedingt leisten.“

Für die Ratsuchendengibt es auch einen Tipp

Fünf Mal am Tag werden Ersatzteile, nicht nur für den Jaguar, geliefert, vom Ölfilter bis zur Glühbirne. Zu den häufigsten Arbeiten, die die Kunden hier erledigen, gehören Öl-, Luftfilter- und Zündkerzenwechsel, Reparaturen an Auspuff, Fehlerspeicher auslesen sowie Bremsen und vieles mehr. Tüttelmann sagt: „Viele kommen auch vor dem TÜV-Termin um zu schauen, was noch gemacht werden muss. Oder vor dem Gebrauchtwagenkauf.“ Wer einen Tipp benötigt, dem wird unter die Arme gegriffen. Auch wenn Tüttelmann manchmal lieber wegschaut, wenn so mancher seine Schrauberqualitäten überschätzt. „Beispielsweise hat einer hier einmal einen Sportauspuff unter einen Nissan 350z gebaut. Man dachte, die Welt geht unter, wenn man ihn gehört hat. Kurze Zeit später hat der Kunde das Ganze wieder zurückgebaut“, sagt der Fachmann. Ebenso erlebt hat er es bereits, dass ein Bastler einen Ölwechsel vornehmen wollte, die Ablassschraube vergessen hatte, und dann nicht bemerkte, wie die Lache unter dem Auto immer größer wurde. „Zu den größten Irrtümern gehört es, einen kaputten Motor ausbauen zu wollen – meist bekommen die Kunden den neuen dann nicht mehr eingebaut“, so der Auto-Experte.

Auch Ältere sindgern gesehene Gäste

Während das älteste Fahrzeug, das je im „Motodrom“ auf der Hebebühne stand, ein Mercedes Baujahr 1949 ist, hat der älteste Kunde noch mehr Jahre auf dem Buckel, wie Tüttelmann weiß. „Einer ist über 80, aber total fit.“ Frauen sind eher als Zuschauerinnen zu Gast, doch einen Tag wird der Werkstatt-Vermieter nicht vergessen – nämlich den, als alle Hebebühnen gleichzeitig von Kundinnen belegt waren. „Das war schon außergewöhnlich.“

„Gegen einfache Schraubereien ist nichts einzuwenden“, sagt Mark Jünger, Leiter der TÜV-Station Iserlohn. Jedoch sieht er in seinem Arbeitsalltag häufig „Dinge, die so nicht gewollt sind“. Was der Experte hier noch sehr diplomatisch umschreibt, kann mitunter Lebensgefahr bedeuten. So wurde ihm beispielsweise ein Auto präsentiert, bei dem nachträglich eine Gasanlage eingebaut wurde. Soweit noch nichts Verwerfliches. Allerdings war es ein Modell „Marke Eigenbau“: Im Kofferraum lag eine herkömmliche Gasflasche, die mittels einer abenteuerlichen Leitungslösung mit dem Motor verbunden war. Keine Frage, dass dieser Wagen sofort still gelegt wurde. Gerne, so Jünger, würden die Bastler auch im Karosseriebereich Hand anlegen. „Da wird Bauschaum hineingesprüht, betoniert. . .“, nennt der Experte nur einige Negativbeispiele, die er regelmäßig zu sehen bekommt.

„Es gibt solche und solche unter den Schraubern“, weiß der TÜV-Stations-Leiter. Während die einen durchaus talentiert seien, sind andererseits „Menschen dabei, die sich an Dinge heranwagen, von denen sie besser die Finger lassen würden.“ Das betreffe beispielsweise Bremsen, Fahrwerk oder Lenkung. „Bei neueren Fahrzeugen ist es zum Beispiel nicht möglich, einfach die Bremsbeläge zu wechseln, aber das wissen viele nicht. Selbst wir wissen einiges nicht“, so Jünger. Seine Erfahrung zeigt, dass nicht „jedermann von Geburt an“ ein begnadeter Schrauber ist, dieser Fehlschluss ziehe sich durch alle Generationen. Wird ein Problem bei der Hauptuntersuchung erkannt, so waren es meist gute Bekannte oder Nachbarn – aber nie der Halter selbst.

Internethandel machtden Markt kaputt

Ein großes Problem sieht Mark Jünger auch im Internethandel, wo häufig minderwertige Zubehörteile angeboten werden. „Auch hier bewegen wir uns im sicherheitskritischen Bereich, denn einige Ersatzteile haben überhaupt keine Genehmigung.“ Wenn das Objekt der Begierde deutlich unter dem Preis eines seriösen Händlers liege, sollte der Käufer ins Grübeln kommen. Genau so sieht es auch Ulrich Schneider, Inhaber des gleichnamigen Autoteile-Geschäftes. „Leider herrscht weiter die ,Geiz ist geil’-Mentalität vor“, erklärt er. Seit drei Jahren gibt es in seinem Unternehmen auch eine Kfz-Werkstatt, wo es immer wieder gruselige Geschichten mit Billigteilen zu sehen gibt.

Ulrich Schneider sagt: „Der Markt ist schwer geworden, insbesondere durch das Internet.“ Er rät grundsätzlich dazu, Preise zu vergleichen. Jedoch nicht die von Ersatzteilen aus dem Internet, sondern die der Werkstätten. Viele Schwarz-Schrauber seien unterwegs, allerdings würden sie zum Teil höhere Preise verlangen, als freie Werkstätten. Was in seinem Geschäft weiterhin zu den Rennern gehört, sind Verschleißteile und dabei insbesondere die Filter. „Ansonsten ist die private Schrauberei zurückgegangen, weil die Autos immer komplizierter werden. Für viele Arbeiten benötigt man Spezialwerkzeuge“, so Schneider, der auch im Tuningbereich einen Rückgang ausmacht. „Autos sind eben heute keine Prestigeobjekte mehr.“