„Wir wollen keine Hinterhof-Moschee“

Sultan Mohammad (v. l.), Saadat Ahmed und Besharat Mehmood wollen für die Ahmadiyya-Gemeinde keine „Hinterhof-Moschee“, sondern einen offenen Ort, an dem sie gefunden werden können.
Sultan Mohammad (v. l.), Saadat Ahmed und Besharat Mehmood wollen für die Ahmadiyya-Gemeinde keine „Hinterhof-Moschee“, sondern einen offenen Ort, an dem sie gefunden werden können.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Die Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinde feiern am 9. Juni Grundsteinlegung am Barendorfer Bruch.

Iserlohn..  „Wir sind friedlich, wir wollen uns öffnen, wir wollen alle unsere Nachbarn kennen lernen“: Das sind Worte, die wiederholt fallen, als Sultan Mohammad (Pressesprecher), Saadat Ahmed und Besharat Mehmood (Vorsitzender der Jugendgruppe) zum Gespräch im Wichelhovenhaus zu Gast sind. Sie erleben zurzeit besondere Wochen und Monate, denn schließlich wird am Barendorfer Bruch etwas Realität, von dem ihre Ahmadiyya-Gemeinde seit Jahren träumt: eine eigene Moschee. Am 9. Juni feiern die 110 Mitglieder die Grundsteinlegung.

2010 wurden die Pläne mitdem Grundstückskauf konkret

In den 80er-Jahren gründete sich allmählich eine Iserlohner Ahmadiyya-Gemeinde, gemeinsam mit Gläubigen aus Menden. Im Laufe der Zeit wurde der Wunsch immer stärker, eine Heimat für die Gemeinde, eine eigene Moschee, zu gründen. 2010 wurde das mit dem Grundstück am Barendorfer Bruch konkreter. Bislang finden die Veranstaltungen der Monatsprogramme in Räumen des Jugendzentrums in der Iserlohner Heide statt, die Freitagsgebete überwiegend in Privaträumen und in kleineren Gruppen. „Es ist wichtig, dass wir einen Platz haben, um uns zu treffen“, sagt Sultan Mohammad. Man habe sich bewusst für Barendorf entschieden. „Wir wollten keine dunkle Hinterhof-Moschee, wo uns keiner sieht und keiner findet“, so Mohammad.

Mit dem „Öffnen“ meinen es die Ahmadiyya-Vertreter offenbar Ernst. Nach der Eröffnung planen sie einen Tag der offenen Tür, zu dem jeder eingeladen ist. Es soll regelmäßige Führungen geben, etwa für Schulklassen. Aber auch im Alltag stehe man immer für Besucher offen. Die Moschee werde ein Ort des Gebets, aber auch des interreligiösen Dialogs sein. Schon heute gibt es Kontakte, etwa zur evangelischen Kirche. Auch das Verhältnis zu anderen muslimischen Gruppierungen sei unkompliziert, berichten die Ahmadiyya-Vertreter.

Als die Moschee-Pläne am Barendorfer Bruch publik wurden, formierte sich Widerstand in der Bevölkerung, insbesondere im Umfeld des Standortes. Das habe nicht überrascht, ähnliche Erfahrungen habe man auch an anderen Orten gemacht, sogar in Berlin, als dort eine neue Ahmadiyya-Moschee gebaut wurde. Inzwischen, so Sultan Mohammad, habe sich die Situation beruhigt. Man sei sich auch darüber im Klaren, dass die ständigen Schlagzeilen, die der islamistische Terror produziert, Menschen in Deutschland beunruhige und für Vorbehalte gegenüber dem Islam sorge. „Wir aber sind eine durch und durch friedfertige Organisation und verurteilen Gewalt im Namen des Islam in jeder Beziehung“, sagt Mohammad. Davon wolle man auch die Iserlohner überzeugen.

Gerne betonen die Ahmadiyyas, dass sie besonderen Wert auf Bildung legen. So liege die Abiturquote deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Frauen und Männer seien gleichwertig, deshalb stehe auch bei Ahmadiyya-Frauen Bildung hoch im Kurs. Weltweit sei Ahmaddiya eine multikulturelle Gemeinschaft und in mehr als 200 Ländern vertreten. In Iserlohn sind die Mitglieder überwiegend pakistanischer Herkunft. Längst hat eine große Mehrheit von ihnen die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen, viele gehören der zweiten Generation an. Saadat Ahmet betont: „Wir sind loyal zum deutschen Staat!“

Einen eigenen Imam wird die Iserlohner Gemeinde übrigens nicht bekommen. Den müssen sie sich weiterhin mit anderen Gemeinden teilen, die dazugehörige Region reicht bis ins Rheinland. Stolz sei man darauf, dass die Imame inzwischen auch in Deutschland ausgebildet werden und sie auch Deutsch sprechen müssen. Fünf Mal am Tag beten die Ahmadiyyas, nach Möglichkeit in der Gemeinschaft und idealerweise in der Moschee. Wenn der Imam nicht vor Ort ist, leitet der Präsident Rauf Ahmed die Zusammenkünfte.

Finanzierung unter anderem durch Spenden

Der Bau einer eigenen Moschee ist natürlich eine finanzielle Herausforderung. Es gebe wechselseitige Finanzbeziehungen zur Frankfurter Zentrale, „über die Jahre werden es aber die Mitglieder vor Ort sein, die das Projekt finanzieren. Die Spendenbereitschaft bei den Ahmadiyyas sei sehr groß, so Mohammad.

Die Freude auf die Moschee ist groß, man hofft, dass sie noch in diesem Jahr bezugsfertig wird. Die offizielle Eröffnung dürfte 2016 anstehen. Und dann soll gefeiert werden. „Iserlohn ist eine sehr tolerante Stadt“, Saadat Ahmed ist sich daher sicher, dass man dann nicht unter sich bleiben wird.