"Wir wollen in Iserlohn investieren"
24.02.2009 | 16:59 Uhr 2009-02-24T16:59:00+0100
Iserlohn. Für traditionsbewusste Iserlohner ist es eine wohl höchst erfreuliche Nachricht: Das B&U-Kaufhaus an der Unnaer Straße wird im Herbst dieses Jahres eine neue Fassadengestaltung erhalten.
„Neu” beudetet in diesem Fall allerdings einen Schritt zurück in die Vergangenheit. „Wir werden die Eloxal-Elemente entfernen lassen, um so die ursprüngliche Steinfassade und den Eingang des Hauses wieder sichtbar zu machen”, berichtet Eigentümer Gerd Heutelbeck im Gespräch mit unserer Zeitung. Nicht die einzige Nachricht, die der Kaufmann dieser Tage präsentieren kann.
Denn während das Haus B&U äußerlich auf Tradition setzt, findet im Inneren eine kleine „Revolution” statt. Zum 1. April übernimmt mit Kirstin Opris erstmalig in der 137-jährigen Geschichte des Unternehmens eine Frau die Leitung des operativen Geschäfts, während der bisherige Geschäftsführer Kurt Westen seinen Arbeitsschwerpunkt auf die weitere Expansion der Heutelbeck-Kette „Delu” legen wird. Erst vor drei Jahren in Iserlohn gegründet, zählt „Delu” heute bereits 21 über das gesamte Bundesgebiet verteilte Filialen.
Während die Ratsfraktionen und die Spitzen der Verwaltung mit Blick auf die Innenstadt gegenwärtig gebannt und weitgehend machtlos auf die weitere Entwicklung rund um den Schillerplatz blicken, arbeitet Gerd Heutelbeck derweil weiter an der Aufwertung des Stadtquartiers rund um die Wasserstraße. Das jüngste Projekt: Der Erwerb und die Umnutzung des ehemaligen Prozellanhauses Weber. In dem Gebäude werden nach einem Umbau und einer Neugestaltung der Fassade im Sommer zwei Herrenmoden-Geschäfte einziehen. „Wir möchten eben nicht nur unser Stammhaus stärken, sondern auch das Umfeld mitnehmen”, sagt „Quartiers-Vater” Heutelbeck, der in diesem Zusammenhang auch die Investitionen seines Kollegen Dietrich Berkenhoff und die Erweitertung des Saturn-Marktes als echtes Pfund für den Standort wertet.
Weniger erfreut ist der Iserlohner Gerd Heutelbeck indes über die Fixierung von Politik und Rathaus auf den Schillerplatz und das Warten „auf den uns alle glücklich machenden Investor von außen”. Die gegenwärtig in Rede stehende Investition über 140 Millionen Euro für ein Einkaufszentrum hält der Kaufmann für absolut überdimensioniert und unverhältnismäßig. „Wenn man nicht nur laut ,Hurra' schreien würde und diese Summe einmal aufschlüsselt und ausrechnet, wieviele Quadratmeter Nutzfläche dort dann tatsächlich entstünden, dann kommt man sehr schnell zu dem Ergebnis, dass dieses Projekt für den Rest der Innenstadt verheerende Folgen haben wird.” Auf der anderen Seite indes würden die Iserlohner, die Geld in die Hand nehmen, um in ihre Stadt zu investieren, kaum mehr Beachtung finden bei Politik und Rathaus-Spitze. „Das wird wohl mittlerweile als Normalität wahrgenommen und als nicht weiter beachtenswert angesehen. Da ist in den letzten Jahren leider sehr viel Gesprächskultur verloren gegangen.”
Vorerst auf Eis gelegt hat Gerd Heutelbeck den Bau des Triangel-Hauses auf dem Grundstück am Bahnhofs-Kreisverkehr. Die Idee, dort ein Gesundheitshaus zu errichten, ließ sich aufgrund der Rahmenbedingungen im medizinischen Sektor letztlich nicht realisieren. „Im Moment fehlt uns einfach die tragfähige Idee, wie wir dieses Haus erfolgreich mit Leben füllen könnten”, so Heutelbeck, der auf keinen Fall „Büros bauen will, die die Welt nicht braucht”. Sollte sich aber ein Ansatz ergeben, der in das Bahnhofsumfeld passt, steht Gerd Heutelbeck einer kurzfristigen Realisierung des Triangel-Hauses positiv gegenüber: „Wir wollen in Iserlohn investieren.”
15:47
Durch so Leute wie @Trumper ist die Wirtschaftskrise entstanden.
21:26
Schön, dass es noch Leute mit Geschmack in Iserlohn gibt, es sollten viel mehr alte Häuser erhalten werden, es würde gerade der Innenstadt nicht schaden.
@Trumper: sie schreiben auch zu jedem Thema ihre Kommentare, haben sie sonst nichts zu tun?
16:53
Lieber Bogus_Trumper,
die Erkenntnisse entnahm ich dem Finanzteil meiner überregionalen Tageszeitung. (Die berichten gerne mal über Aktivitäten von Immobilienfonds und die Büro-Leerstände in Großstädten.) Etwas Leerstand in Essen? Bei meinem letzten Besuch dort hatte ich dort einen ganz anderen Eindruck. Aber zurück nach Iserlohn: Herr Heutelbeck weiß, was er tut. Wenn er Chancen sieht, dann nutzt er sie. Respekt!
16:25
Lieber Don_Alfredo,
mich würde interessieren, wo Sie Ihre Erkenntnisse her haben? Schauen Sie doch bitte nur einmal in die nähere Umgebung und denken Sie sich die Wirtschaftskrise weg (denn auch die geht mal vorüber). Und was sehen Sie? In Dortmund: Viele neue Bürohäuser und kaum Leerstand, in Bochum: Viele neue Bürohäuser und fast kein Leerstand, in Essen: Viele neue Bürohäuser und etwas Leerstand. Zeigt das denn, dass Büroflächen nicht gebraucht werden? Und wo sollen denn die Wissensdienstleister, Forscher und Denker der Zukunft arbeiten? Zuhause werden sie es auf jeden Fall nicht tun, das haben ausreichende Versuche in der Vergangenheit gezeigt. Und was glauben denn Sie, zeichnet die Arbeit der Zukunft aus? Bestimmt nicht Produktion, Verkauf und Handwerk.
15:52
Lieber Bogus_Trumper,
in den Großstädten stapeln sich die leeren Büros und auch in Iserlohn dürfte man problemlos jede Menge freie Flächen finden. Dass Herr Heutelbeck da keine neuen Büros auf Verdacht bauen will, ist doch sehr schlüssig. Welcher Existenzgründer baut sein Unternehmen denn in repräsentativen Neubau-Büros auf? Die Arbeitsplätze der Zukunft entstehen nicht in schönen (teuren) Büros, eher ist das Gegenteil der Fall.
12:16
Hut ab vor Herrn Heutelbeck. Er scheint sich ja wirklich um Iserlohn zu sorgen. Und das ist gut so. Der Wehmutstropfen in seinen Worten liegt aber leider in der traditionellen Behaftung auch im Geiste. Zu behaupten, dass am Bahnhof keine Büros entstehen sollen, die die Welt nicht braucht zeugt schon von ziemlicher Ignoranz der Bedürfnisse moderner Menschen. Andere Städte sind schließlich (trotz einiger Leerstände) extrem erfolgreich mit modernen und auch ansehnlichen Bürogebäuden. Dort werden Arbeitsplätze der Zukunft geschaffen, in Iserlohn leider nicht.
01:20
Absolut lobenswert!
In Iserlohn wurde schließlich schon gute Architektur zerstört ! Schön, dass hier mal ein kleines Stück Historie zurückkommt!