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Wilhelm Morgner: Ein fanatisch Suchender

19.02.2010 | 17:23 Uhr
Wilhelm Morgner: Ein fanatisch Suchender

Iserlohn. Mit Wilhelm Morgner zeigt die Städtische Galerie ab Sonntag einen herausragenden Verteter des deutschen Expressionismus, der als fanatisch Suchender mit sich und seiner Kunst kämpfte.

1891 hineingeboren in die kleinbürgerliche Gesellschaft im westfälischen Soest, sucht der eigenwillige junge Mann seinen ganz eigenen Weg. Ermutigt durch die Fürsprache Otto Modersohns, ebenfalls gebürtiger Soester und Mitbegründer der Malerkolonie Worpswede, tritt er 1908 in die private Kunstschule Georg Tapperts in Worpswede ein. Tappert sollte bis an Morgners viel zu frühes Ende Mentor und guter Freund bleiben. Und sein Lehrer ist es auch, der ihn mit der Kunstszene vertraut werden lässt. Und so entscheidet sich Morgner schon 1909, als freier Maler tätig zu sein. Zu diesem Zeitpunkt sind seine Werke sehr realistisch und in der Stimmung schwer und dunkel. Bei Reisen nach Berlin kommt er in Kontakt mit zeitgenössischen Strömungen, wie dem Pointillismus und dem Futurismus, aber auch Werken aus der Schule von Barbizon. Sicherlich ließ er sich auch durch die Werke von van Gogh und des frühen Expressionismus inspirieren. 1912 gerät er durch Franz Marc in den Umkreis des „Blauen Reiters”, im Sommer ist er mit einem Werk auf der berühmten „Sonderbund”-Ausstellung in Köln vertreten.

Doch einer Künstlervereinigung hat sich Morgner, dessen Lebensmittelpunkt weiterhin Soest blieb, nie angeschlossen. Der exzentrische Mann, der in über 80 Zeichnungen auf der Suche nach dem eigenen Ich ist, stößt in seiner Heimatstadt auf offene Ablehnung. Kein Selbstporträt gleicht dem anderen, oft stellt sich Morgner älter dar als er ist, verleiht sich sogar die Gesichtszüge von Rembrandt und van Gogh. Aber Morgner skizziert in seinen ersten Schaffensjahren auch Mitmenschen, zeigt sie bei der Arbeit auf dem Feld.

Ab 1911 ändert sich Morgners Stil, er sucht die Vereinfachung von Form und Raum, gibt der Linie eine stärkere Bedeutung. Immer abstrakter werden seine Bildfindungen, wenden sich auch dem Surrealen zu. Morgner ist auf dem Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens, als er 1913 zum Militärdienst eingezogen wird. Im ersten Weltkrieg dient er in Frankreich, Polen und Serbien. Trotz dieses für ihn traumatischen Erlebnisses, denn er kämpft auch an vorderster Front, gelingt es ihm weiterhin zu zeichnen. Seine Themenwelt wird dabei wieder realistischer, er wendet sich biblischen Themen und mytholgischen Kampfdarstellungen zu. 1917 fällt Morgner 26-jährig in der Langermarck bei dem Versuch, sich der Gefangennahme durch englische Soldaten zu widersetzen. Viel zu früh, wie viele seiner Künstlerkollegen.

In nur acht Jahren künstlerischen Schaffens hat Morgner mehr als 200 Gemälde und annähernd 2000 graphische Arbeiten geschaffen.

Eröffnet wird die Ausstellung „Wilhelm Morgner - Ich und die Anderen - Zeichnungen des Expressionismus” am Sonntag, 21. Februar, um 11 Uhr. Die Einführung erfolgt durch Klaus Kösters vom LWL-Museumsamt in Münster, der die Iserlohner Ausstellung auch kuratiert hat. Den musikalischen Rahmen für die Eröffnung steuert das Werner Geck Trio bei.

Ulrich Steden

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