Wildernde Hunde werden zum Problem

Was viele Besitzer vergessen: Hunde haben einen ausgeprägten Jagdinstinkt und können freilaufend schnell großen Schaden anrichten.
Was viele Besitzer vergessen: Hunde haben einen ausgeprägten Jagdinstinkt und können freilaufend schnell großen Schaden anrichten.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
13 Tiere wurden binnen vier Wochen getötet, auch Spaziergänger beschweren sich über Hundeeigentümer. Nun appelliert Försterin Julia Borghoff an die Besitzer.

Iserlohn..  Acht tote Stück Wild, viele davon trächtig, insgesamt 13 Tiere verendet – so lautet die niederschmetternde Bilanz der Rundgänge von Stadtförsterin Julia Borghoff durch den Iserlohner Wald binnen der vergangenen vier Wochen. „An den Spuren lässt sich klar ablesen, dass wildernde Hunde die Tiere getötet haben“, sagt Borghoff. „Das ist eine neue Qualität, so viele Funde hatten wir sonst im ganzen Jahr nicht.“ Lediglich zwei bis drei Tiere würden sonst Hunden zum Opfer fallen.

Offenbar ignorieren immer häufiger Bürger die Anleinpflicht für ihre Hunde außerhalb der Wege im Wald. Während der aktuell und noch bis Juni laufenden Setz- und Brutzeit von Wild ist dies fatal, sind doch vor allem Jungtiere im Unterholz ein leichtes Opfer für wildernde Hunde.

Tatbestand der Wilderei auch ohne Schaden bereits erfüllt

Weiteres Problem aus Sicht der Försterin: „Die Leute lassen sich nichts sagen, reagieren teils aggressiv, wenn man darum bittet, Hunde anzuleinen.“ Tenor vieler Halter: „Kann nicht sein, mein Hund macht sowas nicht.“ Dabei könne ein Hund bereits während weniger Sekunden, die er außerhalb des Sichtfeldes der Besitzer im Unterholz unterwegs ist, großen Schaden anrichten, sagt Borghoff.

Was viele Hundeeigentümer zudem nicht wissen: Sobald ein Hund ohne Leine der Spur eines Wildtiers nachgeht, erfüllt dies den Tatbestand der Wilderei, auch wenn das aufgespürte Tier überhaupt nicht zu Schaden kommt. Das Laufen außerhalb der Wege ist grundsätzlich nicht gestattet und eine Ordnungswidrigkeit.

Fehlverhalten von Hundebesitzern gibt es offenbar aber nicht nur im Stadtwald. Am Dienstag wurde auf einer Wiese nahe dem Friedhof in Barendorf ein Schaf Opfer eines frei laufenden Hundes. Es sei der erste Vorfall dieser Art gewesen, sagt Schäfer Heinz-Dieter Schulte-Höppe, dessen Schafe hier seit zehn Jahren stehen. „Wenn man die Hundebesitzer anspricht, erntet man stets nur ein müdes Lächeln.“ Schulte-Höppe hat nun Anzeige gegen Unbekannt gestellt.

Auch im sozialen Netzwerk Facebook monieren viele Bürger das Verhalten einiger Hundebesitzer: „Unverantwortlich.“ Und: „Ich bleibe auf unserem eingezäunten Grundstück, da weiß ich, dass unsere Hunde nicht gebissen werden.“ Viele Hundebesitzer verteidigen sich aber auch: „Ich kenne meinen Hund.“ Dazu ein anderer Nutzer: „Das kann 1000 Mal gut gehen, was nützt das aber, wenn ,Waldi’ beim 1001. Mal zubeißt.“

Theoretisch kann das Fehlverhalten von Hundebesitzern im Wald zur Anzeige gebracht werden. Bislang hat Försterin Julia Borghoff darauf aber verzichtet: „Ich möchte aber an die Leute appellieren, vernünftig zu sein. Hunde gehören im Wald an die Leine.“