Werben um Investitionen im südlichen Afrika

Je drei Botschafterinnen und Botschafter bzw. deren Vertreter aus weiteren fünf SADC-Staaten trafen sich mit den Unternehmern beim Märkischen Arbeitgeberverband.
Je drei Botschafterinnen und Botschafter bzw. deren Vertreter aus weiteren fünf SADC-Staaten trafen sich mit den Unternehmern beim Märkischen Arbeitgeberverband.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Botschafter aus elf SADC-Staaten besuchten zwei Tage lang auf Einladung von Dagmar Freitag die Region.

Iserlohn/Hemer..  Der Zeitpunkt ist Zufall, könnte aber kaum besser gewählt sein: Knapp zwei Wochen, nachdem 26 afrikanische Länder beschlossen haben, die drei Handelszonen der „Southern African Development Community“ (SADC, übersetzt: Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrikas), der „East African Community“ (EAC, Ostafrikanische Gemeinschaft) und des „Common Market for Eastern and Southern Africa“ (Comesa, Gemeinsamer Markt für das Östliche und Südliche Afrika) in der gemeinsamen Freihandelszone TFTA zusammenzuführen, haben Botschafter bzw. ihre Vertreter aus elf SADC-Ländern in den vergangenen beiden Tagen auf Einladung von Dagmar Freitag die Region besucht.

Geschäftskontakte bislang verschwindend gering

Welche Chancen auch für Investoren in dem – nach der erfolgreichen Ratifizierung des Vertrags in den kommenden beiden Jahren – gemeinsamen Markt mit 632 Millionen Menschen und einem derzeitigen Bruttoinlandsprodukt von rund 900 Milliarden Euro liegen, war eines der Themen beim Treffen mit mittelständischen Unternehmern im Haus des Märkischen Arbeitgeberverbandes (MAV) an der Erich-Nörrenberg-Straße. „Es ist sinnvoll, den Blick auch auf den afrikanischen Kontinent zu werfen, und zwar nicht nur für Exporte“, warb Dagmar Freitag, die seit kurzem den Vorsitz der Parlamentariergruppe der SADC innehat.

„Es ist wichtig, Gespräche zu führen, ihre Länder kennen zu lernen und Verbindungen aufzubauen“, betonte auch der MAV-Vorsitzende Horst-Werner Maier-Hunke. Bislang beschränken sich die Geschäftskontakte in der Regel auf Südafrika und sind in die übrigen SADC-Staaten (Angola, Botsuana, Demokratische Republik Kongo, Lesotho, Madagaskar, Malawi, Mauritius, Mosambik, Namibia, Seychellen, Sambia, Simbabwe, Swasiland und Tansania), wenn überhaupt vorhanden, verschwindend gering, wie beispielsweise Maximilian Gantenbrink von BEGA-Leuchten aus Menden berichtete.

„Die SADC-Staaten sind ein zuverlässiges Investitionsumfeld“, stellte die Botschafterin von Lesotho, Matlotliso Lineo Lydia Ntoane, mit Blick auf politische Stabilität, demokratische Prinzipien und „robuste rechtliche Rahmenbedingungen“ fest. Weniger stabil ist allerdings vielerorts immer noch die Stromversorgung. Für Abhilfe bei dem, wie eingeräumt wurde, „wirklich großen Problem“ soll unter anderem jetzt ein Vertrag mit der Essener STEAG sorgen.

Interesse an Fachhochschule und dualer Ausbildung

Großes Interesse hatte die Botschaftergruppe auch an der sehr guten Zusammenarbeit zwischen den heimischen Unternehmen und der Fachhochschule Südwestfalen, die, so Dagmar Freitag beim Besuch dort, „ein wesentlicher Beitrag zum Erfolgsrezept Südwestfalen“ sei. Horst-Werner Maier-Hunke bot in seiner Funktion als Vorsitzender des Hochschulrates dann auch an, zu Vereinbarungen zwischen der FH und SADC-Ländern beizutragen. Und nach dem Besuch der SIHK-Lehrwerkstatt in Hemer soll es weitere Gespräche auch zum dualen Berufsausbildungssystem geben, das die Gruppe ebenfalls sehr stark interessierte. Erstaunt zeigten sie sich dann über die Intensität der körperlichen Arbeit bei den Thiele-Kettenwerken, die zum Abschluss besichtigt wurden. „Das hat sie am meisten beeindruckt, hatten sie doch bei uns in Deutschland bislang mehr das Bild der ,Weißen-Kragen’-Berufe und Jobs im Dienstleistungsbereich vor Augen“, berichtete Ulrich Thiele.