Wenn Jürgen Maag spricht, hört auch der Minister zu

Keine Ausnahme für den Landtagsabgeordneten, den Bürgermeister und den Finanzminister: Ebenso wie Firmengründer Jürgen Maag (3.v.li.) mussten sich  Michael Scheffler, Dr. Peter Paul Ahrens und Norbert Walter-Borjans beim Rundgang durch die Produktion der betriebsinternen Bekleidungsvorschriften unterwerfen.
Keine Ausnahme für den Landtagsabgeordneten, den Bürgermeister und den Finanzminister: Ebenso wie Firmengründer Jürgen Maag (3.v.li.) mussten sich Michael Scheffler, Dr. Peter Paul Ahrens und Norbert Walter-Borjans beim Rundgang durch die Produktion der betriebsinternen Bekleidungsvorschriften unterwerfen.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
NRW-Finanzminsiter Norbert Walter-Borjans besuchte am Mittwoch gemeinsam mit Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens und dem SPD-Landtagsabgeordneten Michael Scheffler den Iserlohner Folienverarbeiter Maag.

Iserlohn..  Das war ein Ministerbesuch der ungewöhnlichen Art. Anstatt seinen Aufenthalt in Iserlohn dazu zu nutzen, Werbung für die Landesregierung, seine Finanzpolitik und den Kampf gegen Steuerhinterziehung zu machen, hörte Norbert Walter-Borjans fast zwei Stunden lang konzentriert und gebannt zu. Kurz vor seinem eigenen Urlaub hatte es den NRW-Finanzminister im Rahmen seiner Besuchstour nordrhein-westfälischer Unternehmen und Finanzämter am Mittwoch zum Folienverarbeiter Maag an der Iserlohnerheide geführt. Dort, im Konferenzzimmer des Unternehmens, erfüllte sich durch die Begegnung mit Firmengründer Jürgen Maag wohl auch der größte Wunsch des Ministers, bei seiner Rundreise auf Unternehmer zu treffen, die kein Blatt vor den Mund nehmen bei der Beschreibung ihrer eigenen Situation.

„Wir haben enorm viele Mittelständler in Nordrhein-Westfalen, die ,hidden champions’ sind,“ weiß der Finanzminister um die Stärke gerade auch der Wirtschaft in Südwestfalen. Eben ein solcher „versteckter Champion“ ist auch der Iserlohner Betrieb, der von Jürgen Maag vor 33 Jahren nahezu über Nacht und nach einem Besuch bei „Lego“ in Dänemark gegründet worden ist. Weil sein damaliger Arbeitgeber den eigenen Betrieb schließen wollte, setzte der gelernte Starkstromelektroniker alles auf eine Karte, bot dem Spielwarenkonzern als Alternative an, künftig sein Verpackungslieferant zu sein - und bekam den Zuschlag per Handschlag. Eine für beide Seiten höchst erfolgreiche Verbindung, die heute immer noch besteht.

Durchhaltevermögen und unbändiger Wille sind nötig

Woher aber sollte der damals 33-Jährige die Mittel für die kostspielige Gründung in seiner Heimatstadt Iserlohn bekommen? Die Geschäftsbanken schickten ihn nach Hause, einzig die Sparkasse erklärte sich bereit, Jürgen Maag zu unterstützen. Auch diese Verbindung hält seither, „und sie wird wenigstens solange halten, solange ich hier etwas zu sagen habe.“ Mit fünf Mitarbeitern gelang die Gründung, heute beschäftigt der Folienverarbeiter, der seinen Schwerpunkt in der Lebensmittelverpackung hat, etwa 130 fast alle im eigenen Betrieb ausgebildete Mitarbeiter in der Produktion und der Verwaltung . „Ich werde oft gefragt,. wie man ein Unternehmen gründet. Genau weiß ich es nicht, aber ich weiß, dass man dafür einen langen Atem, Durchhaltevermögen und einen unbändigen Willen braucht“, so Jürgen Maag, der nach eigenen Angaben und wohl sehr zum Wohlgefallen des Ministers „seit 33 Jahren Steuern zahlt und dies auch gerne tut, „weil das zeigt, dass wir Gewinn machen“.

Probleme hat die Firma Maag dann auch weniger mit den Finanzämtern, sondern mehr mit der Rohstoffbeschaffung. „Die Petrochemie wandert aus Europa ab, wir müssen aus externen Bereichen zukaufen, teilweise aus Drittländern, wobei wir noch durch Zollabgaben bestraft werden“, sagt der Unternehmer, der es immer noch nicht fassen kann, dass in Deutschland entwickelte Technologie in ihrer Heimat keine Zukunft mehr hat. Maag selbst indes hat durchaus Zukunft, gibt sich der Inhaber zuversichtlich. „Nach einer Umstrukturierung vor fünf Jahren bin ich sehr optimistisch mit Blick auf die nächsten 10 bis 15 Jahre.“ So optimistisch sogar, dass er sogar einem Neubau auf der grünen Wiese zustimmen würde. „Ich bin dazu bereit“, signalisierte der 67-Jährige am Mittwoch auch gegenüber Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens, der den Finanzminister gemeinsam mit dem Landtagsabgeordneten Michael Scheffler bei dem Firmenbesuch begleitet hatte.