Weit mehr als nur Handel

Gerd und Felix Heutelbeck, B&U
Gerd und Felix Heutelbeck, B&U
Foto: Michael May IKZ
Internethandel, Nahversorgungszentren und Fachmärkte in den Vororten: Damit die Innenstadt trotz des Verlusts ihrer Funktion als Hauptversorgungszentrum weiterhin attraktiv bleibt, müssen heute die richtigen Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt werden, glaubt Unternehmer Gerd Heutelbeck. Einer seiner Ansätze: Die Attraktivierung des Stadtkerns zu Wohnzwecken.

Iserlohn..  Das Kaufhaus B&U ist auch 140 Jahre nach seiner Eröffnung eine der tragenden Säulen des Iserlohner Einzelhandels. Für Inhaber Gerd Heutelbeck aber ist das Traditionsgeschäft an der Unnaer Straße nur eines der Puzzlestücke, aus denen sich das Gesamtbild seiner unternehmerischen Aktivitäten zusammensetzt. In der Waldstadt setzt der Kaufmann schon seit vielen Jahren auf den gezielten Erwerb innerstädtischer Immobilien, um seine ganz persönlichen Vorstellungen von Stadtentwicklung vorantreiben zu können. In dieser Rolle gilt er etwa als geistiger Vater des Stadtquartiers rund um die Wasserstraße, einst ein eher trostloser und wenig beachteter Anhang der Fußgängerzone, heute ein gut frequentiertes Innenstadtviertel, das von einer Vielzahl zumeist kleinerer, dafür aber höchst origineller Ladenlokale geprägt ist. „Ich glaube an diese Stadt und ich glaube auch, dass unsere Innenstadt trotz aller Schwierigkeiten, mit denen der Handel in Kommunen unserer Größenordnung kämpfen muss, eine erfolgreiche Zukunft vor sich hat, wenn wir in der Gegenwart die richtigen Weichen stellen“, gibt Heutelbeck im Gespräch mit unserer Zeitung ein klares Bekenntnis zum Standort Iserlohn ab, verbunden mit einer ebenso klaren Vision, welche Rahmenbedingungen hierfür geschaffen werden müssen.

Innenstädte haben klassische Funktionen verloren

Denn trotz aller Leidenschaft für den Handel besteht für Gerd Heutelbeck kein Zweifel daran, dass eine Innenstadt heute weit mehr als nur einen funktionierenden Geschäftsbesatz benötigt, um als lebenswert und attraktiv wahrgenommen zu werden. „Durch das Internet und die verstärkte Ansiedlung von Fachmarkt- und Nahversorgungszentren haben die Stadtkerne viele ihrer klassischen Funktionen verloren, die sie noch bis vor wenigen Jahren geprägt haben“, weiß der Kaufmann, dass niemand mehr für die alltägliche Versorgung in die Innenstadt kommen muss. Eine Entwicklung, die natürlich auch in Iserlohn feststellbar ist, weshalb Heutelbeck dafür plädiert, die Bedeutung des Zentrums nicht nur über den Einzelhandel zu definieren. Denn punkten könne die Innenstadt in der nahen Zukunft sicherlich auch wieder als Wohnstandort. „Die Rückkehr aus den Vororten in die Stadt ist ein klar erkennbarer Trend“, glaubt Heutelbeck an ein großes Potenzial des Wohnungsmarktes im Zentrumsbereich und begrüßt daher die neue Ausrichtung der kommunalen Wohnungsgesellschaft IGW, die mit ihren Projekten an der Rahmenstraße und im Bereich des Südengrabens entsprechende Zeichen setze, „die Richtung stimmt“. Gerade auch das momentan noch stark vernachlässigte Gebiet zwischen Bauernkirche und Fußgängerzone habe das Zeug dazu, das nächste Stadtquartier zu werden - diesmal allerdings nicht als Keimzelle für die Ideen von Einzelhändlern, sondern dank des Engagements der IGW, die an einer Stelle investiere, an der der Markt versagt habe, als Beispiel für zeitgemäßes und urbanes Wohnen in einem uralten Teil Iserlohns.

Weiterentwicklung zu Gunsten der Authentizität

„Die Weiterentwicklung solcher Bereiche trägt ganz maßgeblich dazu bei, dass Iserlohn authentisch bleibt. Solche Gebiete prägen unsere Stadt genauso wie B&U oder der IKZ. Und ich habe auch das Gefühl, dass gerade hier im Umfeld der Stadtmauer und der beiden Kirchen auch ein guter Nährboden für neue gastronomische Angebote wäre. “

So hoffnungsvoll Gerd Heutelbeck indes auf die Altstadt schaut, so nachdenklich wird er beim Blick in Richtung Schillerplatz. Die grundsätzliche Entscheidung der Stadt, Eigentümer der Karstadt-Immobilie zu werden, sei zwar absolut richtig gewesen, nun aber gelte es, die städtebaulichen Chancen mit Bedacht auszuloten, zumal es unendlich viele Möglichkeiten gebe, falsche und zugleich unumkehrbare Entscheidungen zu treffen. „Den ganz großen Wurf zu planen, halte ich für gefährlich“, plädiert Heutelbeck in diesem Kontext denn auch dafür, die Zukunft des Schillerplatzes keinesfalls in die Hände externer Investoren zu legen, sollte das Iserlohner Karstadt-Haus dereinst geschlossen werden. „Wenn hier ein Fonds zum Zuge kommt, begibt sich die Stadt in eine große Abhängigkeit gegenüber Investoren, die kein Interesse an Iserlohn selbst, sondern ausschließlich am Profit haben. Abgesehen davon: Galerie-Lösungen wie sie in Hagen entstanden sind, sind doch nur Kopien von Vorbildern aus den tatsächlichen Großstädten. Und die können nur schlechter sein als die Originale.“

Schillerplatz-Entwicklung nach Konversions-Vorbild

Alternativ hierzu empfiehlt der Unternehmer den Verantwortlichen der Kommune, einen Weg einzuschlagen, der schon ausgesprochen erfolgreich bei der Kasernen-Konversion beschritten worden ist. Sinnvoll sei es hierfür sicherlich, eine Planung zu entwickeln, in die „kleinteilig“ investiert werden könne. Heutelbeck: „Erst einmal sollten wir hoffen, dass Karstadt noch lange am Standort Iserlohn bleibt. Wenn aber ein anderer Fall eintritt, dann sollte die ursprüngliche Planung realisiert werden, den Schillerplatz tiefer zu legen, während parallel dazu das Kaufhaus-Gebäude abgerissen wird. Das Grundstück könnte dann parzelliert und Zug um Zug verkauft werden.“

Den Charme einer solchen Lösung erkennt der Unternehmer auch gerade darin, dass die Entwicklung des Areals behutsam erfolgen könnte, angepasst an die Iserlohner Bedürfnisse, unterstützt von lokalen Geldgebern. „Keine Frage, wenn das Konzept stimmt, dann würde ich mich an einem solchen Projekt beteiligen.“ Überdies, so Heutelbeck, ließen sich in einem Konstrukt dieser Art auch bereits von Rathaus-Verantwortlichen geäußerte Ideen wie die Errichtung eines zentralen Bürgerbüros oder einer neuen Sparkassen-Innenstadtfiliale realisieren. Von entscheidender Bedeutung sei es aber, bei einem solchen Modell „geduldig“ vorzugehen, damit sich organisch eine funktionierende Quartiersstruktur bilden könne. „Und klar wäre damit auch, dass sich Iserlohn mit der Umsetzung eines solchen Konzepts unumkehrbar vom großflächigen Einzelhandel alter Tage verabschieden würde.“