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Weihnachtsfeier als Lichtblick in schweren Zeiten

20.12.2007 | 18:17 Uhr
Weihnachtsfeier als Lichtblick in schweren Zeiten

Iserlohn. Duftender Braten, kleine Geschenke und stimmungsvolle Dekoration: In der Wohnungslosenhilfe der Diakonie wurde am Mittwoch Weihnachten gefeiert. Leiterin Heidrun Schulz nahm die Feier zum Anlass, um auf einige Probleme hinzuweisen.

Es klingt ein wenig nach der Geschichte von der Katze, die sich selbst in den Schwanz beißt, wenn die Diplom-Sozialarbeiterin von den Iserlohner Wohnungslosen berichtet, die nach neuer Hartz-IV-Gesetzeslage zwar als erwerbsfähig eingestuft werden, in Wirklichkeit aber weit davon entfernt sind, die Auflagen der Arge zu erfüllen.

Die Krux dabei sei von doppelter Natur. Zum einen wurde das ALG II für erwerbsfähige Langzeitarbeitslose von den Sozialleistungen für erwerbsunfähige Personen getrennt. Die Erwerbsunfähigkeit werde aber ausschließlich an klar diagnostizierten Erkrankungen oder Behinderungen festgemacht. Die persönlichen Notlagen vieler Wohnungsloser mit ihrem Problembündel aus Sucht, psychischen Störungen und sozialen Phobien blieben bei der Einstufung hingegen in den meisten Fällen unberücksichtigt. Zum anderen handele die Arge mit jedem erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfänger einen Vertrag zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt aus. Sollten die Vereinbarungen nicht eingehalten werden, drohen Sanktionen.

„In der Praxis sieht das so aus, dass viele unserer Klienten wegen ihrer persönlichen Probleme schon das erste Treffen versäumen, und ihre Leistungen gestrichen werden”, erkärt Heidrun Schulz. „Wir haben hier immer mehr junge Leute, die zu 100 Prozent sanktioniert werden.” In letzter Konsequenz bedeute dies, dass durch die verschärfte Sozialgesetzgebung neue Wohnungslose produziert würden. Denn immer mehr auch junge Arbeitslose sind mit den komplizierten Regelungen überfordert und können überhaupt nicht so schnell eine eigene Wohnung erfolgreich beantragen, wie sie in vielen Fällen zu Hause rausgeworfen werden. Gleichzeitig steigt die Zahl psychischer und sucht bedingter Krankheiten an, die ebenfalls zur Nichteinhaltung der Auflagen führen.

Probleme, mit denen Heidrun Schulz und ihr Kollege Ulf Wegmann, die die Wohnungslosenhilfe der Diakonie zu zweit bewältigen, täglich zu kämpfen haben. Rund 500 Kunden kommen im Jahr in ihre Beratungsstelle an der Trift. Überwiegend handelt es sich dabei um alleinstehende Langzeitarbeitslose, die entweder bereits wohnungslos sind, die in unzumutbaren Wohnungen leben oder denen eine Wohnungskündigung droht. Etwa 20 Prozent davon sind Frauen. Und es sind bei weitem nicht alles Erstkontakte. Viele Problemfälle bleiben der Einrichtung über Jahre erhalten, obwohl sie eigentlich über gesetzliche Betreuungen oder andere Hilfsangebote betreut werden. Doch auch an solchen Leistungen wurde zuletzt viel geändert und gekürzt.

Am Mittwoch sollten diese Probleme ausnahmsweise nicht auf der Tagesordnung stehen. Rund 110 der Kunden waren zur Weihnachtsfeier gekommen. Und ihren bereits geschilderten Schwierigkeiten von der Erwerbs- und Wohnungslosigkeit bis zu den vielfältigen persönlichen Problemen entsprechend, handelte es sich um die Ärmsten der armen Iserlohner. Ein Drei-Gänge-Menü aus der Bethanien-Küche, ein liebevoll verpacktes Geschenk mit Duschgel, Handtuch und etwas Tabak, sowie ein wenig feierliche Geselligkeit - für die Besucher der Wohnungslosenhilfe ein kleiner Lichtblick in einer ansonsten sehr schweren Weihnachtszeit.

Ralf Tiemann

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