Was lagert tatsächlich auf dieser Deponie?

Lupenreiner Bauschutt sieht wohl anders aus. Eine im Rathaus vorliegende Bilderserie aus den 90er-Jahren lässt vermuten, dass auf der Deponie Obergrüne auch in größerem Stil Unrat aller Art abgeladen und akzeptiert wurde.
Lupenreiner Bauschutt sieht wohl anders aus. Eine im Rathaus vorliegende Bilderserie aus den 90er-Jahren lässt vermuten, dass auf der Deponie Obergrüne auch in größerem Stil Unrat aller Art abgeladen und akzeptiert wurde.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Die Bürgerinitiative Auf der Emst glaubt, dass erst eine Analyse der Boden- und Wasserverhältnisse Klarheit zu den Stoffen und ihren Spätfolgen bringen kann. Jetzt soll sich zunächst einmal der Kreis erklären.

Iserlohn..  Was lagert nun tatsächlich auf bzw. unter der Deponie Obergrüne? Und mit welchen Folgen? Und auch: wer weiß davon was? Diese Fragen, die erst wieder in den letzten Monaten eher durch Zufall und rund um die Auseinandersetzungen um die bauliche Weiterentwicklung des angrenzenden Gebietes „Auf der Emst“ aufgekommen sind, beschäftigen nach wie vor die Bürgerinitiative vor Ort. Und inzwischen offensichtlich auch die Bezirksregierung in Arnsberg und den Märkischen Kreis. Der hat nämlich vom Regierungspräsidenten mit Schreiben vom 22. April 2015 die Aufforderung zur Stellungnahme bekommen.

Behörden haben eigene Anordnungen nicht verfolgt

Ausgangspunkt der behördlichen Betriebsamkeit war und ist offenbar eine Eingabe der Bürgerinitiative Emst an die Landesregierung. Oberflächliche Luftproben, die in der jüngeren Vergangenheit im Bereich des Baugebietes genommen worden waren, hatten zwar keine Auffälligkeiten gezeigt. Doch glauben die Anwohner, dass es mit solchen Luftanalysen eben noch lange nicht getan ist. Dieter Zeh, Sprecher der BI: „Es wird bis dato völlig vernachlässigt, dass erst Boden- und Wasseruntersuchungen mit Sicherheit Auskunft darüber geben können, ob gesundheitsgefährdende Nachwirkungen der Deponie zu verzeichnen und zu befürchten sind.“

Vom Grundsatz her geht es den BI-Aktivisten und Anwohnern um die Fragestellung, was vor allem in den 80er Jahren tatsächlich in der Deponie angeliefert und kritiklos angenommen wurde. Im Rahmen einer Akteneinsicht im Iserlohner Rathaus konnten Vertreter der Bürgerinitiative in einem ersten Schritt Erkenntnisse dazu gewinnen, dass bereits 1980 und 1981dem damaligen Deponiebetreiber GGD, der das Gebiet als Bauschuttdeponie deklariert hatte, mehrfach Ordnungsverfügungen samt Zwangsgeldvollstreckungen zugestellt worden waren. Es habe damals zudem die Aufforderung gegeben, nicht zugelassene Stoffe zu entfernen und die Seitenkörper der Deponie mit bindigem Material abzudichten. Dieter Zeh im Gespräch mit der Heimatzeitung: „Auffallend ist, dass in den Akten keine einzige Stellungnahme der Firmen GGD oder DEPO vorliegt. Es ist auch kein einziges Mal belegt, dass die Behörden ihre eigenen Ordnungsverfügungen weiter verfolgt hätten. Insgesamt scheinen die Unterlagen unvollständig zu sein.“ Jedoch existiere z.B. ein handgeschriebener Aktenvermerk, dass ein Mitglied der damaligen Grünen-Fraktion GABI am 10.12.1985 Fotos übergeben habe. Die Fotos lägen jedoch nicht vor.

Allerdings gibt es in den Rathaus-Unterlagen eine weitere Fotoserie, die ein damaliges Ratsmitglied dem Umweltamt der Stadt Iserlohn am 20.08.1993 übergeben hatte. Auf diesen Bildern sei deutlich zu sehen, dass mitnichten nur Bauabfälle auf der Deponie abgeladen worden waren. Neben allerlei leeren und gefüllten Kunststoffbehältnisse sowie Schrott sind es vor allem auch undefinierbare Flüssigkeitsansammlungen, für es im Moment keine Erklärung geben dürfte. Die Bilder zeigten zudem, dass es sich dabei auch nicht um vereinzelte Fehlwürfe, sondern um gezielte Anlieferungen in größerem Stil gehandelt habe.

Und noch einen Hinweis, der die inzwischen immer stärker aufkeimende Sorge der Anwohner schürt, konnte in den Akten gefunden werden. Dieter Zeh: „Genau wie die Firma Dames & Moore sah der damalige Stadtamtsrat Goldmann mit Schreiben v. 14.09.1993 an das Umweltamt des Märkischen Kreises „die Notwendigkeit, den gesamten Deponiekörper einer ausführlichen Gefährdungsabschätzung zu unterziehen.“ Hierzu gab es sogar eine Kostenschätzung besagter Firma, die für einen Betrag von DM 220 000,-- eine „Historische Recherche & Gefährdungsabschätzung“ vorgenommen hätte“.

Neue Hausbauer sollen die Fakten vorher kennen

Das mögliche Gegenargument der Politik und der Verwaltung, dass die Bürgerinitiative die Deponie nur instrumentalisieren würde, um die geplanten Bauvorhaben zu verhindern, weist Zeh schon jetzt zurück: „Wir denken, dass es für künftige Bauherren durchaus im Vorfeld von Interesse sein dürfte, wie es unter Umständen unter ihrem Grundstück aussieht. Als damals in der Presse zum ersten Mal über die Deponie berichtet wurde, waren wir schon längst eingezogen.“