Wahlen nicht nur für Gutverdiener

Die Pläne sind vorgestellt, nun werden weitere Mitstreiter gesucht (v.l.): Klaus Stinn, Hendrik Bartos und Kyra von Tiedemann stellten das neue Projekt „Armut und Wahlbeteiligung“ vor.
Die Pläne sind vorgestellt, nun werden weitere Mitstreiter gesucht (v.l.): Klaus Stinn, Hendrik Bartos und Kyra von Tiedemann stellten das neue Projekt „Armut und Wahlbeteiligung“ vor.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Menschen, die in Armut leben, gehen statistisch betrachtet nur selten wählen. Ein Umstand, der sich durch ein neues Projekt in Iserlohn jetzt ändern soll

Iserlohn..  Arme Menschen gehen nicht zur Wahl, weil sie sich sozial abgehängt fühlen; Politiker kümmern sich nicht um die Armen, weil die nicht zur Wahl gehen, glaubt Klaus Stinn – und stützt sich dabei auf eine Reihe von Studien. „Ein Teufelskreis.“

Und um genau diesen zu durchbrechen, haben er und ein paar andere engagierte Menschen jetzt ein Projekt ins Leben gerufen, das genau diesen Umstand ändern soll. Nun suchen sie weitere Mitstreiter – „gerne aus allen Schichten der Bevölkerung und parteiübergreifend“, so Stinn weiter.

„Armut und Wahlbeteiligung“ – das ist der Name des Projektes. Das Thema kam erstmals bei der Eröffnung des Quartiersbüros auf, als Politik und Nutzer des Fritz-Kühn-Platzes, darunter viele Hartz-IV-Empfänger, aufeinandertrafen. Schnell wurde klar: Letztere gehen fast nie wählen, „weil sie nichts mehr erwarten“, glaubt Stinn.

Ein weiterer Beweggrund zur Projektgründung sei die Landtagswahl in Bremen gewesen, bei der die Wahlbeteiligung in Stadtteilen, die von Hartz-IV-Empfängern dominiert werden, nur bei rund 30 Prozent lag. Die Bertelsmann-Stiftung konstatierte zudem in einer Analyse der letzten Bundestagswahl, dass die Wählerschaft nicht annähernd einen Querschnitt der Gesellschaft darstellt – mit steigender Tendenz dahingehend, „dass Deutschland eine Demokratie der Besserverdienenden ist“, so Stinn.

Als erste Schritte vor den Bürgermeisterwahlen konnten Amtsinhaber Dr. Peter Paul Ahrens (SPD) und CDU-Kandidatin Katrin Brenner als Schirmherren des Projektes gewonnen werden. Auch der designierte parteilose dritte Kandidat Martin Radojcic soll noch ins Boot geholt werden.

Die Wahl soll zu Betroffenen kommen, nicht umgekehrt

Die Beteiligten wollen nun in den kommenden Wochen Kontakt zu Menschen, die in Armut leben, aufnehmen. Am Fritz-Kühn-Platz, in der Wohnungslosenhilfe, in der Werkstatt im Hinterhof und an anderen Orten in der Waldstadt.

Warum wählst Du nicht? Was könnte Dich zur Wahl bewegen? Was wünscht Du dir von der Politik? – die Antworten auf einfache Fragen wie diese sollen gesammelt und ausgewertet werden – auch in Kooperation mit vier Arbeitsgruppen, die sich in Folge des Armutsberichtes der Stadt Iserlohn mit dem Thema beschäftigen (wir berichteten). Die Ergebnisse sollen dann öffentlich präsentiert werden.

In einem Schreiben, das Ahrens und Brenner bereits zuging, wird zudem ein mobiles Briefwahlbüro angeregt – beispielsweise am Fritz-Kühn-Platz, um die Wahl armen Menschen einfacher zugänglich zu machen. Auch werden Brenner und Ahrens gebeten, ein offizielles Konto für Projektspenden einzurichten, etwa zur Finanzierung von Plakaten und ähnlichem.

Mit im Projekt dabei sind auch bereits die beiden Sozialarbeit-Studenten Hendrik Bartos (23) und Kyra von Tiedemann (21), der Vorsitzende des Bürgervereins Südstadt, Christoph Menne, sowie Karl-Heiz Gargelmann, ehemaliger Hemberg-Realschulleiter.

Im nächsten Schritt wollen die Beteiligten sich nun mit weiteren Interessierten noch im Juli treffen und eine Steuerungsgruppe bilden, die dann über das weitere Vorgehen bestimmt. Der Termin soll zeitnah bekannt gegeben werden.