Von Zauberflöte bis zum Teufelsbild

Martina Espelöer begrüßte rudn 120 Gäste beim jahresempfang.Jahresempfang im Varnhagenhaus.
Martina Espelöer begrüßte rudn 120 Gäste beim jahresempfang.Jahresempfang im Varnhagenhaus.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
„Bild und Bibel“ war das Thema beim Jahresempfang des Evangelischen Kirchenkreises Iserlohn. Superintendentin Martina Espelöer begrüßte rund 120 geladene Gäste im Varnhagenhaus.

Iserlohn..  Beim Jahresampfang des evangelischen Kirchenkreises Iserlohn im Varnhagenhaus hat Superintendentin Martina Espelöer am Donnerstag rund 120 geladene Gäste begrüßt. Sie dankte den Vertretern der Kirchengemeinden, denRepräsentanten aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Soziales und Bildung für die gute Zusammenarbeit und betonte: „Menschlichkeit und Respekt bilden unseren gemeinsamen Nährboden“.

Im Festvortrag hielt der Publizist , Theologe und Kunstwissenschaftler Dr. phil h. c. Andreas Mertin aus Hagen einen Vortrag über „Bild und Bibel“. Darin setzte er sich mit dem Thema auseiander, mit dem sich dieevangelische Kirche derzeit auf das Reformationsjubiläum 2017 vorbereitet.

Nicht das Wort habe am Anfang gestanden, sondern das Bild, stellte Mertin gleich am Anfang eine provizierende These auf. Anhand von prähistorischen Höhlenzeichnungen versuchte er zu belegen, „dass das Bild schon 20 000 Jahre da war, bevor die Religion ins Bild kam“.

Christus-Augen nach Bedarf offen oder geschlossen

Das Menschen schon immer im Laufe der Geschichte versucht waren, Bilder in den Dienst ihrer jeweiligen Überzeugungen zu stellen,machte Mertin an vielen Beispielen kirchlicher Abbildungen deutlich. So verwies er auf das mittelalterliche Schaftlacher Kruzifix, auf dem Christus ursprünglich mit geschlossenen Augen, dargestellt war. Als für das Jahr 1000 mit der Wiederkunft Christi gerechnet wurde, kam es zur Manipulation: Die übermalten Augen waren plötzlich offen.

In der Zeit der Reformation und Gegenreformation trieb der Missbrauch von Bildern laut Mertin besondere Blüten. Auf der einen Seite wurde der Papst wie eine Hure mit Eselskopf dargestellt, auf den Bildern der anderen Seite hatte Luther den Teufel im Nacken sitzen.In den Zusammenhang dieser Manipulationen stellte Mertin auch die Mohammed-Karikaturen und die Zeichnungen pro „Charlie Hebdo“, ohne jedoch näher auf dieses aktuelle Thema einzugehen.

Beim Blick in die Neuzeit hob der Referent vor allem das allmähliche Verschwinden des Religiösen aus der Welt der Kunst, die Freiheit des Menschen, seine Bilder selbst zu gestalten, und die steigende Überflutung mit künstlichen Bilderwelten bis zur Fernseh- und Videowelt hervor: „Was ein Mensch heute an einem Tag an Bildern sieht, hat ein Mensch im Mittelalter in seinem ganzen Leben nicht gesehen.“ Bilder könnten große Macht über den Menschen ausübern, zugleich aber ermächtigen sie den Einzelnen, sich selbst ein Bild zu machen, lautete Mertin Fazit.

Die Superintendentin zog in ihrer Ansprache, die „Zauberflöte“ heran, um die Kraft der Bilder zu veranschaulichen - das Bild als Kraftspender für eine brennende Liebe. Hanns-Peter Springer (Klavier) und Tomoko Yano-Ebmeyer (Fagott) umrahmten den Empfang mit klassischer Musik, die viel Beifall fand, wenngleich Medolien aus der Zauberflöte nicht dabei waren.