Von der Trauer ins Licht

Einzug in Jerusalem an Palmsonntag: Die Kinder sind mit bunten Tüchern und grünen Zweigen mit dabei.
Einzug in Jerusalem an Palmsonntag: Die Kinder sind mit bunten Tüchern und grünen Zweigen mit dabei.
Foto: Michael May IKZ
Was wir bereits wissen
Die Kinder im Evangelischen Kindergarten Hennen können die Ostergeschichte von Palmsonntag bis zur Auferstehung mit allen Sinnen nachempfinden

Hennen..  Als am Ende der Stein vor dem Grab verschwindet, das Osterlicht angezündet und ein weißes Tuch der Freude ausgebreitet wird, ist die Erleichterung der Kinder geradezu mit Händen greifbar. Fast eine Stunde lang hatten die Mädchen und Jungen vom Evangelischen Kindergarten in Hennen Pfarrerin Christine Grans an den Lippen geklebt. Viele hatten die Geschichte, die von Verrat und Verurteilung, von Leid und Tod erzählt, zum ersten Mal gehört. Als sich dann aber alles ins Gute auflöst, ist der freudige Gänsehaut-Schauer auf den Rücken der Kleinen deutlich hörbar – Jesus ist auferstanden, der Tod ist besiegt.

Christliche Erziehung gehört zum Leitbild

„Es gehört zu unserem Leitbild, die Kinder christlich zu erziehen und sehr eng mit der Kirche zusammenzuarbeiten“, sagt Martina Wienbürger, die Leiterin des Kindergartens. Das sei auch den Familien sehr wichtig, die ihre Kinder ja größtenteils mit gutem Grund in diese christlich geführte Tageseinrichtung geben. Ebenso wichtig ist diese Aufgabe im Kindergarten auch Christine Grans, die nicht nur an den hohen Feiertagen vorbeischaut. Ein Mal im Monat gestaltet sie eine Andacht mit den 65 Kindern der drei Gruppen und erzählt ihnen aus der Bibel. Außerdem erkundet sie mit den Vorschulkindern die Kirche.

Das wirkt sich deutlich aus: Auch den Kleinsten merkt man an, dass sie an die festen Abläufe gewöhnt sind. Der Klang der Klangschale eröffnet die Andacht, alle werden ruhig und mucksmäuschenstill, mit dem Lied „Einfach Spitze, dass Du da bist“ geht es dann richtig los und von da an sind alle bei der Sache: Sie machen mit, singen mit, beten mit – und sie können sogar richtig gut zuhören.

Das liegt natürlich auch an der kindgerechten und alle Sinne einbeziehenden Art, mit der Pfarrerin Grans ihnen die Geschichte schmackhaft macht. Bei ihrem vorösterlichen Fest am Donnerstagmorgen hat sie den ganzen, mit vielen österlichen Bastelarbeiten geschmückten Kindergarten genutzt. Alle drei Gruppenräume und der zentrale Saal mit dem bunten, selbst gemalten Osterkreuz stellten verschiedene Kulissen der Karwoche dar. Die Kinder zogen umher, konnten mit bunten Tüchern und grünen Zweigen die Ankunft Jesu in Jerusalem an Palmsonntag erleben, das Brot beim letzten Abendmahl brechen, die Lederfesseln und die Dornenkrone bestaunen und das Gewicht des kalten, schweren Steines spüren, der vor das Grab gelegt wurde.

Und dann ging es eben noch diesen entscheidenden Schritt weiter – wenn auch ein bisschen zu früh in der Festfolge der Karwoche. „Man kann die Kinder ja nicht am Kreuz stehen lassen“, erklärt Christine Grans die vorgezogene Osterfreude am Gründonnerstag. Die Trauer des Karfreitags dauert also nicht lange an, das Grab wird geöffnet und das Osterlicht entzündet. Den Abschluss bildet dann ein gemeinsames Osterfrühstück mit Obst und Broten und einer großen Portion Erleichterung.