Von der fidelen WG bis zum Flirt bei „Nah dran“

Herzlicher Empfang für Anita Kupsch bei „Nah dran“: Moderator Thomas Reunert konnte mit der großen Diva ein kleines Jubiläum feiern: Bereits zum zehnten Mal begrüßte er die Schauspielerin im Parktheater zur kleinen Plauderrunde.
Herzlicher Empfang für Anita Kupsch bei „Nah dran“: Moderator Thomas Reunert konnte mit der großen Diva ein kleines Jubiläum feiern: Bereits zum zehnten Mal begrüßte er die Schauspielerin im Parktheater zur kleinen Plauderrunde.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Auch nach dem Bühnenspaß im ausverkauften Parktheater waren die „Golden Girls“ beim Künstler-Talk „Nah dran“ mit Thomas Reunert bestens aufgelegt.

Iserlohn. „. Im Altersheim geben sie den Männern Viagra, damit sie nachts nicht aus dem Bett fallen“. Oder: „Ich muss immer um 7 Uhr auf die Toilette, aber ich werde erst um 8 Uhr wach.“ Witze wie diese sorgten am Freitagabend im Parktheater für schallendes Gelächter. Die „Golden Girls“ gastierten zur Tournee-Premiere im ausverkauften Großen Haus.

Wenn das Älterwerden mit seinen gesundheitlichen Einschränkungen schon kein Vergnügen ist, so kann man doch ein Vergnügen daraus machen - mit guter Schauspielkunst, Spielfreude und Humor. Das haben die Bühnenstars Anita Kupsch, Victoria Brams, Gudrun Gabriel und Kerstin Fernström bewiesen. Sie schlüpften als „Golden Girls“ von Miami in die Rollen einer Wohngemeinschaft von betagten Damen. Dabei nahmen sie in kurzweiligen pointenreichen Episoden nicht nur das Altern aufs Korn.

Die Komödie lebte nicht zuletzt von den Rollen, in denen die Schauspielerinnen voll aufgingen und überzeugten. Da war die strohdumme Blondine (Kerstin Fernström), die mit ihrer verblüffenden Einfalt für Lacher sorgte. Da war die für ihr Alter sensationell liebestolle Nymphomanin (Victoria Brams). „Wie lange ich nach dem Tod meines Mannes keinen Sex hatte? - Bis der Bestattungsunternehmer kam.“

Vor allem aber war da Anita Kupsch in der Rolle der coolen Großmutter um die 80. Kernig rabiat und schlagfertig trat sie auf und glänzte mit den besten Pointen. Wer vom Alter her über den Dingen steht, ist offenbar dazu prädestiniert, mit herrlich sarkastischen Sprüchen die Wahrheit des Lebens vergnüglich aus der Schale zu pellen. Unbedingt zu erwähnen, wenngleich er als Mann in einem Frauenstück nur zwei kleinere Rollen spielte, ist Karl Heinz von Hassel. Auffallend war vor allem seine extravagante Kleidung und die Art wie er sich darin bewegte. Köstlich, wie er als Heiratschwindler mit Mireille-Mathieu-Frisur in bestechend ulkiger Eleganz in die Wohnung hinkte.

Mancher Zuschauer hätte sich vielleicht eine durchgehende Handlung für die Komödie gewünscht. Doch die willkürlich scheinende Episodenfolge mit den häufigen Themenwechseln hatte ihren Reiz in der Vielfalt – vom Heiratsschwindel über Werbespotaufnahmen im Wohnzimmer bis zur Parodie auf einen Songwriter-Wettbewerb. Der bunte Inhalt geriet durch das gefällige Bühnenbild mit architektonisch und farblich ansprechenden Wohnraum-Wänden noch bunter - und gar nicht alt.

Beim „Nah-dran“-Gespräch „menschelte“ es sehr

Kaum hatte das Publikum die „Golden Girls“ mit großem Beifall von der Bühne verabschiedet, da konnten die Zuschauer ihre Stars schon wieder auf der kleinen Bühne der Galerie bewundern - diesmal ganz persönlich und ganz aus der Nähe. Bei der Talk-Runde „Nah dran“. Chefredakteur Thomas Reunert bat nacheinander Anita Kupsch, Victoria Brams, Karl Heinz von Hassel und Kerstin Fernström ans Mikro. Und kaum hatte er die ersten Fragen gestellte, „menschelte“ es sehr.

Anita Kupsch - bereits zum zehnten Mal beim Talk mit Thomas Reunert - verriet, dass sie an Krebs leidet und manchmal sogar die verschriebenen Tabletten weglässt. „Ich muss gesund bleiben, da kann ich nicht über Krankheit nachdenken“, lautet ihre Devise, und im September plant die 74-Jährige schon wieder in Iserlohn auf der Bühne zu stehen mit „Zwei ahnungslose Engel“.

Karl-Heinz von Hassel durfte sich von Thomas Reunert das Kompliment anhören, von „Mireille Mathieu“ bis „James Last’“ sehr wandlungsfähig zu sein. In der Tat legt er viel Wert auf das Thema Kleidung. Das war schon bei der Fliege so, die er als Tatort-Kommissar Brinkmann trug. Die Fliege sei ein Symbol dafür, dass die Polizei den Menschen diene, erklärte er den staunenden Zuhörern. Dass er überdies als 76-Jähriger ausgesprochen beweglich ist, demonstrierte er den Iserlohnern gleich mit einer spontanen sportlichen Übung. Von Hassel beugte sich nach vorne und schaffte es tatsächlich, ohne die Knie zu bewegen, mit der Hand auf den Boden zu fassen. Da soll noch mal einer behaupten, er hätte Rücken!

„Ich bin eine echte Rothaarige“, warf sich Victoria Brams stolz in die Brust. Mittlerweile ist sie über die 70 und die Haarfarbe ist nicht mehr ganz so echt. Angst vor dem Alter aber hat sie nicht, denn: „Ich war noch nie so beschäftigt wie jetzt.“ Dazu zählt auch ihr Engagement für diverse Hilfswerke. Und dann wollte sie unbedingt noch demonstrieren, dass sie im wirklichen Leben nicht so sexbesessen sei wie auf der Bühne. Sie startete einen kleinen Überraschungsangriff und kam Thomas Reunert mit tastenden Fingern und schmachtendem Blick näher, als dieser mit „Nah dran“ gemeint haben konnte. Der gespielte Spontan-Ultrakurzflirt war ein großer Lacherfolg. Auch Kerstin Fernström flirtete, aber nicht mit Thomas Reunert, sondern mit einem Traum. Wenn sie einen Wunsch frei hätte,wäre ihr nichts wichtiger als ein gelungene Produktion des „neuer Rosenkavaliers“ – mit Kerstin F..