Von der Ankerstraße bis zum Zeughaus

Raum für Ideen: Aufsichtsratsvorsitzender Schmitt und Geschäftsführer Pestl möchten für die Baulücke Mühlentor einen Architektenwettbewerb ausloben.
Raum für Ideen: Aufsichtsratsvorsitzender Schmitt und Geschäftsführer Pestl möchten für die Baulücke Mühlentor einen Architektenwettbewerb ausloben.
Foto: Michael May IKZ
Was wir bereits wissen
IGW setzt Impulse bei der Stadtentwicklung und auf den Erhalt historischer Bausubstanz

Iserlohn..  Ein wenig macht es dieser Tage den Anschein, als wollte die IGW ein Zehn-Jahre-Programm binnen weniger Monate abarbeiten. Schlieperblock, Rahmenstraße, Südengraben, Mühlentor: Das sind – neben den umfangreichen Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen im Bestand – die Eckpunkte der Agenda 2015 des städtischen Wohnungsunternehmens. „Wir haben Einiges vor uns“, blickt Geschäftsführer Olaf Pestl voller Tatendrang in die nahe Zukunft.

Die Nachfrage nach den „Block-Häusern“ ist enorm

Während an der Rahmenstraße mittlerweile die Bagger rollen und die Baugruben ausgehoben werden für das ambitionierteste Neubauvorhaben der IGW seit Jahrzehnten, ist der Blick von Geschäftsführer Pestl und seinem Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Schmitt schon auf den morgigen Samstag gerichtet. Ab 10 Uhr nämlich lädt die Wohnungsgesellschaft alle Interessierten zum Schlieperblock am Grüner Weg ein. Dort sollen Kaufinteressierte Gelegenheit bekommen, die 23 Reihenhäuser der denkmalgeschützten Siedlung zu besichtigen. Standen die Zeichen jahrelang eher auf einen Abriss des Ensembles, hat sich der Wind gedreht – auch dank des städtebaulichen Entwurfs, den Architekt Manfred Kissing zur Revitalisierung des Areals vorgelegt hat. Die Nachfrage nach den „Block-Häusern“, so Olaf Pestl, sei enorm: „Mittlerweile denken wir deswegen sogar darüber nach, auch die Gebäudezeile an der Ankerstraße als Ausbauhäuser zu verkaufen.“ Eine komplette Veräußerung aller Objekte schließen Aufsichtsratsvorsitzender Schmitt ebenso wie der Geschäftsführer aus. „Ich glaube, dass die IGW eine Verantwortung gegenüber diesem Standort hat“, betont Pestl, dass das Gesamtprojekt Schlieperblock samt aufwendiger Grünflächengestaltung federführend von der städtischen Gesellschaft betrieben werde, um eine Entwicklung aus einem Guss garantieren zu können. Neben der Sanierung der Verkehrsflächen und der Herstellung von Grünanlagen gehöre hierzu ebenso die Modernisierung der Gebäudefassaden und -dächer sowie die Versorgung. Aktuell sei die IGW in Gesprächen mit den Stadtwerken, die Interesse daran zeigten, im Schlieperblock eine moderne Nahwärmeversorgung über ein Blockheizkraftwerk zu installieren. Je nach Ausgang des samstäglichen Besichtigungstermins, bei dem letztlich auch die wirtschaftlich entscheidende Frage beantwortet werde, wie viele der Interessierten am Ende tatsächlich als Käufer auftreten, sei ein Projektstart am Grüner Weg mittlerweile sogar „zeitnah“ vorstellbar.

Zeitnah sichtbar wird das Engagement der IGW definitiv im Mühlentor. Dort ist die Gesellschaft zwischenzeitlich nicht nur Eigentümer der mittlerweile abgerissen Häuser 14 und 16 geworden, sondern auch der ehemaligen Diskothek „Ellipse“ auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Und während Pestl und Schmitt in Kürze einen Architektenwettbewerb ins Leben rufen wollen, um Ideen zu erhalten, wie die neu entstandene Baulücke auf attraktive Weise wieder geschlossen werden kann, haben in der „Ellipse“ bereits die Sanierungsarbeiten begonnen. Das komplette Gebäude soll künftig ausschließlich der Wohnnutzung dienen, das zugemauerte Erdgeschoss hierzu wieder Fenster erhalten. Pestl: „Wir möchten den historischen Fassadenzustand so weit wie möglich wieder herstellen.“ Zum vierten Quartal dieses Jahres, so der Plan, soll das Gebäude in die Vermietung gehen.

Quartiersaufwertung am Fritz-Kühn-Platz

Zu diesem Zeitpunkt dürfte der Bürgerverein Südstadt bereits seit einigen Monaten in seinem neuen Domizil im Eckgebäude Südengraben/Am Bilstein und damit ebenfalls in einer der neueren IGW-Immobilien bezogen haben. Neben diesem prägenden Objekt, das in wenigen Wochen komplett saniert sein wird, hat die Wohnungsgesellschaft zahlreiche weitere Gebäude in der Nachbarschaft zum Fritz-Kühn-Platz erworben, darunter auch die direkt am Platz liegenden ehemaligen „Fischer-Häuser“. „Unser Ziel war und ist es, in diesem durch Marktversagen geprägten Bereich gezielt Aufkäufe zu tätigen, um durch ihre Sanierung Impulse zur Quartiersentwicklung zu setzen und den Standort Schritt für Schritt wieder aufzuwerten“, betont Olaf Pestl, während Aufsichtsratsvorsitzender Schmitt die neue Ausrichtung der IGW in Richtung aktiver Stadtentwicklung als goldrichtige Entscheidung der politischen Gremien der Stadt einschätzt, gerade auch, um sich nachhaltig erhaltenswerter und historischer Bausubstanz widmen zu können.

Als „Schlüsselobjekt“ der Quartiersgestaltung bezeichnet Geschäftsführer Pestl derweil das Zeughaus 14: „Unser erklärtes Ziel ist der Erhalt und die Entwicklung eines nachhaltigen und auch wirtschaftlich tragfähigen Konzepts.“ Nicht ausgeschlossen sei es derweil, dass sich die städtische Gesellschaft nach erfülltem Auftrag der Wiederbelebung auch wieder von einzelnen Objekten trennen werde, um Kapital für neue Projekte zu generieren.