Von den Dramen fern des Rampenlichts

518 Langzeitberatungen in Schuldenfragen führten Susanne Thomann
518 Langzeitberatungen in Schuldenfragen führten Susanne Thomann
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Was wir bereits wissen
In 634 Fällen stellten die Stadtwerke im vergangenen Jahr Kunden den Strom ab. Susanne Thomann von der Schuldnerberatung erklärt, wie leicht Menschen in finanzielle Schieflage geraten können

Iserlohn..  Plötzliche Arbeitslosigkeit, finanzielle Unbedarftheit, Scheidung oder Krankheit – dies sind in Iserlohn die häufigsten Ursachen für die Überschuldung von Privatpersonen. Oft ist dann der Weg in die Armut nicht weit.

In 634 Fällen stellten beispielsweise die Stadtwerke Iserlohn im vergangenen Jahr ihren Kunden den Strom ab. Wenn Menschen finanziell selbst für ihre Grundbedürfnisse wie Miete, Strom und Heizung nicht mehr aufkommen können, ist dies zumeist ein sicheres Indiz für den bevorstehenden Sturz ins Bodenlose – Dramen des Alltags, die oft fern des Rampenlichts spielen.

Null-Prozent-Finanzierung wird zum Stolperstrick

Eine Stelle, die sich mit solchen und ähnlichen Schieflagen und Schicksalen befasst, ist die Schuldnerberatung der AWo in Iserlohn, die auch Hemer, Menden und Balve mit abdeckt. 518 Langzeitberatungen – also zeitaufwendige mit Gläubigerkontakt – gab es hier 2014, 174 Menschen davon kamen aus Iserlohn, 56 sind berufstätig.

„Das Konsumverhalten der Menschen ist sicher in den vergangenen Jahren immer mehr zum Problem geworden“, sagt Schuldnerberaterin Susanne Thomann. „Null-Prozent-Finanzierung, Ratenzahlung – daran verheben sich viele Leute finanziell, kaum jemand würde heute mehr etwa einen gebrauchten Fernseher kaufen.“ Schnell passiere es dann, dass Menschen ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen können.

Für die Schuldnerberatung gilt es dann, den Betroffenen zu helfen, zumindest ihre lebensnotwendigen Grundbedürfnisse abzusichern. Miete, Strom und Lebensunterhalt – alles weitere fließt den Gläubigern zu. Wichtig ist dann vor allem ein Pfändungsschutzkonto einzurichten, mit dem zumindest die Grundversorgung der Schuldner gesichert werden kann.

Konsumkredite – vor allem in Kombination mit plötzlicher Arbeitslosigkeit können diese schnell zum Problem werden. Susanne Thomann erzählt vom Fall einer alleinerziehenden Mutter, die wegen einer erneuten Schwangerschaft ihre Raten nicht mehr bezahlen kann.

Auch Jugendliche, oft in der Ausbildung, gehören zunehmend zu den Klienten der Schuldnerberatung, zumeist wegen der hohen Kosten für Mobilfunkverträge. „Da kommen schnell 600 bis 1000 Euro zusammen“, so Susanne Thomann. 50 Prozent der Personen, die die Beratung bei der AWo in Anspruch nehmen, haben Schulden im Telekommunikationsbereich.

Ganze 70 Prozent der AWo-Klienten leben an der Armutsgrenze oder darunter. Bei ihnen fallen auch Kleinstbeträge stark ins Gewicht – oft liegen die monatlichen Summen, die sie nicht zu zahlen imstande sind lediglich in einem Bereich zwischen 20 und 50 Euro. Die Pfändungsgrenze beträgt bei Einzelpersonen 1049, bei Paaren 1440 Euro. Alles darüber hinaus geht an den oder die Gläubiger.

Privatinsolvenz schon bei 2000 Euro Schuldenstand

Im schlimmsten Fall bleibt dem Schuldner nur der Gang in die Privatinsolvenz. Sechs Jahre dauert das Verfahren, das mit erheblichen finanziellen Einschränkungen verbunden ist. „Es wird dann aber stark überprüft, ob jemand, der etwa Hartz IV bezieht, ausreichend Bewerbungen schreibt“, sagt Susanne Thomann. Schwer wird es da aber zumeist für jene Menschen, die über 50 Jahre alt sind. „Heutzutage haben ältere Menschen auf dem Arbeitsmarkt wenig Chancen.“

In Einzelfällen können Insolvenzverfahren bereits bei Schuldenbeträgen um die 2000 Euro eingeleitet werden. Arbeitslosigkeit, Scheidung oder Krankheiten – „Vom bürgerlichen Leben ist der Weg bis in die Zahlungsunfähigkeit oft nicht weit“, sagt die Schuldnerberaterin.