Vom kreativen „Aufmöbeln“ alter Paletten

Er baut die Möbel palettenweise: Daniel Schmidt aus Iserlohn.
Er baut die Möbel palettenweise: Daniel Schmidt aus Iserlohn.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Daniel Schmidt baut individuelle Möbel und absolvierte ein Praktikum in Nordirland. Und das mit Folgen

Iserlohn.. Ein Stückchen von ihm bleibt wohl für immer in Nordirland, ein Stückchen Iserlohner Handwerkskunst, um genau zu sein, nämlich eine sehr besondere Couch: Daniel Schmidt, 23, hat ein recht spezielles Hobby, das auch Teil seines Berufes ist. Der junge Iserlohner, gelernter Polsterer und Raumausstatter, baut Möbel, unter anderem Sessel, Couches, Tische, Stühle - und zwar aus Europaletten, jenen schmucklosen Transport-Untersätzen, wie man sie in den Lagern vieler größerer Firmen findet.

Vier Wochen verbrachte der Iserlohner jetzt in Cookstown, Nordirland, bei der Firma „Killymoon-Living“, einem Hersteller von individuell gefertigten Möbeln. Nach einer Woche im Betrieb erzählt Schmidt dem Chef von seinem Hobby, mit dem Ergebnis, dass man ihm in den folgenden Wochen Freiräume gibt, um eines seiner Paletten-Sofas herzustellen. „Es steht jetzt gerade in einer Ausstellung in Nordirland, soll bald in London auf einer Messe präsentiert werden“, sagt Schmidt.

Allerdings: „Ein Patent dafür habe ich nicht, es gibt auch andere, die solche Möbel bauen“, sagt Schmidt. Bedeutet: Sollte sich der Ex-Chef als „Produktpirat“ erweisen und die Palettenmöbel künftig selbst herstellen, ist unsicher, ob der 23-Jährige dafür je Geld bekommt, denn: „Kontrollieren kann ich das nicht.“

Dennoch: bei dem Iserlohner überwiegt die Freude, dass eines seiner Möbelstücke in Nordirland und bald in London ausgestellt wird. Der Kontakt zum Ex-Chef und auch zur Gastfamilie, bei der er während des Praktikums untergebracht war, ist weiter vorhanden. Und: den Namen, unter dem er seine Möbel herstellt, hat er sich schützen lassen. „Palettiii“, für Interessierte einsehbar über das soziale Netzwerk „facebook“.

Doch wie kommt man überhaupt auf die Idee, Möbel aus Paletten herzustellen? 2007 beginnt Schmidt eine Ausbildung zum Polsterer - ein selten gewordener Beruf - bei Lesser-Wohndesign in Menden, wo er bis heute arbeitet. Seinen Meister als Raumausstatter macht er ab 2011 an der Abendschule. Irgendwann beim Blick auf die Anlieferungen - meist gebettet auf eben jene Europaletten - kommt ihm die Idee. „Die Paletten sehen immer unterschiedlich aus, das macht die Möbel sehr individuell.“

Paletten-Möbel sind in Menden zu kaufen

Seine Möbel, viele davon wetterfest, kann man inzwischen auch bei dem Mendener Unternehmen kaufen. Insgesamt lägen individuelle Produkte aus heimischer Produktion für die Wohnungseinrichtung im Trend, glaubt der Möbelbauer: „Die Leute sind bereit, auch mal mehr zu bezahlen, wenn sie wissen, wo etwas herkommt.“

Vielleicht, sagt Daniel Schmidt, wolle er sich mit seinen Möbeln irgendwann einmal selbstständig machen. „Diese Herausforderung würde mich reizen.“ Zunächst einmal soll es aber im August wieder nach Nordirland gehen, die alte Firma und die Gastfamilie besuchen. Und: „Ich will natürlich auch mal nachschauen, ob mein Sofa schon verkauft ist“, sagt er.