Vom Frieden beseelt, vom Regen (fast) verfehlt

Rockten am Samstagabend: „The Hourglass“ aus Transsylvanien.
Rockten am Samstagabend: „The Hourglass“ aus Transsylvanien.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Zur 25. Auflage des Friedensfestivals am Wochenende kehrte der Sommer in die Waldstadt zurück. Drei Tage lang gab es in der Zeltstadt an der Bauernkirche ein vielfältiges musikalisches Programm zu hören

Iserlohn..  Der Samstag beginnt dann gleich mal mit einer mittleren Katastrophe – zumindest aus Sicht von Eins- bis Fünfjährigen: Eine überhitzte Kabeltrommel setzt die Hüpfburg kurzzeitig matt. Nach einer guten Viertelstunde schon kann es aber weitergehen, auf der Hüpfburg, und auch bei der 25. Auflage des Friedensfestes, das am Freitag, wie berichtet, begonnen hatte.

Die Traditionsveranstaltung, einst als kreativer Protest initiiert, startete dann gemächlich in den Tag. Weil die Band „Lick Quarters“ kurzfristig absagen musste, sind die Organisatoren vom Friedensplenum zum Improvisieren gezwungen. „Wir schieben einfach alles eine halbe Stunde nach hinten, kein Problem“, sagt Moderator Frank Nitsche abseits der Bühne.

Schottenrockiges, Getrommel und Kuhglocken-Gebimmel

Auf eben der wird es dann ab 16 Uhr eng, als „Donga & Living Rhythm“ den Tag musikalisch eröffnen. Ganze 40 Musiker, hauptsächlich Bongo-Spieler, stehen zwischenzeitlich auf der Bühne, vor der es schon am frühen Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein voller Menschen ist. Ein Glücksfall für die Organisatoren – noch in der Nacht zuvor hatte es geregnet, graue Wolken thronten bis wenige Stunden vor Konzertbeginn am Himmel über der Stadt. „Eine Reise zu den Wurzeln der Musik“, verspricht dann „Donga-Vortrommler“ Ulf Heße. Geboten werden traditionelle Stücke auf Naturvolk-Instrumenten, vom Didgeridoo bis zur Bongo-Trommel.

Rockig, bei einem der Musiker genauer gesagt dazu auch schottenrockig, wurde es dann bei „Irish Maiden“, die Rock mit irischem Folk im Stile von „Flogging Molly“ oder den „Dropkick Murphys“ kreuzen. Raus kommt dabei eine Musik mit Mitgröhl-Faktor, der auch auf jene anziehend wirkt, die nicht wirklich textsicher sind.

Neben dem musikalischen Programm gab es natürlich auch wieder das gewohnte „Dörfchen“ vor der Bauernkirche mit Ständen, an denen es alles gab von afrikanischem Essen bis zur Currywurst, Trödelartikeln, Antifa-Flyern und Batik-Klamotten. Wer es exklusiver mochte, für den gab es aber auch Sekt für den etwas kultivierteren Schwips zu kaufen.

Dann wird es proviniziell. Und originell. Denn „Provinztheater“ spielen deutschsprachige Musik, Volksmusik in der Eigenbeschreibung, mit Akkordeon, Kuhglocke und Trompeten, dies allerdings in einem Tempo, das jegliche Versuche musikantenstadlesker Bierbank-Schunkelei zum Scheitern verurteilt.

Dann kommen noch „The Hourglass“ aus Transsylvanien. Die Band spielt symphonischen Metal, eine Sparte, die sich beim Friedensfest seit einiger Zeit bereits fest etabliert hat. Und man ahnt: Der Sopran-Gesang und die ausladenden Gesten von Sängerin Alma würden sicher auch auf anderen Bühnen mit anderen musikalischen Spielarten funktionieren.

Am Sonntagnachmittag dann verließ die Veranstalter kurz ein wenig das Glück. Nachdem der Tag mit „Sonador“ gestartet war, verfinsterte sich der Himmel und es begann für eine kurze Weile zu tröpfeln und zu nieseln.

Mit Hochgeschwindigkeit gegen dunkle Wolken

Nun sind die Iserlohner allgemein und die Friedensfest-Besucher im Besonderen wettermäßig ja Kummer gewohnt – dennoch fiel es in der Folge den Bands zunächst schwerer, ihr Publikum vor die Bühne zu bewegen. „Hier ist noch ein ,bissken’ Platz“, feixte Moderator Frank Nitsche. Der Erfolg stellte sich aber nach und nach ein, auch weil sich „Crystal Pasture“ und vor allem deren zierliche Sängerin mit ihrer Hochgeschwindigkeits-Volksmusik zu Klarinette, Geige, Akkordeon und mehr redlich mühten.

Ein besonderes Projekt, das die manchmal vergessene, aber stets vorhandene politische Komponente des Friedensfestes deutlich machte, folgte im Anschluss. „Strom & Wasser feat. The Refugees“ ist ein Zusammenspiel der Band von Heinz Ratz und Flüchtlingen, die zum Teil in ihren Heimatländern bekannte Musiker waren, dann aber fliehen mussten. Weil immer wieder auch welche von ihnen abgeschoben werden, wechselt die Besetzung ständig.

Die Band bietet dann eine vielseitige Mischung, von Reggae über Jazz bis Weltmusik. Bei dem ersten jazzigen Stück versucht sich Ratz an einer Art Scat-Gesang, irgendwo zwischen Helium-Fistelstimme und Krümelmonster-Basston – sehr zur Freude der Kinder, die in der ersten Reihe tanzen.

Abschluss mit tanzbarem Ska und facettenreichem Rock

Die Band kann aber mehr als Ironie. Etwa als ein Gastmusiker aus Gambia in einem Song eine Art Klagegesang anstimmt, der entfernt an Youssou N’Dour erinnert.
Am Abend standen dann noch Skalinka und Blank Manuskript mit Ska und Rock auf dem Programm.