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Weihnachts-Oratorium

Voller Freude in die weitere Adventszeit

07.12.2011 | 16:58 Uhr
Voller Freude in die weitere Adventszeit

Iserlohn.Minutenlang bejubelte am Sonntagabend in der Johanneskirche das in Scharen herbei geströmte Publikum den Märkischen Motettenkreis unter Dr. Wolfgang Besler, die Gesangssolisten und die Musiker der Sächsischen Staatskapelle Dresden am Ende einer überaus gelungenen Aufführung der Teile I-III von Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium. Dabei applaudierte es sicherlich auch für diese einzigartige, zeitlose Verkündigung aus Bachs Feder, dem begnadeten Komponisten, der nicht nur Musiker, sondern auch Theologe war.

Die Aufforderung „Jauchzet, frohlocket!“ des ersten, so fröhlich angestimmten Chores kam aus vollem Herzen, und schon waren die Zuhörenden ganz und gar hineingenommen in die wunderbare Klangwelt des Oratoriums. Doch nicht nur hier oder in den anderen großen Chören bewies der Motettenkreis unter seiner bewährten Leitung seine hohen interpretatorischen Möglichkeiten. Höchst sensibel entfalteten sich die Stimmen besonders in den das Geschehen deutenden Chorälen – mal als zarte innere Reflexion: „Schaut hin, dort liegt im finstern Stall“, mal als mächtiger Ruf: „Brich an, du schönes Morgenlicht“ oder auch als fast dramatisch anmutendes Bekenntnis: „Seid froh dieweil. . .“

Das den Iserlohnern inzwischen wohlvertraute Orchester aus Dresden überzeugte einmal mehr mit seiner Zuverlässigkeit und Feinfühligkeit, nicht nur in seiner Begleitfunktion. Der unverkennbare Stil wurde im Musizieren der Hirtensinfonie besonders deutlich. So rückten Himmel und Erde, Engelschor und Hirtenvolk schon von Beginn an in große Nähe zueinander, waren doch die Übergänge zwischen Flöten und Englischhörnern so fließend, dass der Klang­kontrast fast zu vernachlässigen war. Bei den Gesangssolisten war für die erkrankte Anne Katrin Rosenstock kurzfristig die Sopranistin Cosima Seitz eingesprungen. Die wichtige Rolle des Evangelisten hatte erneut Marcus Ullmann übernommen, der mit seinem lyrischen Tenor in gewohnt ansprechender, lebendiger Deklamation die Geschichte um das Wunder der Menschwerdung vortrug. Hinzu trat der stimmgewaltige Jörg Sabrowski, der mit seinem markanten Bass die Arie „Großer Herr“ - gemeinsam mit Peter Lohse an der Trompete - überzeugend darbot, aber später im Duett „Herr, dein Mitleid“ der Sopranistin durch seine stimmliche Dominanz und gewisse Steife kaum eine Chance gab, mit ihrer lieblichen, doch eher zarten Stimme eine wirkliche Partnerin zu sein.

Ein herausragender Zugewinn war gewiss die Altistin Bettina Ranch, die - ebenso wie die Sopranistin und der Tenor - mit starker Ausstrahlung sofort eine große Nähe zum Publikum hatte und in allen ihren Partien mit ihrer frischen Stimme Zauberhaftes von sich gab! Ein Höhepunkt der Aufführung war dadurch ohne Zweifel die Arie „Schließe, mein Herze, dies selige Wunder, fest in deinem Glauben ein!“, in der sie mit dem Konzertmeister der Dresdener, Thomas Meining, betörende musikalische Zwiesprache hielt. Spürbar voller Freude gingen sowohl die Musizierenden als auch die Zuhörenden nach dem Konzert in die weitere Adventszeit, dankbar und erfüllt von der bewegenden musikalischen Botschaft: „Seid froh dieweil!“

Rahel Schöttler

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